FAZEmag-Jahrespoll 2025: Breakthrough – KUKO im Interview

Der Kölner DJ und Produzent KUKO ist gerade in aller Munde. Zurecht hat er die Kategorie “Breakthrough 2025” gewonnen. Mit seinem unverwechselbaren melancholisch-industriellen Sound gelang ihm rasch einen Platz als beeindruckende Kraft in der Techno-Szene. Im Interview geht es um seinen künstlerischen Weg, seinen melancholisch-industriellen Sound und die emotionale Tiefe seiner Musik. Dabei wird deutlich, wie eng persönliche Erfahrungen, Clubkultur und Community für ihn miteinander verbunden sind.

Glückwunsch, du hast in unserem Jahrespoll als „Breakthrough Artist 2025“ gewonnen – was bedeutet dir diese Auszeichnung persönlich, gerade mit Blick auf deinen bisherigen Weg in der Szene?

Ich freue mich wirklich unglaublich über diese Auszeichnung. 2025 war für mich ein extrem intensives Jahr – wunderschön, aber gleichzeitig auch wahnsinnig anstrengend. Neben dem Touring und meiner ersten richtigen Festivalsaison habe ich sehr viel Energie und Herz in meine Musik gesteckt, vor allem in die Platte, und bewusst versucht, neue Wege zu gehen und mich künstlerisch weiterzuentwickeln. Umso schöner ist es zu merken, dass diese Arbeit gesehen wird und bei den Leuten ankommt. Dieser Titel fühlt sich nicht nur wie ein Preis an, sondern wie ein Zeichen dafür, dass das, was ich ausdrücken will, wirklich etwas auslöst. Mit Blick auf meinen bisherigen Weg bedeutet mir das besonders viel: Ich lege seit über zwölf Jahren auf und schreibe seit ungefähr fünf Jahren eigene Musik. Es ist einfach schön zu sehen, dass das, was ich damit ausdrücken will, Anklang findet und Menschen bewegt – vielleicht sogar hilft, mit ihren eigenen Gefühlen besser klarzukommen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Dein Sound wird oft als melancholisch und industriell beschrieben. Wie hat sich diese Ästhetik entwickelt, und welche Emotionen willst du damit beim Publikum auslösen?

Dieser Sound hat sich bei mir ganz natürlich entwickelt. Ich war schon immer ein großer Fan von melancholischer Musik – von dieser Tiefe und den Emotionen, die sie transportieren kann. Genau das kommt auch automatisch raus, wenn ich selbst schreibe. In Kombination mit harten, treibenden Drums entsteht für mich etwas sehr Besonderes: etwas, das gleichzeitig süß und roh ist – emotional, aber trotzdem nach vorne drückt. Ein Spannungsfeld zwischen Zärtlichkeit und Härte. Fast etwas Leidendes. Wenn ich spiele, will ich die Menschen für diesen Moment aus ihrem Alltag rausreißen. Ich möchte, dass sie nicht nachdenken müssen, sondern einfach fühlen und verarbeiten können. Deshalb sind meine Sets oft geprägt von Ekstase, Schmerz und emotionaler Tiefe. Am Ende ist es für mich immer ein gemeinsamer Weg der Katharsis.

Köln gilt als fruchtbarer Boden für junge Techno-Acts. Inwiefern hat die Stadt und ihre Szene deinen künstlerischen Werdegang konkret geprägt?

Köln hat eine unfassbare Diversität – an Veranstaltungen, Sounds und vor allem an Menschen. Genau das hat mich geprägt, weil man hier nicht nur „die eine Szene“ erlebt, sondern viele verschiedene Welten nebeneinander. Das erweitert den Horizont total: Man bekommt ein viel breiteres Gefühl dafür, was Musik, Techno, verschiedene Kulturen und Persönlichkeiten sein können, wie unterschiedlich Energie in einem Raum funktionieren kann und welche Ideen jenseits eines bestimmten Stils möglich sind. Diese Offenheit hat mir sehr geholfen, meinen eigenen Weg zu finden.

Deine Residencies bei Adrenaline und Unreal haben stark zu deiner Sichtbarkeit beigetragen. Was macht diese Brands für dich so besonders?

Bei Adrenaline und Unreal ist für mich vor allem dieser starke Family-Gedanke etwas Besonderes. Es gibt nur wenige Crews, die so eng zusammenstehen, sich so persönlich austauschen und sich gegenseitig so stark supporten. Man merkt einfach, dass alle mit Herz dabei sind. Es geht nicht nur um Shows oder Business, sondern um Zusammenhalt, Vertrauen und den gemeinsamen Anspruch, etwas Eigenes zu kreieren. Beide Brands denken unkompliziert und versuchen immer, Dinge anders zu machen – nicht einfach nachzumachen, sondern eine eigene Handschrift zu haben. Das motiviert mich jedes Mal und fühlt sich für mich wirklich nach Zuhause an.

Mit Releases wie „Rette Mich“ und der „Die Tonight EP“ auf KRACH hast du zuletzt sehr konsequent deinen eigenen Sound geschärft. Was verbindet diese Veröffentlichungen inhaltlich und klanglich?

Inhaltlich hängt alles stark zusammen, weil die „Tonight EP“ im Kern eine Geschichte erzählt – über eine emotionale Beziehung, in der ich selbst einmal gelandet bin. „Die Tonight“ steht dabei am Anfang: Es geht um Verlustangst, um Unsicherheit und dieses starke Bedürfnis nach Nähe. Dieses Gefühl von „Bleibst du heute Nacht bei mir?“, weil man sonst innerlich auseinanderfällt. „Rette Mich“ ist dann der Moment, in dem man merkt: Irgendetwas stimmt nicht. Eigentlich sollte alles leicht sein – wie Sommer – aber es fühlt sich kalt an, als würde mitten im Sommer Schnee fallen. Man erkennt, dass etwas nicht passt, weiß aber noch nicht, wie man da wieder rauskommt. Klanglich verbindet beide Releases genau dieses Spannungsfeld: Melancholie und emotionale Tiefe treffen auf harte, treibende Energie. Dieser Kontrast kreiert fast etwas Leidendes.

Nach diesem starken Durchbruch: Worauf dürfen wir uns 2026 freuen – neue Releases, ein größerer konzeptioneller Schritt oder Ähnliches?

2026 steht für mich ganz klar im Zeichen der All Night Long World Tour zusammen mit Unreal. Ich freue mich extrem darauf, mit meiner Family die Welt zu bereisen, besondere Shows zu spielen und Erinnerungen zu schaffen, die bleiben. Parallel arbeite ich viel an neuer Musik. Was genau konzeptionell kommt, kann ich noch nicht komplett verraten – aber es wird auf jeden Fall ein größeres Projekt. Es steckt noch in den Kinderschuhen, aber die ersten Schritte sind schon gemacht. Catharsis season.

Welche Rolle spielen dein Team und deine Fanbase für deinen bisherigen Weg, und was möchtest du ihnen zum Abschluss mitgeben?

Meine Community ist extrem offen, supportive und für mich ein essenzieller Motor. Das Leben als DJ ist oft durch kurze und anstrengende Nächte geprägt, aber egal, wie ausgelaugt ich bin – wenn ich sehe, wie sehr die Menschen fühlen, sich freuen und abgehen, macht mich das einfach glücklich. Das gibt mir jedes Mal die Energie, selbst genauso abzugehen und alles zu geben. Dazu kommt dieses oft sehr emotionale Feedback zu meiner Musik und den Auftritten, das mir unglaublich viel Kraft gibt. Es hilft mir, mich in meiner Musik zu öffnen, weil ich merke, dass viele Menschen in ähnlichen Situationen gesteckt haben. Geteiltes Leid ist halbes Leid – und genau das spüre ich sehr.

All das wäre aber natürlich ohne ein starkes Team überhaupt nicht möglich. Wir haben ein sehr inniges und persönliches Verhältnis, wodurch wir uns als Menschen sehr gut verstehen und nachvollziehen können – was sich natürlich auch super positiv auf die Zusammenarbeit auswirkt. Ohne Menschen wie Bena im Management und Paul im Booking wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Aber auch der Rest des Teams ist absolut essenziell, und auch hier ist das Verhältnis super eng. Ich bin unfassbar dankbar für diese Menschen und weiß, wie viel Anteil sie daran haben, dass ich genau das machen kann, wovon ich schon immer geträumt habe.

Aus dem FAZEmag 168/02.2026
www.instagram.com/kukocologne/