Der 46-jährige DJ Con Tacto tauchte in den vergangen Wochen immer wieder in den Medien auf. Ende 2018 veranstaltete der Kölner einen legendären Underground-Rave im Kanalisationssystem von Köln. Der Party im sogenannten Kronleuchtersaal wohnten ca. 30 Gäste bei und die Stimmung war ausgelassen. Nachdem ein Video der unangemeldeten Veranstaltung im Netz kursierte, wurden schnell auch offizielle Seiten der Stadt auf den Clip aufmerksam und überführten den DJ. Nun musste er sich vor Gericht verantworten …


Wir haben den 46-jährigen im Interview:

Stell dich doch mal kurz unserem Leser vor. Wie lange bist du schon DJ, wo hast du bisher aufgelegt, was für Partys hast du gemacht? 

DJ bin ich seit nunmehr sieben Jahren – professionell seit 2017 – und gespielt habe ich schon auf Festivals wie Ruhr-in-Love, Nature One, World Club Dome – Sommer- und Winter-Edition –, dem bekannten Bora-Bora in Ibiza, in dem Kit Kat Club Berlin, hier in Köln in fast allen Clubs, wie Bootshaus, Helios, E-Küche oder Heinz Gaul. Ausserdem noch eine lange Liste an kleineren Clubs in ganz Deutschland.

2016 haben wir die “Pirates of Cologne’ gegründet, bei denen ich der Captain bin. Wir haben uns auf die Suche nach einer Underground-Location begeben und dabei ich habe den “Tunnel” gefunden – einen stillgelegter Eisenbahntunnel. Mit diesen Events haben wir uns im Großraum Köln auch einen Namen gemacht. Für acht Monate haben wir dort die fettesten Underground-Partys durchgezogen, die Köln je gesehen hat.

Wie geht es dir zur Zeit, welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf dich?

Tja, mir geht es da wie vielen meiner Kollegen. Mir sind alle Bookings komplett weggebrochen, meine Einnahmen waren, bzw. sind gleich Null. Ich konnte allerdings bei einigen Streaming-Events spielen und dort einen Anteil der gesammelten Spenden erhalten, was aber nicht wirklich als Ersatz für den Ausfall gesehen werden kann. Ich hoffe, dass der ganze Corona-Wahnsinn bald ein Ende hat.

Wie kam dir die Idee zu der Party im Kronleuchtersaal? Gab es einen langen Planungsvorlauf und wann genau fand sie statt? 

Wie vorher schon erwähnt sind wir mit den Underground-Partys der “Pirates of Cologne” sehr erfolgreich gewesen in Köln. Ich war auf der Suche nach etwas Neuem, etwas Besonderem. Ich bin dann auf den YouTube-Kanal “Outdoor mit Sebastian” gestoßen, der zu dieser Zeit gerade eine Serie über “Vergessene Kanäle unter der Stadt” gemacht hat. So kam ich zum Kronleuchtersaal. Es gab keinen langen Planungsvorlauf, Sebastian gab mir nur ein paar Tipps, auf die ich unbedingt achten sollte. Was genau das war, möchte ich an dieser Stelle nicht erzählen, wegen des bekannten Gerichtsprozesses. Ich bin dann dorthin geradelt und habe den Wasserstand im Tunnel gemessen, der grade perfekt war, um das Event auf die Beine zu stellen. Alles musste schnell gehen, denn solch einen Wasserstand würde der Rhein erst wieder im kommenden Jahr erreichen. Ich habe dann kurzerhand 30 Leute eingeladen und los ging’s.

Ging die Party dann reibungslos über die Bühne? Wie lang ging sie und wie war die Atmosphäre?

Die Party an sich ging reibungslos über die Bühne. Die Atmosphäre war brutal geil dort unten –echtes, wahres Underground-Feeling. Allerdings habe ich selbst die Party um 3 Uhr abgebrochen, da ich auf die Straße hochgeklettert bin, um zu checken, ob man dort viel von der Musik hört – und dem war auch so. Der Bass drückte richtig schön aus sämtlichen Kanaldeckeln der Umgebung. Das wurde dann zu viel und ich entschloss, besser alles abzubrechen.

Hat euch irgendjemand bemerkt dabei oder beim Verlassen der Kanalisation?

Nein, es hat uns weder beim Reingehen, noch beim Aufbau und auch nicht beim Verlassen irgendjemand bemerkt oder erwischt.

Wie genau ist man dir auf die Schliche gekommen? 

Gute Frage. Der eben erwähnte Sebastian war damals noch ein kleiner YouTuber mit nicht allzu vielen Followern und hat selbst Reportagen gedreht. Er hat mich dann irgendwann geragt, ob er eine Reportage über mich als DJ, die Pirates of Cologne und eben über die besagte Party im Kronleuchtersaal drehen könnte. Er hat uns also begleitet und diese Reportage auf seinem Kanal “Outdoor mit Sebastian” auf YouTube veröffentlicht. Da Sebastian einige Berichte online hatte, in denen er diverse Kanäle unter der Stadt Köln inspizierte, wurde dann auch die Stadt Köln darauf aufmerksam.

Was sagst du zu dem Urteil des Gerichts? 

Nun, grundsätzlich denke ich: Wer Scheiße baut, muss auch dazu stehen und die Konsequenzen tragen. Trifft mich natürlich während der Krise jetzt extra hart, aber es gab liebe Freunde und auch Fans von mir, die mich direkt finanziell unterstützt haben. Allerdings finde ich nicht cool, wenn andere einfach dafür einstehen. Daher habe ich die 600 EUR Strafe selbst aufgebracht und spende das Geld, das mir selbst gespendet wurde, an ein Kinderhospiz.

Wenn die Clubs wieder öffnen dürfen, wie wird deine erste Clubnacht aussehen?

Mit Sicherheit wild, sehr wild. Ich spüre vor allem bei den Online-Streams schon jetzt wie ausgehungert alle sind. Die ersten Partys werden sicher etwas ganz besonders werden. Voller positiver Energie, voller Freude und ich bin mir sicher, dass wir den Laden, in dem ich dann spielen werde, auf links drehen werden. Ich habe die Corona-Zeit aber auch genutzt und mit meinem Manager ein Eventkonzept entwickelt, dessen Namen absolut zu dem passt was jeder von uns mittlerweile braucht – THERAPY! Details dazu gibt es in Kürze, sobald absehbar ist, wann Clubs wieder öffnen werden.

Und wie sind dann deine weiteren Pläne?

Ich werde weiter mit Hochdruck an meiner Karriere arbeiten. So habe ich z. B. noch drei eigene Tracks, die bisher nicht releast wurden und die allesamt richtige Clubkracher sind. Die Songs sind eine neuartige Fusion von Techno und Goa und in meinen Streams drehen alle genau darauf ab. Bekannte aus dem Business sind sogar der Meinung, ich habe da eine neues Genre erfunden und es passt voll in die Zeit. Wir suchen gerade nach einem engagierten Label für die Tracks und im Zuge der Veröffentlichung möchte ich dann eine Release-Tour machen und auch mit der eigenen Reihe “THERAPY!” touren. Ich kann aber versprechen, dass ich Kölns Untergrund in Ruhe lassen werde! Außerdem suchen wir gerade weitere extravagante Locations, um weitere Sets auf meinem YouTube-Kanal “Lost Place Beats” zu veröffentlichen. Die nächste Möglichkeit, mich live im Stream zu erleben, ist Samstag, 13.06., ab 20 Uhr – ich spiele dann zwölf Stunden nonstop. Am besten einfach meinem Twitch-Kanal oder mir auf Facebook folgen, um das nicht zu verpassen.

 

 

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