160463s_FJAAK_2016_photo_birgit_kaulfuss5
Ende 2006 war es ungefähr, als Felix Wagner, Aaron Röbig und Kevin Kozicki in Berlin-Spandau begonnen haben, elektronische Musik zu produzieren und aufzulegen. Zehn Jahre später zählen FJAAK zu den spannendsten und vielversprechendsten Techno-Live-Acts der Republik. Ihre Diskografie listet bis dato Labels wie Baalsaal Records, das von Modeselektor nach 50 Veröffentlichungen im Jahr 2015 eingestellte 50Weapons und auch Monkeytown Records, das größere Label von Gernot Bronsert und Sebastian Szary. Dort erscheint am 20. Januar das Debütalbum von FJAAK: „FJAAK“

Vor nicht allzu langer Zeit kürte die Groove sie zum „Hoffnungsträger des Jahres“, sogar der Tagesspiegel berichtete bereits über sie und stattete der Männer-WG einen Besuch ab. „Im Flur lehnen zwei Rennräder, bunte Strohhalme hängen von der Decke, an einer Wand klebt ein kaputtes MacBook. In fast jedem Raum ein Studio. Plattenspieler, Boxen und Drum Machines finden sich überall in diesem Altbau an der Grenze von Friedrichshain zu Prenzlauer Berg.“ Bereits damals erzählen sie, „keinen Bock“ zu haben auf Leute, „die nur Show machen, drei Knöpfe drücken und nebenbei wahrscheinlich noch World of Warcraft spielen oder Selfies machen.“ Techno richtig kennengelernt haben sie mit 14 bei Open Airs auf den Rieselfeldern in Gatow. Kurz darauf folgte der erste eigene Drumcomputer. „Wir sind voll ausgerastet, dass man so Musik machen kann.“ Kevin schreibt dem Veranstalter des Clubs Rekorder an der Jannowitzbrücke, dass er dort schon mal aufgelegt habe und gerne wiederkommen würde. Die Wahrheit: Er hatte noch nie in einem Club gespielt, geschweige denn einen von innen gesehen. Er bekommt den Gig, eine Woche später spielen sie zu dritt. Der Anfang einer Erfolgsgeschichte. Eine Geschichte, die heute viel mit analogen Spielzeugen und mit sehr wenigen Computern zu tun hat. Das haben sie bei zahlreichen Shows 2016 erneut unter Beweis gestellt. „Das Jahr war vollgestopft mit tollen Erfahrungen und ging gefühlt schneller vorbei, als eine Jin-Ling-Zigarette brennt. Wir waren in China unterwegs, auf den Philippinen, in Los Angeles, New York, Toronto und natürlich Europa. Wir haben so viele neue Orte gesehen und geile Scheiße erlebt! Negativ war allerdings der Gesichtsausdruck der New Yorker, als Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde. An dem Tag sind wir in New York gelandet.“ Eine positive Nachricht gab es in jener Nacht dann doch für die New Yorker – FJAAK debütierten mit neuer Live-Show auf der Bühne. „Wir haben angefangen, neue Effektgeräte wie zum Beispiel Pedale mitzubringen, und das Setup etwas erweitert. Es war extrem geil. Jedoch arbeiten wir schon wieder an einem ganz neuen Live-Set mit ganz anderem Ausmaß. Das Debüt findet am 28. Januar im Berghain statt. Zum Setup wollen wir bis dahin auch nicht mehr verraten – lasst euch überraschen!“
Auf dem nun erscheinenden Langspieler sind elf Tracks zu hören, darunter Kollaborationen mit Modeselektor und Rødhåd sowie eine neue Version von „Gewerbe 15“, die bereits vor einiger Zeit als EP erschien. Das Label selbst bezeichnet das Album als „den energiegeladenen Peak-Time-Sound aus den Techno-Singles des Trios mit durchdachten Breakbeat-Arrangements und dichten Ambientklängen.“ Ziemlich auf den Punkt getroffen, finden FJAAK: „Jetzt müsst ihr euch das Album gar nicht mehr anhören (lachen). Nein, mal im Ernst, das beschreibt es so knapp eigentlich ganz gut. Wir haben viel im Studio von Modeselektor gearbeitet und dem Album den letzten Feinschliff gegeben, dafür wollen wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken! Wir treffen uns ab und zu mit Rødhåd und jammen im Studio, quatschen über dieses und jenes und arbeiten an Tracks. Ganz locker halt, so sind übrigens auch die Kollaborationen entstanden – frei aus dem Bauch heraus.“ Folgerichtig gibt es nach diesem Arbeitsprinzip auch keine feste Aufgabenverteilung. „Wir arbeiten viel mit Hardware und verändern das Setup eigentlich kontinuierlich. Deswegen hat auch keiner wirklich eine fest zugewiesene Aufgabe, viel eher ist das von dem jeweiligen Konzept abhängig. Meistens jammen wir nur und versuchen, das Beste rauszuholen. Die Herausforderung dabei ist, dass alle drei Zeit haben und so wenig wie möglich zu spät kommen (lachen).“ Zu ihren aktuell favorisierten Gerätschaften zählen unter anderem Urei 1176LN, EL Distressor und die MPC 2000XL. Am SAE Institute Berlin haben sie einst „Audio Engineering“ gelernt. „Wir denken an die netten Menschen, die uns dort umgeben haben, und die fetten Mischpulte, an denen wir uns auch mal die Nacht um die Ohren gehauen haben. Wenn man so ein praxisorientiertes Studio ins Auge fasst, sollte man sich im Klaren sein, dass man bereit sein muss, so viel Zeit und Energie wie möglich zu investieren. Denn die kommt – wenn nicht alles falsch läuft – am Ende wieder raus. Da ein gewisser Zusammenhang mit unserem sonstigen Schaffen bestand, war das für uns nicht immer schwer. Außerdem lernt man mal ganz andere Blickwinkel kennen und sammelt so auch neue Erfahrungen: Wir haben ein Jazz-Orchester mit einem fetten Neve-88-RS-Pult aufgenommen, das hat echt Spaß gemacht!“

Aus dem FAZEmag 059/01.2017
Text: Rafael Da Cruz
Foto: Birgit Kaulfuss