Skateboarding hat es geschafft: Der Weg von der Straße in die olympischen Bowls und auf die Street-Parcours dauerte über 50 Jahre. Doch seit 2020 ist das Boarden offiziell olympische Disziplin. Foto by stock.adobe.com ©golubovy 


Skateboarding existiert nicht erst seit gestern – auch, wenn es im Vergleich zu anderen Sportarten im Grunde noch in den Kinderschuhen steht. Doch bereits in den 70er Jahren wurde am Venice Beach in Los Angeles mit den Rollbrettern getrickst. Leere Swimming Pools bildeten die ersten Halfpipes und kleinen Parks. Im Film Dogtown Boys beispielsweise lässt sich das mit nostalgischem Blick noch einmal miterleben. Doch erst zu Olympia 2020 wurde Skateboarding auch als olympische Disziplin ins Programm genommen. Wir finden: Besser zu spät als nie!

 

Skateboard erstmals als olympische Disziplin

Spätestens seit Skateboard-Legende Tony Hawk kennt die ganze Welt das Skateboarden. Wer nicht selbst schon einmal auf dem Brett stand, hat Anfang der 2000er Jahre zumindest den Star aus den Staaten schon einmal durch virtuelle Parks und Straßen im ersten oder zweiten Teil von „Tony Hawk’s™ Pro Skater™“ gejagt. 2020 erschien das Remake der beiden Teile, das die Begeisterung nur neu entfachte. Und im gleichen Jahr durften mehrere Teams auch endlich um Olympisches Gold kämpfen.

Tony Hawk selbst hatte es oft genug betont: Skateboarding müsse olympisch werden. Andernfalls würden die Olympischen Spiele junge Zuschauer:innen und Fans einbüßen. Denn aktuelle Disziplinen Olympias lassen sich durchaus als etwas angestaubt bezeichnen. Immerhin gibt es das Laufen, Diskus- und Speerwerfen beispielsweise schon seit der Antike. Das macht diese Disziplinen zwar nicht schlechter, ein etwas modernerer, cooler Neuanstrich der Spiele schadet aber nicht.

Genau das sah das IOC, das Internationale Olympische Komitee, im Jahr 2016 ein. Hier wurde erstmals verkündet, dass Skateboarding 2020 zum ersten Mal Teil des Programms der Olympischen Spiele sein würde. Auch Baseball, Softball, Karate, Sportklettern und Surfen wurden ins Programm aufgenommen. Teil des Kommentatorenteams ist dabei auch besagter Tony Hawk mit seinen heute 53 Jahren. Es ist übrigens empfehlenswert, sich, wenn man keine Ahnung von der Materie hat, vorher ein wenig mit gängigen Begriffen zu beschäftigen. Zu wissen, was „Nose“ und „Tail“, „Deck“ und „Trucks“ bedeutet, hilft nicht nur beim Verstehen diverser Kommentare. Sondern eben auch, wenn der Wunsch entsteht, sich selbst mal ein eigenes Board zuzulegen.

Doch natürlich sind auch nicht alle Skate-Fans sind von dieser Entwicklung begeistert. Skateboarding gilt für viele immer noch als Subkultur, als Lebensgefühl. Selbst in den 80ern und 90ern, als auch die ersten Modebrands ums Skaten entstanden, war die Szene noch weit entfernt vom Mainstream. Außerdem zeichnete sich das Skaten immer dadurch aus, dass es keine festen Regeln gab. Jeder machte eben, was ihm gefiel. Bei der Olympiateilnahme dagegen herrscht natürlich ein striktes Regelwerk. Und das passt nicht allen Skater:innen.

Wir allerdings finden, dass die Olympischen Spiele eine große Chance darstellen. Eine Chance, den Sport endlich einmal vor einem gigantischen Publikum auf einer großen Bühne zeigen zu können. Das sorgt für den Respekt und die Beachtung, die das Skateboarding verdient hat. Seinen Untergrundcharakter wird der Sport dadurch dennoch beibehalten – denn seine Wurzeln liegen nun einmal auf der Straße.

Die verschiedenen Disziplinen

Vier Gold-, Silber- und Bronzemedaillen ließen sich bei den Olympischen Spielen vom 25. Juli bis 5. August 2021 in den Skateboard-Wettbewerben ergattern und werden zukünftig Teil des festen Olympiaprogramms sein. Die beiden Disziplinen lauten „Park“ und „Street“ und werden einmal von den Frauen und einmal von den Männern bestritten.

Park
In dieser Disziplin fahren die Skater:innen in einer Bowl (Swimmingpool-artiger „Parkour“) mit steil aufragenden Wänden und scharfen Kurven. Es geht temporeich zu, es gibt hohe Gefälle und teilweise nur sehr kurze Beschleunigungswege. Tricks werden auf Halfpipes, Pools und Rampen ausgeführt, die den Park bilden. Aerials und Grinds stehen im Vordergrund. Im Park gibt es vier Vorläufe und das Finale.

Street
In dieser Disziplin fahren die Skater:innen in einem größeren Parkour, der an urbaneres Gelände angelehnt ist. Der Fokus liegt auf Tricks, Grinds, Slides und Aerials. Stufen und Geländer sind dabei die klassischen Elemente in den Street-Parkours. Zudem finden sich Bänke, Bordsteine, Mauern und andere Hindernisse.

In der Disziplin „Street“ werden urban-anmutende Parcours aufgebaut. Treppen und Geländer sind unter anderem als Hindernisse Teil davon. Foto by stock.adobe.com ©oneinchpunch

Bewertungskriterien für die „Läufe“

In die Bewertung der Punktrichter der beiden Olympischen Disziplinen fließen verschiedene Kriterien ein. So sind relevant:

  • Die Schwierigkeit der Tricks
  • Die Ausführung der Tricks
  • Das Tempo der Tricks und des gesamten Laufs
  • Die Kreativität eines Laufs
  • Die Vielfalt der Tricks in einem Lauf
  • Die Anzahl der Fehler

Insgesamt fünf Punktrichter vergeben in der Disziplin „Park“ Wertungen zwischen 0 und 100 Punkten. Sowohl die beste als auch die schlechteste Bewertung wird nach allen fünf Läufen eines Teilnehmenden gestrichen. Anschließend wird aus den übrigen drei Wertungen ein Durchschnitt errechnet, der die Gesamtbewertung der Skaterin oder des Skaters bildet.

In der Disziplin „Street“ wiederum wird nach dem olympischen Format gewertet. In jeder Runde müssen die Skater:innen je zwei Läufe zeigen. Jeder Lauf dauert dabei genau 45 Sekunden. Außerdem werden fünf Tricks gezeigt, die in einer gesonderten Bewertung abgerechnet werden. Die Skala reicht dabei von 0 bis 10. Wie auch in der Disziplin Park wird anschließend aus den drei mittleren Werten ein Durchschnitt errechnet.

Voraussetzungen für Skateboard und Sicherheit

Es gibt diverse Voraussetzungen an das Skateboard als Sportgerät für die Athlet:innen an sich sowie an deren Sicherheit beim Fahren. Diese müssen erfüllt sein, um teilnehmen zu dürfen.

Das Skateboard
Das Skateboard muss solide und robust gebaut sein und so aufgebaut sein, dass auch im Fall eines Bruchs des Bretts keinerlei Splitterstücke durch die Luft fliegen und jemanden verletzen können. Zudem muss die Außenkante des Boards abgerundet sein. So soll zusätzlich Schnittverletzungen vorgebeugt werden. Letztlich soll die Gesamtkonstruktion des Brettes so sein, dass keine Gefahr für Athlet:innen oder andere Personen ausgeht, die sich im Umfeld aufhalten.

Für die Gesamtform des Skateboards, das Material und die Größe gibt es keine speziellen Vorgaben. Wichtig ist nur, dass ein Brett folgende Komponenten und im Wesentlichen auch keine sonstigen Komponenten besitzt:

  • Das Griptape, also die oberste raue Schicht, die dafür sorgt, dass die Athet:innen rutschfest und sicher auf dem Brett stehen können
  • Die Rollen mit entsprechenden Kugellagern in diversen Härtegraden und Größen
  • Die Achsen mit zugehöriger Befestigung am Brett und so angebracht, dass das Board zu lenken ist

Nicht erlaubt sind selbstverständlich elektrische Motoren oder ein Verbrennungsmotor, der Teil des Brettes ist. Zudem müssen alle Teilnehmenden frei auf dem Skateboard stehen. Das heißt, es dürfen keinerlei separate Befestigungssysteme angebracht sein, welche die Füße fest auf dem Board halten.

Bevor die Teilnehmer:innen an den Olympischen Spielen ihre Boards in den Disziplinen verwenden können, überprüft der Hauptschiedsrichter einzeln jedes Brett. Bennent er eines der Bretter als unzulässig, weil diverse Regeln nicht eingehalten wurde, wird entsprechende/r Teilnehmer:in nicht zugelassen.

Die allgemeine Sicherheit

Allen Teilnehmenden wird selbst überlassen, mit welchem Protektoren und Helmen sie sich vor Stürzen schützen möchten. Die Wahl des Schutzes fließt am Ende der Läufe mit in die Bewertung der Schiedsrichter zur Feststellung der Fertigkeiten, der Professionalität und der Falltechnik ein. Athlet:innen, die noch nicht volljährig sind, müssen einen Helm tragen. Schon in den offiziellen Trainings- und Übungsphasen wird dies vom Organisationskomitee genaustens überwacht.

Folgende drei Helmvarianten sind im Wettkampf erlaubt:

  • Helme, die bereits über ein ATSM-, CE-, CPSC- oder SNELL-Zertifikat oder eine andere eindeutig verifizierbare Prüfung verfügen
  • Helme, die mit unter der Verwendung von EPS (Expandierter Polystyrolschaum) als primäre Komponente für Stoßdämpfung hergestellt wurden
  • Helme, die ohne Verwendung von EPS hergestellt wurden, für die aber eine offizielle schriftliche Genehmigung der FIRS (Föderation des internationalen Rollsports) vorliegt

Die olympischen Skater:innen waren 2021 in Tokio so jung wie kaum andere Athlet:innen im gesamten Wettkampf Viele der Sieger:innen kommen aus Japan. Foto by stock.adobe.com © 篤史 大田

Die Sieger:innen 2021 in Tokio

Bei den ersten offiziellen Olympischen Skateboard-Wettkämpfen 2021 in Tokio fiel vor allem auf: Die Sieger:innen haben eine Sache gemeinsam – sie zählen zu den jüngsten aller Disziplinen.

In der Disziplin „Park“ gewann bei den Männern Keegan Palmer. Mit seinen 18 Jahren ist er der jüngste australische Medaillengewinner in Tokio. Die Disziplin „Street“ gewann der 22-jährige  Japaner Yūto Horigome. Der einzige Deutsche unter den männlichen Teilnehmern, der 20-Jährige Tyler Edtmayer, schied in den Vorläufen leider schon aus. Edtmayer musste allerdings auch mit gebrochenem Arm antreten und war somit klar im Nachteil.

Bei den Frauen war die Geschichte mit dem Alter noch erstaunlicher. So gewann in der Kategorie „Park“ die 19-jährige Japanerin Sakura Yosozumi vor der 13-jährigen Japanerin Kokona Hiraki und der britisch-japanischen Sky Brown, die ebenfalls gerade einmal 13 Jahre alt ist. In der Disziplin „Street“ konnte eine 13-Jährige jedoch sogar Gold holen: Die Japanerin Momiji Nishiya war damit beinahe die jüngste Olympiasiegerin der Geschichte. US-Schwimmerin Marjorie Gestring gewann jedoch 1936 in Berlin im Alter von 13 Jahren und einigen Tagen weniger als Nishiya ebenfalls schon einmal Gold.

Wir dürfen gespannt sein, wie es bei der nächsten Olympiade aussieht – vielleicht wird das Boarden jetzt ja noch populärer und wir sehen in Zukunft sogar noch jüngere Teilnehmer:innen.

 

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