Anlässlich seines neuen Langspielers „In Safe Hiding“ sprachen wir mit dem aus Argentinien stammenden Künstler Flug. Er verriet uns nicht nur, dass er dieses Jahr zum zweiten Mal auf der Pydna spielen wird, sondern auch, welchen Bezug er – abgesehen von Gigs – zu Deutschland hat. Natürlich erfahrt ihr auch einiges zu Produktionsprozess und den Hintergründen von „In Safe Hiding“, denn diese Platte hat definitiv Aufmerksamkeit verdient!


Du verbringst sehr viel Zeit im Studio und veröffentlichst regelmäßig neue Tracks, Remixe und ganze EPs. Wie wichtig war es dir mit dem Album – welchen Stellenwert hat „In Safe Hiding“ für dich?

„Dieses Album bedeutet mir wirklich eine ganze Menge. Es hat sich zu einem wichtigen Projekt für mich entwickelt und es ist wahrscheinlich das vielschichtigste Stück Musik, das ich bisher produziert habe. Es repräsentiert in gewisser Weise auch meine eigene Entwicklung bis hin zu dem Sound, für den ich stehen möchte.“

Welche konkrete Idee steckt hinter „In Safe Hiding“? Was hat dich zu solchen Stücken inspiriert?

„Es ging darum, Grenzen zu überschreiten und meiner eigenen Komfortzone zu entfliehen. Getragen von der Inspiration des Moments, habe ich versucht, alle Erwartungen und Klischees abzustreifen und die Zeit im Studio als eine Möglichkeit der tatsächlichen kreativen Atempause wahrzunehmen. Ich wollte etwas veröffentlichen, das man sich bewusst anhört, zu Hause. Das war natürlich auch eine Herausforderung für mich, aber ich denke, es ist mir gelungen. Ein wesentlicher Faktor für das Album und dessen Sound war auch die Zeit, in der es entstanden ist. Es hatte sich einiges in meinem Leben verändert und das beeinflusste auch die Art und Weise, wie ich die Welt um mich herum wahrnahm.“

Wie entstanden die Sounds zu „In Safe Hiding“?

„Ich habe eine ganze Menge an Equipment verwendet, um das Album so klingen zu lassen: von Aufnahmen mit dem iPhone über analoge Synthesizer zu Effektprozessoren und Plug-ins. Der letzte Track ist in Zusammenarbeit mit einem guten Freund entstanden, Liz Mcfarland. Ich denke, das Album ist – zumindest was die Be- und Verarbeitung von Sounds betrifft – lückenlos.“

Du hast vor diesem Album bereits mit einer Menge Labels gearbeitet. Wie kam die Zusammenarbeit hierfür mit Nachtstrom Schallplatten zustande?

„Das Verhältnis zu Fabian von Nachtstrom Schallplatten war und ist seit jeher ein hervorragendes. Meiner Meinung nach erreicht man ein optimales Endergebnis nur, wenn man mit den richtigen Leuten zusammenarbeitet. Fabian gehört auf jeden Fall zu denjenigen, die ihr Handwerk verstehen. Als ich ihm einige Snippets des Albums zukommen ließ, war er sehr davon angetan und daran interessiert, das ganze Werk auf seinem Label zu veröffentlichen. Die Zusammenarbeit verlief super. Ich war sehr erstaunt darüber, wie viel Arbeit er doch in das Label steckt und wie stark er darauf achtete, dass alles wie ein Uhrwerk lief. Das machte es auch für mich sehr angenehm. Leute wie er sind in der heutigen Zeit unersetzlich. Eine sehr angenehme Erfahrung.“

Du bist in Argentinien groß geworden. Heute ist das Land ja schon beinahe fester Bestandteil der Festival-Weltkarte und auch zahlreiche DJs touren durch Südamerika. Welchen Bezug hattest du dort zur elektronischen Musik?

„Dass ich mit dieser Art von Musik arbeite, liegt wohl in der Familie. Mein älterer Bruder war bereits DJ, bevor ich geboren wurde, und mein Vater betrieb einen Plattenladen. Während ich aufwuchs, war ich umgeben von Synthesizern, Vinyls und anderen Musikinstrumenten. Meine Verbindung zu dieser ganzen Szene ist also auf ganz natürliche Weise gewachsen. Mit der Zeit lernte ich dann noch Klavierspielen, mein Lieblingsinstrument bis heute.“

Wie kam es zu dem Umzug nach Europa?

„Das war so Mitte 2001, eine familiäre Entscheidung – die wirtschaftliche und soziale Situation in Argentinien war sehr kompliziert und angespannt. Es war eine sehr harte Zeit für mich, denn ich musste als junger 17-jähriger nochmal bei null anfangen. Im Nachhinein bin ich jedoch sogar dankbar dafür. Die Situation erlaubte mir einen anderen Blick, eine andere Wahrnehmung der eigenen Kultur und ich konnte viel von den Leuten hier lernen. Das ist wohl auch der große Vorteil am Reisen. Je mehr du unterwegs bist, desto weniger fühlst du dich einem bestimmten Ort zugehörig und erkennst, dass alles Teil eines größeren Ganzen ist.“

Heute lebst du mit deiner Familie in Barcelona. Auffällig ist jedoch, dass du relativ oft hier in Deutschland spielst und auch dein Künstlername ein deutsches Wort ist. Wieso wohnst du denn nicht hier?

„Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit meinem Bruder zusammen Dokumentationen über die Feierkultur hier gesehen habe. Es ging um Clubs wie Omen oder Tresor und um die Loveparade. Wenn ich heute darüber nachdenke, kommt wieder dieses Gefühl von damals in mir hoch, unbedingt Teil solcher Partys und Clubs sein zu wollen. Eurer elektronischen Szene fühlte ich mich also schon immer irgendwie verbunden. Und auch der Gedanke, in Deutschland zu leben, begleitet mich schon lange. Meine Lieblingsstadt ist Hamburg, doch Kälte und Sprache haben mich bisher daran gehindert. Da ich aber mittlerweile rund zweimal im Monat in Deutschland spiele, habe ich mich schon fast daran gewöhnt. Who knows?“ / Gutkind