FAZEmag-Jahrespoll 2025: Track – Contec im Interview


Mit seinem Edit von „Als du gingst“ hat Contec alias Jonas Wochner die meisten Stimmen abgegriffen. Im Interview spricht der Stuttgarter über die besondere Wirkung des Songs, den plötzlichen Erfolg weit über die Szene hinaus und darüber, wie er mit Erwartungen, Verantwortung und dem Blick nach vorne umgeht.

Dein Edit von „Als du gingst“ hat bei unserem Jahrespoll als „Best Track 2025“ gewonnen. Wann hast du realisiert, dass dieser Song für viele Menschen mehr geworden ist als nur ein Club-Track?

Es war nicht wirklich ein einzelner Moment, an dem ich das festmachen kann, eher eine Entwicklung. Über die Zeit schrieben mir immer mehr Menschen, was sie mit diesem Song verbinden. Für manche war es sogar ein Grund, das erste Mal seit vielen Jahren wieder zu weinen, und das hat mir deutlich gemacht, wie groß dieser Impact wirklich ist.

Der Erfolg kam extrem schnell und weit über die elektronische Szene hinaus. Gab es einen Moment, in dem dich diese Wucht selbst überrascht oder sogar verunsichert hat?

Definitiv. Ich bin davon ausgegangen, dass sich ein solcher Erfolg erst nach zehn Jahren Arbeit einstellt. Dieser enorme Umschwung kam für meine Verhältnisse sehr schnell und brachte viele Herausforderungen mit sich. Als eher introvertierte Person, die lieber hinter dem Bildschirm saß und Musik gemacht hat, drehte ich auf einmal ein Musikvideo mit einem Produktionsteam und wurde sogar im Radio interviewt.

Viele verbinden elektronische Musik primär mit Eskapismus. Glaubst du, dass Tracks wie „Als du gingst“ zeigen, dass auch Verletzlichkeit und Trauer ihren Platz auf dem Dancefloor haben?

Ich denke, ich bin nicht der Erste, der Verletzlichkeit und Trauer in der Technoszene thematisiert. Und selbst wenn es so wäre, gäbe es dafür definitiv einen Platz. Ich finde es immer sehr schade, wenn Clubmusik nur mit „Feiern“ verbunden wird. Natürlich ist das ein wesentlicher Bestandteil, aber für viele geht es auch um Kunst, Kontakt und um einen Wohlfühlort, den man zu Hause vielleicht nicht finden konnte. Trauer sollte nicht zu einem Markenzeichen eines Künstlers werden, aber sie darf ein Bestandteil sein – und um die Frage zu beantworten: ja, auch im Club.

Du hast den Song ursprünglich aus einem sehr privaten Impuls heraus geschaffen. Hat der massive öffentliche Zuspruch deine Beziehung zu dem Track verändert?

Anfangs habe ich den Song stark mit meinen Verlusten verbunden, vor allem in Bezug auf meinen verstorbenen Freund. Mittlerweile fühlt es sich eher wie eine Geschichte an. Ich denke jetzt an alles, was danach in meiner Karriere, aber auch in mir selbst passiert ist.

Mit dem Major-Deal bei Virgin hat sich dein Arbeitsumfeld stark professionalisiert. Gibt es Dinge, die du trotz des Erfolgs ganz bewusst unverändert lassen willst?

Ja, definitiv. Auch wenn meine Musik jetzt im Mainstream angekommen ist, möchte ich meine künstlerische Intuition beibehalten und meinen Weg weiterhin selbst bestimmen.

Als Gewinner der Kategorie „Best Track 2025“ wirst du nun auch stärker als Stimme deiner Generation wahrgenommen. Spürst du eine Verantwortung gegenüber deinem Publikum?

Ich spüre vor allem eine Verbundenheit. Ich weiß jetzt, dass ich mit meinen Gefühlen nicht alleine bin und dass meine Musik diejenigen erreichen wird, die sie erreichen soll.

Wenn du nach vorne blickst: Welche Pläne, Releases oder persönlichen Ziele stehen für dich 2026 im Fokus?

Ich möchte mein Vertrauen in mich selbst und in die Zukunft stärken. Der massive Zuspruch kann ironischerweise auch Angst machen, und man fragt sich, ob man dem Ganzen gerecht werden kann. Ich habe gelernt, dass man seine eigene Arbeit nie unterschätzen sollte. Ich freue mich sehr auf die Projekte, die 2026 anstehen.

Aus dem FAZEmag 168/02.2026
www.instagram.com/contec.official