Heute stapfte ich durch den tiefen Schnee im gefrierschrankkalten Westerwald und erfreute mich an dem Funkeln von Millionen von Schneeflocken, die Nachts vom Himmel vielen und nun im  gleißenden Sonnenlicht um die Wette glitzerten. Schaut man sich die funkelnde Pracht genauer an, erblickt man filigrane Kunstwerke. Gehen wir der Sache mal auf den Grund:
Schnee entsteht, wenn sich in den Wolken feinste Tröpfchen unterkühlten Wassers an Kristallisationskeimen, zum Beispiel Staubteilchen, anlagern und dort gefrieren. Die dabei entstehenden Eiskristalle fallen durch zunehmendes Gewicht nach unten und wachsen durch den Unterschied des Dampfdrucks zwischen Eis und unterkühltem Wasser weiter an.
Schneekristalle haben auf Grund der natürlichen Anordnung der Wassermoleküle immer sechs Arme bzw. Seitenflächen. Obwohl dem Schneekristall immer diese hexagonale Form zugrunde liegt, ist die Mannigfaltigkeit der Kristallformen sehr groß.
Die unterschiedlichen Stammformen der Schneekristalle hängen von der Temperatur ab. Bei tieferen Temperaturen bilden sich Plättchen oder Prismen aus, bei höheren Temperaturen sechsarmige Dendriten (Sterne). Auch die Luftfeuchtigkeit beeinflusst das Kristallwachstum. Bei hoher Thermik bewegen sich die Kristalle mehrfach vertikal durch die Erdatmosphäre, wobei sie teilweise aufgeschmolzen werden und wieder neu kristallisieren können. Dadurch wird die Regelmäßigkeit der Kristalle durchbrochen und es bilden sich komplexe Mischformen aus.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es und gab es noch nie zwei Schneekristalle, die exakt gleich waren. Der Grund hierfür liegt in den sehr großen kombinatorischen Möglichkeiten vieler einzelner Merkmale. Mann sagt es gibt mehr mögliche Formen von Schneeflocken, wie Atome im Weltall!
Ebenso verblüffend wie die beobachtete Formenvielfalt ist die ausgeprägte Symmetrie der Kristalle, die darauf zurückzuführen ist, dass die verschiedenen Verästelungen meist in einer ähnlichen Weise und Geschwindigkeit wachsen.
Die weiße Farbe des Schnees liegt darin begründet, dass Schnee aus Eiskristallen besteht. Jeder einzelne Kristall ist transparent, wodurch das gesamte sichtbare Licht an den Grenzflächen zwischen den Eiskristallen und der umgebenden Luft reflektiert und gestreut wird. Wird das gesamte Lichtspektrum reflektiert, erscheint ein Gegenstand weiss. Ein ähnlicher Effekt ist beispielsweise auch bei Salz zu beobachten.
Der mittlere Durchmesser von Schneeflocken beträgt ca. fünf Millimeter. Je höher die Temperatur wird, desto größer werden die Flocken, da die Kristalle schmelzen und zu großen Flocken verkleben. Das Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet für die größte je gesehene Schneeflocke einen Durchmesser von 38 Zentimetern.
Eine Schneeflocke besteht aus bis zu 95 % Luft, weshalb sie so schön ruhig, langsam und leise auf die Erde schwebt. Fällt eine Schneeflocke aber auf Wasser, dann erzeugt sie aufgrund der in ihr eingeschlossenen Luftblasen einen schrillen hohen Ton mit einer Frequenz von 50 bis 200 Kilohertz. Dieser ist für Menschen allerdings unhörbar, für viele Wassertiere mit größerem Hörbereich, aber eine definitive Lärmbelästigung!

 

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