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Titel verteidigt, zum zweiten Mal! Wir haben eine Seriensiegerin. Dahinter gab es allerdings Bewegung: Sven Väth kletterte von 6 auf 2 und Dixon von 7 auf 3. Auf Platz 4 gibt es mit Torsten Kanzler einen Neueinstieg in die Top Ten, den wir hier mit einem Interview begrüßen. Das Interview hat Klaudia Gawlas gemacht – und Torsten sprach anschließend mit Klaudia.


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Torsten Kanzler – Interview: Klaudia Gawlas

Wann hast du entschieden, mit Traktor zu spielen? Und was war der Grund dafür?

Ich habe mich lange gegen das digitale DJing gewehrt, aber irgendwann hatte ich dann doch die Nase voll von der ewigen Sucherei im Plattenladen. Die Ausbeute beim monatlichen Vinyl-Shopping wurde immer kleiner. Zur Zeit des Umstiegs war mir das Ausmaß der kreativen Möglichkeiten, die Traktor bietet, noch gar nicht so bewusst. Ich bin daher froh, dass ich den Schritt gemacht habe. Denn es macht am Ende des Tages auch einfach unheimlich viel Spaß.

Wie lassen sich für dich Familie/Frau/Kind und Musik vereinbaren? Ist es schwieriger geworden oder motiviert dich das neue Lebensglück noch mehr? 

Da ich schon immer sehr diszipliniert gewesen bin, was meine Arbeit angeht, war es keine allzu große Umstellung. Die kleine Motte ist Frühaufsteher und weckt mich jeden Tag pünktlich um 05:00 Uhr (lacht). Dann geht’s raus aus den Federn und wenn nichts dazwischen kommt, sitze ich um 07:30 Uhr im Studio und bin um 15:00 Uhr wieder zu Hause. Fast ein normaler Arbeitstag. Da am Wochenende auch Arbeit angesagt ist, nehme ich mir den Montag meist frei. Unter der Woche versuche ich, pünktlich aus dem Studio zu gehen, um möglichst viel Zeit für die Familie zu haben.

Was würdest du deiner Tochter raten, wenn sie später auch Musik machen möchte?

Immer eine Kopfschmerztablette für den nächsten Tag dabei zu haben.

Gibt es eine Stadt, in der du am liebsten auflegst? Oder ist es dir egal, wo du spielst?

Prinzipiell ist es mir egal, wo ich spiele, solange die Leute Techno lieben, Bock auf meine Musik haben, die Anlage gut ist und der Veranstalter ’ne coole Socke ist.

Ziehst du mehr Glückshormone aus großen Events oder eher aus Club-Gigs?

Das kommt natürlich auf das Event an. Aber ich würde sagen, mehr aus den Club-Gigs. Da ist man näher an den Menschen und genau das brauche ich. Ich genieße die Nähe zum Publikum und die Atmosphäre, die entsteht, wenn die Bässe von den Wänden abprallen.

Würdest du heute etwas anders machen, wenn du 15 Jahre zurückdrehen könntest?

Ich würde Facebook erfinden (lacht). Nein, ich würde alles genauso machen, weil ich schon immer das gemacht habe, was mich glücklich macht.

Dein schlimmster und bester Moment 2015?

Der schlimmste Moment war mein Kater am Sonntag nach der Nature One. Schöne Momente gibt es seit der Geburt meiner Tochter jeden Tag und jeder davon war der beste.

Hattest du eigentlich mal vor, etwas anderes zu machen? Oder war es schon immer Musik?

Seit ich denken kann, wollte ich DJ werden – ich bin schon mit Kopfhörer auf die Welt gekommen. Kleiner Scherz. In meiner Familie wurde ich zwar schon früh mit Musik konfrontiert, aber in der elektronischen Musikszene war ich eher ein Spätzünder und habe nicht im Traum daran gedacht, dass ich mal als DJ durch die Welt tingle.

Welche Pläne hast du 2016 für dein Label TKR? Welchen Sound hast du hier anvisiert?

Ich selbst habe meinen Sound ständig weiterentwickelt. Ich mag es etwas melodiöser und andererseits auch nicht, wenn ein Track so vollgepackt und somit viel zu stark komprimiert ist. Ich möchte jedes Element in einem Track hören, seine Entfaltung spüren können und keinen Brei auf meinen Ohren. Auch mein Anspruch an die Soundqualität ist gewachsen und das spiegelt sich dann auch bei TKR wider. Die nächsten fünf Releases sind schon fix und kommen von Toby Rost, Joy Fagnani, Kevin Witt, Romanolito und mir.

www.torstenkanzler.de

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Klaudia Gawlas – Interview: Torsten Kanzler

Was machst du am liebsten, wenn du Urlaub hast?

Das kommt natürlich darauf an, wo ich Urlaub mache. Gerne darf es am Strand liegen und Cocktail schlürfen sein. Aber etwas sportliche Bewegung schadet meistens auch nicht, dann geht es zum Bergsteigen. Also sind es eigentlich immer die Dinge, die man sonst nie macht. Erholung ist mir wichtig und in der Zeit höre ich dann auch keine Musik, sondern versuche einfach zu relaxen.

Kannst du ein Instrument spielen und gibt es musikalische Wurzeln in deiner Familie?

Musikalische Wurzeln gibt es bei mir leider nicht. Ich bin da eher eine Ausnahme. Umso schwieriger war es auch für mich, meinen eigenen Weg zu finden. Früher hatte ich mal eine Gitarre, später ein Keyboard und seit ein paar Jahren habe ich ein Klavier zu Hause und habe auch schon Stunden genommen. Aber zum Glück muss man beim Techno nicht unbedingt singen oder Noten spielen können. Man braucht Rhythmus – und den habe ich eindeutig von meiner Mama.

Gibt es ein Land, ein Festival oder irgendeinen Platz auf der Welt, den du unbedingt mal bespielen möchtest?

Klar, es gibt da noch vieles, was ich gern beschallen möchte. Ich freue mich immer, wenn etwas Exotisches reinkommt. Aber spezielle Wünsche habe ich nicht. Natürlich gibt es auf der Erde noch viele wunderschöne Orte, aber für mich steht eine gute Party mit guten Vibes im Vordergrund. Eine gute Anlage, gute Organisation, gute Produktion und zum Schluss eine heiße Crowd. Es verwundert mich trotzdem immer, in welchen Teilen der Welt meine Musik gehört wird und wie viele mir dann schreiben, wohin ich unbedingt noch kommen muss.

Wie viel Zeit verwendest du jede Woche für deinen Job? Hast du manchmal das Gefühl, die Freizeit kommt zu kurz?

Sehr viel! Aber es gibt lange und kurze Tage. Das Gute ist, dass man das oft selbst in der Hand hat. Aber natürlich kommt alles andere zu kurz. Freunde feiern Geburtstag und man ist nie da. Alle treffen sich am Wochenende und ich bin schon unterwegs. Aber für mich ist das jetzt nicht so ein großes Opfer. Natürlich finde ich es schade, aber ich liebe die Musik über alles andere. Techno ist nun einmal mein Leben. Deswegen muss sich der Musik fast alles unterordnen. Aber ich habe mich damit arrangiert und nutze meine Freizeit, um dann einiges nachzuholen.

Du hast 2013 mit „Papillon“ einen großartigen Techno-Hit auf deinem Album veröffentlicht. Setzt dich das künftig bei deinen Produktionen unter Druck? Hast du das Gefühl, du müsstest jetzt auf das nächste Album wieder so einen Hit draufpacken oder gar noch einen draufsetzen?

Eigentlich nicht wirklich, aber ich werde oft danach gefragt. Der Track „Papillon“ kam schon vor dem Album raus und dann haben wir ihn auch auf das Album gepackt. Das machte ja Sinn, weil mich dadurch viele erst wahrgenommen haben oder auf mich aufmerksam wurden.
Ich selbst mache mir da keinen Stress. Ich will Spaß haben an der Musik. Es gab genügend Tracks in den letzten Jahren, die in die Richtung hätten gehen können. Aber wenn ich keine Lust darauf habe, dann ist es wichtig, das zu erkennen und die Finger davon zu lassen. Ich weiß auch gar nicht, ob es so etwas nochmal geben wird. Wenn es passt, dann passt es – wenn nicht, dann eben nicht.

Die männlichen Gäste dominieren ja leider auf den meisten Techno-Events dieser Welt. Ist das für dich als Frau manchmal schwierig? Hast du schon unangenehme Erfahrungen gemacht?

Manche Techniker oder Kollegen meinen immer wieder mal, sie müssten mir zeigen, wo ich „Play“ drücken soll oder noch viel lustigere Sachen. Damit muss man umgehen können. Aber solche Situationen gibt es doch auch in jedem anderen Beruf. Ich spiele das Spielchen dann gerne mit und finde es äußerst amüsant, Leute zu beobachten, die einem nichts zutrauen, nur weil man eine Frau ist. Aber zum Glück hatte ich bisher nur lustige Erfahrungen ohne größere Vorkommnisse. Aber ja, kommt öfter vor, als man denkt.

Deine Fans wünschen sich oft Fotos und Autogramme. Was würdest du dir von deinen Fans mal wünschen?

Vorweg muss ich sagen, dass ich meine Fans liebe und ich dankbar bin für den Support, den sie mir jedes Mal aufs Neue geben. Sie sind ja auch meine ganze Motivation und treiben mich immer mehr an.

Ich würde mir wieder mehr Toleranz für verschiedene Musikrichtungen wünschen. Wenn man etwas nicht toll findet, gibt es genug Alternativen. Da wird oft gehatet, was total unnötig ist. Zusammen, nicht gegeneinander.

Kannst du kochen? Wenn ja, was kochst du am liebsten? 

Ich esse viel zu gern, um nicht kochen zu können. Meistens etwas Deftiges. Fleisch mit Soßen und immer Kartoffeln. Ich liebe Kartoffeln in allen Varianten. Es gibt immer andere Beilagen: Kartoffelpüree, Salzkartoffeln, Bratkartoffeln …

Aber am besten finde ich meine Rouladen. Leider schaffe ich es nur zwei- bis dreimal die Woche zu kochen. Den Rest der Woche muss ich mir irgendwo etwas besorgen, weil ich wieder zu lange im Studio saß.

Dein lustigstes und peinlichstes Erlebnis 2015?

Ich bin tatsächlich in Italien um 06:00 Uhr morgens gegen eine Glastür gelaufen.

Das war beides, lustig und peinlich zugleich, da das auch noch der Veranstalter gesehen hat. Die Tür war vorher nicht da. Als ich aus dem Club gekommen bin, stand sie auf einmal im Weg.

Hast du Vorsätze für 2016 und welche sind das?

Ich habe nie Vorsätze. Erfahrungsgemäß hält man sich nicht daran. Wenn ich etwas beschließe, dann mache ich einen Plan und fange an. Aber ich mache bewusst einen Schnitt und lasse das letzte Jahr Revue passieren.

Morgen geht die Welt unter und du spielst dazu das letzte Set. Was wäre deine letzte Platte?

Tja, wenn die Welt untergeht, dann „Highway To Hell“ von AC/DC, live mit einem ordentlichen Beat gemixt! Habe ich mir letztens erst auf Vinyl gekauft – ich bin also bereit!

www.klaudiagawlas.de

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