Bigroom Bangers
by Falko Niestolik

Eddie Chacon
Rumors Or Lies? „Remixes“ (Quattro Music)
Charles & Eddie schrieben Geschichte mit ihrem Über-Welthit „Would I Lie To You“. Nachdem sich bereits David Guetta vor Jahren erfolgreich dem Thema angenommen hatte, tat das auch Eddie Chacon und erreichte damit eine hohe Billboard-Platzierung. Grund genug für das Label, nun ein besonders großes Remix-Paket an den Start zu bringen, wobei man hier sagen muss: Weniger ist manchmal mehr. Wer hört sich schon 14 Remixe an? Ich habe es getan und leider fallen 12 davon komplett durch, da sie schlicht nicht gut sind, nicht meinen Geschmack treffen oder einfach überflüssig sind. Bester Remix und auch am treffendsten ist der von D.O.N.S. & BK Duke: Er bringt den Soul des Originals mit dem Vibe des Clubs in Einklang und lässt eine Sommernacht endlos erscheinen. Gut arrangierte Breaks und ein starkes Backing machen den Track zu mehr als einem Tool. DASCO hat auch einen amtlichen Mix abgeliefert, der definitiv seine Anhänger finden wird. Die zwei hätten gereicht, der Rest fällt leider in die Kategorie „nicht stattgefunden“. 9/10

Point Blvnk & Dario Rodriguez
Hyphy (INFERIAE Records)

Beide Jungs sind in Europa hinlänglich bekannt, haben schon so ziemlich jedes Festival beehrt und sind nun erstmalig zusammen auf einer Single vertreten. Schwere urbane Einschläge, die elektronisch in die dunkle Ecke unseres Bigroom-Universums eintauchen und ziemlich laut wieder das Licht erblicken. Also, von Beginn an fette, gepitchte Vocalline, markanter Bass, wenig bis keine Melodie, aber dafür mit Monster-Groove. Fertig ist das Statement für einen Besuch im Club oder auf dem Festival. Feines Tool auf Darios neuem Label und damit ist ein großartiger Start gemacht. 9/10

Mosimann & Leandro Da Silva
Horizon (Protocol Records)

Es wird mal wieder Zeit für eine Hymne! Mosimann & Leandro Da Silva versuchen es und es klingt alles sehr, sehr vielversprechend. Dann noch auf Nicky Romeros Protocol, da könnte es klappen, wenn der Wind gut steht. Mosimann ist eher aus der Hau-drauf-Ecke, Leandro ist der housige Typ, zusammen klingt das extrem fett. Bigroom-Tech-House mit dieser Streicher-Orgie à la „Pirates Of The Caribbean“. Schönes Vocal obendrauf, das zwar gut passt, aber in der Belanglosigkeit verschwindet. Schade, wäre das noch überdacht worden, wäre es ein kleiner großer Hit. Aber trotzdem geiles Teil. 8/10

Showtek & Sultan + Shepard
Way We Used 2 (Skink Music)

Beide Acts sind schon so lange dabei und haben eine fast unüberschaubare Größe, nicht nur in ihren Heimatländern bzw. auf ihren Heimatkontinenten. Sie rocken international die Bühnen, wobei sie hierzulande eher selten anzutreffen sind. Das Cover ist es allein schon wert, mal reinzuhören – mehr Rosa geht nicht. Was drinnen streckt, ist ein solider Future-House-Track, der pure gute Laune versprüht, spielbar ist und produktionstechnisch auf einem hohen Level. Es ist jetzt nicht unbedingt eine Peaktime-Nummer, aber auf dem Weg dorthin kann sie gut eingesetzt werden. Es klingt ein wenig mehr nach Sultan + Shepard als nach Showtek, aber die Vocals sind schön spitz gepitcht und ja, er ist schon fast zu rund der Track. Kann man spielen, muss man aber nicht. 7/10

Roger Horton
Gonna Give (Darklight Recordings)

Also Rosa bzw. Pink scheint die Farbe der Saison zu sein, auch hier wieder ganz dezent gehalten. Die deutschen Produzenten punkten immer mehr auf internationalen Labels – hier wird auf Fedde Le Grands Darklight Recordings ein wahres Groove-Monster losgelassen. Das Vocal wird mit allem, was das Studio hergibt, durch den Kakao gezogen und schmeckt dem Track perfekt. Die Synths rollen, der Bass landet im Gesicht, das Arrangement ist funktional, fertig ist eine Bombe! Geiles Teil, besonders der zweite Break! 10/10

Keanu Silva & Richard Judge
We Are The Greatest (Hexagon)

Sprach ich doch vorhin schon von Hymnen, haben wir hier einen ganz heißen Anwärter auf die Sommer-Hymne des Jahres. Kein Cover, kein Rework. Die Stimme von Richard Judge hat schon viele Tracks veredelt und hier zeigt er das, was er am besten kann: große Tracks noch größer machen. Das Soundsetting ist einer Hymne entsprechend, tolle Melodie und fette Drops plus eben Richard, plus auf Don Diablos Hexagon – mehr geht nicht! 10/10

SputniQ & DJOLY
Magnet (S2 Records)

Wenn es mal abgehen soll, also, wenn es auch mal lauter sein darf, wenn mit Würde und Anstand gerockt werden soll, mit Stil der Floor zerlegt werden darf, dann greift auf dieses Gerät zurück. „Magnet“ geht ja wohl komplett durch die Decke und besteht auch nach mehrmaligem Hören auf Break & Drop – und dieser Bass-Synth, der sich in den Gehörgang bohrt! Der Rest ist nebensächlich, es ist eine Waffe und ich liebe das Teil! 9/10

Oliver Twizt
Gangsterdam (Lady Bee Mix) (Mixmash Records)

Laidback Lukes Label wird 15 Jahre alt und gefühlt sind es weniger – so fresh und am Puls der Zeit wie jetzt war er noch nie mit seiner Auswahl. Lady Bee widmet sich zum Jubiläum Oliver Twizts „Gangsterdam“ und macht daraus ein Late-Night-Brett, das auf jedem Festival den Floor in Ekstase versetzen wird. Trocken und frisch, schnörkellos, aber mit Detailliebe, großes Kino und Balsam für die Ohren. 10/10

Don Cartel
Control Your Body (Spinnin Talent Pool)

Spinnin hat ja vor einiger Zeit junge Nachwuchs-Produzenten dazu aufgerufen, Tracks auf ihre SC-Plattform zu laden. Wer die meisten Votings erreicht und vom Label für gut befunden wird, sollte ein Release auf Spinnin bekommen. Der Don Cartel wird sich gefreut haben und auch wir hören mal rein: Der Track ist wirklich fett und die Synth-Auswahl ist frisch und kommt gut rüber, das Vocal ist bekannt, auch wenn nicht unbedingt in der flachen Bearbeitung, und passt, auch wenn es überhaupt nicht kickt. Nett und ein Ohr auf jeden Fall wert. 6/10

Tujamo
Getting Money (Spinnin Rec)
Die Nummer ist was ganz Besonderes. Ich kann sie jetzt nicht unbedingt einem Genre zuordnen, aber Tujamo hat das Spiel mit Melodien raus, bedient sich an alten und neuen Teilen, fügt das Ganze zusammen und heraus kommt eine wunderbar tragende Bigroom-Future-Nummer, die fast schon housig ist. Ich kann sie kaum beschreiben, doch eins ist klar: Jeder Urban-House-Liebhaber sollte unbedingt ein Ohr riskieren. Er hat seine Synth- und Drum-Auswahl nach oben etwas nachjustiert, aber der Rest ist ohne Worte. 10/10