Wir gehen ins Closing des Jahres 2019! Für viele ist dieser Teil der Party ja das Highlight der Nacht – oder des Morgens, Mittags bzw. Abends. Wieso also nicht auch der Höhepunkt des Jahres? Für den Argentinier und Wahl-Katalanen Flug lief jedoch das komplette Jahr verdammt gut: Noch nie habe er so viele Gigs auf der ganzen Welt gespielt, Pizza gegessen und Wein getrunken, erzählt er uns. Allein dafür schon mal ein High five. Beenden wird er das Jahr außerdem mit einem neuen Album: „The Collection“ ist am 16. Dezember erschienen.


Vor drei Jahren etwa – ich versuche ernsthaft, mich gedanklich zurückzubeamen – lauschte ich gespannt einem Album mit dem Titel „In Safe Hiding“. Mystische Klänge, obskure Soundscapes, aufwühlend, emotional, energetisch. Der Longplayer überraschte mich, oder vielleicht war ich auch einfach erstaunt darüber, wie sehr mich „In Safe Hiding“ tatsächlich ergriff, auf eine Reise schickte, abtauchen ließ. Seit diesem Album zolle ich dem Produzenten des Albums massiven Respekt, unter anderem für sein kreatives Schaffen im Studio – die Rede ist vom argentinischen Künstler Sebastián Lopez alias Flug. Im Interview, das ihr gerne in der 50. Ausgabe des FAZEmags nachlesen könnt, erzählte mir Lopez, wie dieses Album seine Entwicklung als Künstler widerspiegelt und dass es zudem genau den Sound abbildet, für den er wahrgenommen werden möchte.

Ich bin zurück von meinem Kurztrip in die Vergangenheit – und es gibt Neuigkeiten vom mittlerweile in Barcelona beheimateten Lopez: Ein neues Album erscheint, auf dem Label von Paul Ritch, Quartz Rec. Es trägt den Titel „The Collection“ und ich frage nicht nur mich, sondern auch Flug selbst, welche Entwicklung er in den vergangenen drei Jahren genommen hat und wie wichtig ihm der Kontrast zum vorherigen Album ist – denn eines wird bei „The Collection“ sofort klar: Hier dreht sich alles um die Tanzfläche. Flug selbst geht sogar noch einen Schritt weiter, denn er sieht sein Quartz-Rec-Debüt gar nicht als Album im künstlerischen Sinn. „Wie der Name bereits ankündigt, ist es vielmehr eine Zusammenstellung von Tracks, die ich in den vergangenen zwei Jahren fertiggestellt habe. Das lässt sich mit meinem Album ,In Safe Hiding‘ so gar nicht vergleichen. Das war eine ganz andere Herangehensweise, eine ganze andere Art von Arbeit.“ Für „The Collection“ hält nun die Tanzfläche her – und die Erlebnisse, Eindrücke sowie Stimmungen, die Flug von seinen Gigs mit ins Hotel, auf die Weiterreise oder nach Hause nimmt. „Die Ideen zu den Tracks habe ich entweder direkt vor oder nach einem Gig skizziert. Die kurzen Abstände zu den Sets erlauben es mir, die Energie der Tanzfläche intensiv nachzuspüren und in neue Tracks zu übersetzen.“ Ich lege mich fest: Für eingefleischte Clubgänger gibt es mit Sicherheit schlimmere Aufhänger für ein Album als die besondere Energie des Nachtlebens. Und für derlei Konzepte lassen sich sicherlich auch einige Labels begeistern. Sebastián Lopez entschied sich für eine Zusammenarbeit mit Quartz Rec, einem – zumindest für seine Diskografie – neuen Label. Er selbst ist jedoch nicht nur mit dem Label, sondern auch mit dem Strippenzieher im Hintergrund, Paul Ritch, bestens vertraut. „Ich kenne Paul seit nunmehr zehn Jahren, wenn nicht noch länger, und mit der Zeit wurden wir zu guten Freunden. Sein Label wächst und entwickelt sich genauso positiv wie seine eigene musikalische Karriere. Ich bewundere ihn für seine Arbeit und außerdem ist er ein toller Kerl.“ Eine solche Freundschaft wächst zweifelsohne am besten, wenn man sich in unmittelbarer Nähe zueinander befindet. Die beiden Künstler wohnen nicht nur in derselben Gegend, auch ihre Studios sind laut Lopez so gut wie nebeneinander. „Paul fragte mich, ob ich ihm nicht ein paar Demos schicken könne. Ich gab ihm zehn Tracks und jeder einzelne von ihnen sagte ihm zu, weshalb er mit der Idee um die Ecke kam, eine Doppel-Vinyl daraus zu machen. Da lasse ich mich natürlich nicht zweimal fragen!”

Wer Flug live erleben möchte und vielleicht schon mit dem Gedanken gespielt hat, über Silvester zu verreisen, dem bietet sich die Möglichkeit am Neujahrstag: im Razzmatazz Komplex in Barcelona.

Aus dem FAZEmag 094/12.2019
Text: Julian Haußmann
Foto: Pablo Bustos
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