Fotocredit: Martina Dittrich


Flat Maze sind Pianist Uri Gincel sowie Produzent Stefano Mori. Gemeinsam zeichnen sie mit „Gran Canaria“ für eine weitere Katalognummer auf dem Berlin-Mailänder Label Jazz-o-Tech –  das elektronische Klänge mit der Jazz-Welt fusioniert – verantwortlich. Nach der „Dick Dunker EP“ aus 2018 ist es bereits die zweite Veröffentlichung des Duos auf dem Imprint. In diesem Fall liefern Gincel und Mori ein Kombinat aus schillerndem Jazz und Elektronik auf drei Tracks, zu denen sich zwei Remixe von Arnaud Le Texier sowie Dinamite gesellen.

Kennengelernt hat sich das Duo mehr oder minder durch das damalige Vorhaben der Jazz-O-Tech-Macher, erzählt Stefano: „Ich habe ein Demo an ein Label namens Beatrude Records geschickt. Sie sagten mir, dass sie meine Musik zwar lieben, aber das Label nicht mehr fortführen, da sie gerade an einem neuen arbeiten und dort ein Crossover zwischen Jazz und Techno fokussieren. Sie fragten mich, ob ich mit der Kombination meines Sounds mit Jazz-Instrumentalimprovisationen experimentieren wolle. Zuerst war ich ein wenig skeptisch, aber dieser Vorschlag faszinierte mich. Ich bin ein Jazz-Liebhaber und besuche regelmäßig Jazz-Sessions in Berlin. Eines Abends hörte ich Uri zufällig bei einer dieser Sessions spielen und war wirklich beeindruckt. Ich dachte, er sei der Richtige für dieses Projekt. Wir nahmen Kontakt auf und das Projekt Flat Maze begann.“

Stefano Mori gründete bereits vor Jahren das Audio-Visual-Kollektiv Mostefprod, mit dem er auf Festivals wie LPM in Rom, Dark&Daring in Ipswich oder Homework in Bologna gastierte: „Vor ein paar Jahren habe ich dann mein eigenes Projekt unter dem Namen Elephant Kodex gestartet. Ich habe auf mehreren Partys wie Mechatronica gespielt und eine EP für das deutsche Label Fuchsklang veröffentlicht.“ Uri Gincel hingegen stammt aus Tel Aviv und war seit einigen Jahren in Berliner Jazzprojekte involviert: „Jetzt suche ich nach der Grenze zwischen verschiedenen musikalischen Welten, spiele moderne Jazzmusik und produziere zugleich auch komplizierte Techno-Alben. Wie Miles Davis schon sagte: ,Gute Musik ist gut, egal, welche Art von Musik es ist.‘“ Die Idee zum Namen entstand dabei in der Kombination zweier Clubnamen: „B Flat, der Jazzclub, in dem ich Uri zum ersten Mal spielen sah, und das Maze, ein Techno-Club in meiner Nachbarschaft, in dem ich normalerweise spiele.“

Und obwohl beide Genres in scheinbar vielen Punkten äußerst konträr zu sein scheinen, so eine beide Folgendes, wie Uri erklärt: „Beide zielen darauf ab, zu experimentieren und die Grenzen der modernen Musik zu verschieben. Bei beiden geht es auch darum, Leute auf die Tanzfläche zu bringen. Einen Treffpunkt zwischen diesen beiden Genres zu finden, bedeutet, den synthetischen und repetitiven sowie hypnotischen Sound der elektronischen Musik mit der Unvorhersehbarkeit der Jazz-Improvisation zusammenzubringen, um – vor allem live – pulsierende, spontane, emotionale Musik zu schaffen.“ Gerade deshalb hofft das Duo, schon sehr bald seine Idee live performen zu können: „Darum geht es bei Flat Maze eigentlich, in einem Technoclub und auch in einem Jazzclub spielen zu können. Bis jetzt hatten wir aber eher die Möglichkeit, in elektronischen Musikclubs oder auf kleinen Musikfestivals zu spielen. Wir können uns keine Situation vorstellen, in der die Leute sitzen und sich Flat Maze live anhören.“

Die nun erscheinende EP ist, so erinnert sich Stefano Mori, am Strand von Las Palomas auf Gran Canaria entstanden. Ein Ort, der die EP nicht nur im Namen deutlich geprägt hat: „Die Sonne und der Wind der Dünen inspirierten mich zu Rhythmus und Bass, während Uri die melancholische lateinjazzige Klavier-Line hinzufügte. ,Petardo Boy’ feat. Sebastian Studnitsky ist inspiriert von einem gleichnamigen exzentrischen und explosiven Charakter aus Berlin.“ Er begann mit einem Riff von Uri und wurde dann von Stefano und einer elektronischen Komposition ergänzt, die so eklektisch ist wie die Persönlichkeit selbst. „Golden Cat“, der letzte Track der EP, ist ein kratziges elektronisches Riff, ein Track, der schlichtweg von Uris Katze inspiriert wurde.

Und auch mit dieser Veröffentlichung stärkt Jazz-o-Tech seine Reputation als Pionier der aktuellen Techno-Jazz-Bewegung, die nicht nur in Europa sondern auch in den Staaten immer größer zu werden scheint: „Wir sind einer der ersten Künstler des Labels und erfahren seitdem eine ungemeine Freiheit und die Möglichkeit zum Experimentieren. Wir teilen das Label mit so vielen supertalentierten internationalen Künstlern wie Aki Himanen, Bada-Bada, Torino Unlimited Noise, Mattia Prete, Key Clef und vielen anderen. Drei Jahre mit Jazz-o-Tech, und wir fühlen uns wie eine Familie, die nun auch international Erfolge verbucht. Ihr werdet in Zukunft noch viel über das Label und Flat Maze hören.“

Aus dem FAZEMAG 110/04.2021 
Text: Triple P
Foto: Martina Dittrich
www.instagram.com/flatmaze