feindrehstar
Irgendwie schade, dass Feindrehstar mehr live unterwegs sind als dass sie produzieren, denn es müsste mehr Musik dieser Band nicht nur on stage, sondern auch to go geben. Doch, halt, in Wahrheit ist es ein Glück, dass die sieben Jungs mehr touren als im Studio zu sitzen. Denn sonst wäre das neue – wenn auch erst zweite Album in etwa fünfzehn Jahren Bandgeschichte – sehr wahrscheinlich nicht das, was es ist. Die neue Platte „Love & Hoppiness“ erscheint am 9. Oktober bei Musik Krause und ist nicht nur sehr fein, sondern könnte einer der neuen Stars auf den Dancefloors und in den Wohnzimmern werden.


Sie fühlt sich an, als wäre man eine Nacht lang mit der Band in den Clubs und Jazz-Kellern der verrücktesten Metropolen dieser Welt unterwegs, zwischen kantigem House und sprenkelnden Worldbeats mit groovigem analogem Funk, Soul, Jazz und Afrobeat. „Die Band ist einfach als klassische Live-Band entstanden. Und das ist sie nach wie vor. Wir sind keine Studiomusiker, die am laufenden Band Sachen produzieren“, erzählt Schlagzeuger und Mitglied der ersten Stunde Friedemann Ziepert. „Natürlich gehen wir ins Studio und nehmen was auf. Aber bis zum ersten Album hats wahnsinnig lange gedauert. Das ist auch so ein bisschen dem geschuldet, dass wir einen relativ langen Prozess hatten, einen eigenen Sound zu finden … Der ist auch schwer zu kategorisieren. Dann kam ja auch erst 2010 das erste Album raus. Und das hat jetzt wieder tatsächlich diese Spanne von fünf Jahren gebraucht. Vor drei Jahren haben wir angefangen, an dem neuen Album zu arbeiten.“ Das taten die Musikfeindreher mit dem House- und Technoproduzenten Michel Baumann und verschiedenen Gästen, unter anderem der lebenden Afrobeat-Legende Ebo Taylor, dem Deep House-Connaisseur Dave Aju und der kroatischen Sängerin Tina Keserovic. Sie bringen mit ihren Vocals neue Impulse in das Facettenreich der Band. Tina Keserovic singt etwa eine sehr bekannte Roma-Hymne über einen Track. Auch kamen verschiedene Instrumente zum Zug. So ging Bassklarinettist Andy Geyer über die zwei Versionen des Titelsongs drüber.

Nie wirken die zwölf Stücke aufgesetzt, jeder Beat pulsiert ihre Live-Genetik. Unbeschwert, klischeebefreit umarmen sich unterschiedliche Einflüsse in einem kosmopolitischen Clubsound. „Wir spielen nicht nur wahnsinnig gern live, sondern arbeiten auch so, dass wir Stücke, die wir im Probenraum arrangieren oder komponieren, meistens auch erstmal live testen. Und dann merkst du auch live, dass du ein bisschen noch was an dem Song machen musst“, erklärt Friedemann. Bis die Songs gewachsen sind und diesen speziellen antreibenden, wendigen Dreh raushaben. Die Feindrehstars selbst nennen ihren Stil ‚Krautclub‘. Überhaupt scheinen sie ein Faible auch für Wortakrobatik zu haben, was sie nicht zuletzt im neuen Albumtitel und dem Feindrehfiltern entlehnten Bandnamen ausleben. „Love and Hoppiness war ein Wortspiel. Aus Happiness und Hope. Das Lied ist entstanden, nachdem wir uns tierisch gezofft hatten. Dann sind wir wieder in ‘ner Jam gelandet. Und das hatte dann so einen Versöhnungsmoment in der Band. Das Ganze gibt dem so einen leicht plakativen Titel. Liebe ist das, das jeder Mensch braucht.“ Wie auch das Tanzen, meint Friedemann: „Unsere Musik ist schon sehr lebensbejahend. Tanzen an sich ist ja auch etwas total Ursprüngliches, Menschliches. Also sich zu Musik zu bewegen. Und das Ziel ist natürlich, dass die Leute sich dazu bewegen. Ganz klar. Das ist die Message: Bewegt euch, Leute. (lacht)“. Angekommen, permanent in Umsetzung und daher die Empfehlung: Die feingedrehte Musik maximal rotieren lassen und nach Live-Terminen Ausschau halten. / Csilla Letay

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Aus dem FAZEmag 044/10.2015