Four To The Floor – Daniela La Luz, JANEIN, Poly Chain & Sindh

Wir sind zurück mit einer neuen Edition von „Four To The Floor“ und präsentieren wieder vier genreübergreifende Acts für euch im kompakten Porträt-Format. Diesmal mit einem bunten Sound-Repertoire von Daniela La Luz, schwarzen Löchern von JANEIN, süßen Melodien von Poly Chain und düsteren, verführerischen Klangräumen von Sindh.

Daniela La Luz

Deine größten Inspirationen und Einflüsse?
Unzählige Musiker:innen – aber vor allem das Leben selbst. Ich bin mit viel Empathie für Menschen, Tiere und Natur aufgewachsen, das prägt meinen Ausdruck. Musikalisch reicht mein Spektrum von polnischer Folklore (z. B. MAZOWSZE), Partisanenliedern und globaler Folklore über Jazz, Blues und Klassik bis zu Wave, Hip-Hop, Drum & Bass, Ambient, House, Techno, Metal, Pop und Trap. Mich inspirieren besonders Menschen, die sich aktivistisch für Natur- und Artenschutz einsetzen – in einer Welt, in der genau das zunehmend bedroht ist.

Dein Sound „in a nutshell“?
Genrefluid: House, Techno, Ambient – je nach Kontext. Live arbeite ich mit Gesang, Drums, Maschinen und Synths, stark improvisationsbasiert. Mein Stil verbindet verschiedene Einflüsse zu einem eigenen Sound und erweitert die Grenzen von House und Techno.

Ein paar Worte zu deinem neusten Release?
Mein nächstes Release ist „New Beginning“ mit Natyra Elezi – ein Duo aus elektronischen Elementen und klassischem Klavier.

Dein Lieblingsgear?
Ableton, Roland TR-8/TR-8S, MicroKORG und Mikrofon. Ich arbeite lange damit, fühle mich sicher und habe trotzdem unendlich kreative Möglichkeiten.

Etwas Lustiges oder Besonderes, das dir während deiner Karriere passiert ist?
Mehrmals kamen Paare nach Shows zu mir und sagten, sie hätten zu meinen Sets den besten Sex ihres Lebens gehabt. Unerwartet – aber danke, haha.

Hast du Rituale oder Gewohnheiten im Studio oder vor einem Gig?
Durch mein ADHS probiere ich im Studio ständig Neues aus, um Langeweile zu vermeiden. Wichtig ist eine aufgeräumte Umgebung, damit ich nicht abgelenkt werde.

Ein Rat an dein jüngeres Ich?
Konzentrier dich auf dich selbst, hör auf deine Intuition, vergleiche dich weniger und umgib dich mit Menschen, die es gut mit dir meinen. Du bist eine von vielen – und trotzdem einzigartig.

danielalaluz.com

Foto: Sascha Borschartd

JANEIN

Deine größten Inspirationen und Einflüsse?
Meine Inspiration kommt vor allem vom Dancefloor: eine Nacht im Club, ein kraftvolles Soundsystem und das völlige Eintauchen in den Sound. Das ist nach wie vor die beste Quelle für neue Ideen.

Dein Sound „in a nutshell“?
Ein hypnotisches schwarzes Loch, was dich vollkommen einnimmt!

Ein paar Worte zu deinem neusten Release?
Die letzten beiden Releases waren Teil von Compilations: Zum einen die riesige „FidesX“ von Z.I.P.P.O, die insgesamt sieben Vinyls umfasst, und zum anderen die „Healing The Witch“-V.A. auf Rabe Records von Denise Rabe. Ich bin sehr happy darüber!

Dein Lieblingsgear?
Zurzeit arbeite ich oft mit Stanislav Tolkachev im Studio und beschäftige mich immer mehr mit modularem Sound. Die unendlichen Möglichkeiten und Variationen sind wirklich spannend.

Etwas Lustiges oder Besonderes, das dir während deiner Karriere passiert ist?
Letztes Jahr habe ich seit langem mal wieder in Istanbul gespielt. Eigentlich war nur ein Gig geplant, am Ende wurden es drei Auftritte in drei verschiedenen Clubs an einem Abend.

Hast du Rituale oder Gewohnheiten im Studio oder vor einem Gig?
Beim Produzieren arbeite ich in Intervallen: 30 Minuten arbeiten, 10 Minuten planen, dann wieder 30 Minuten arbeiten – und so weiter. Vor einem Gig gehört ein kurzer „Disco-Nap“ für mich zur Routine.

Ein Rat an dein jüngeres Ich?
Alles kommt zu seiner Zeit, und bis dahin: Gib alles!

instagram.com/janein____

Foto: Nastya Platinova

Poly Chain

Deine größten Inspirationen und Einflüsse?
Die ältere Generation – ganz gleich, ob sie ihren Weg konsequent weitergeht oder neue Richtungen einschlägt – und dabei immer noch Freude am Leben findet.

Dein Sound „in a nutshell“?
Süße Melodien und ein harsches Sounddesign.

Ein paar Worte zu deinem neusten Release?
Im vergangenen Jahr habe ich das einstündige Album „Nemesis“ veröffentlicht – eine Sammlung von Tracks, die ich über mehr als zehn Jahre hinweg in meinen Live-Sets gespielt habe. Trotz der stilistischen Vielfalt ist klar erkennbar, dass alles aus einer Hand stammt. Das Projekt ist zugleich eine A/V-Kollaboration mit der Medienkünstlerin Sophia Bulgakova. Der visuelle Teil basiert auf Archivmaterial und Tagebuchtexten aus den vergangenen Jahren. Aktuell nehmen wir an der Residency AV25 bei IMAL in Brüssel teil und präsentieren das Projekt im April 2027 im Kanal – Centre Pompidou.

Dein Lieblingsgear?
Aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine habe ich mich entschieden, weniger Equipment zu kaufen und stattdessen mehr an die ukrainische Armee zu spenden. Mein Lieblingsgerät ist aber der Black Sequencer von Erica Synths, den ich Ende 2021 gekauft habe. Damit kann ich vier verschiedene Instrumente gleichzeitig steuern – ein bisschen wie ein Oktopus.

Etwas Lustiges oder Besonderes, das dir während deiner Karriere passiert ist?
Früher habe ich ein ziemlich radikales „Hardware Only“-Mantra verfolgt, bin aber mittlerweile eher eine „In The Box“-Person, da ich häufig umziehe. Achja, und mein Rücken tut weh.

Hast du Rituale oder Gewohnheiten im Studio oder vor einem Gig?
In meinem Hospitality Rider steht immer Schokolade. Ich nasche vor Shows gern lokale Süßigkeiten.

Ein Rat an dein jüngeres Ich?
„Don’t push the horses“ (Anm. d. Red.: bekannter Spruch des ukrainischen Boxers Oleksandr Usyk).

instagram.com/poly_chain

Foto: Sofia Lambrou

Sindh

Deine größten Inspirationen und Einflüsse?
Aktuell höre ich vor allem Musik aus den 2000er-Jahren, in der sich Techno-, Trance- und minimalistische Einflüsse verbinden – etwa von Labels wie Flying Rhino oder Spiral Trax. Außerdem bin ich nach wie vor ein großer Fan der Ambient-Seite dieser Ära, insbesondere von Artists wie Klaus Wiese oder Steve Roach.

Dein Sound „in a nutshell“?
Ich versuche, mystische Klangräume zu schaffen, die Dunkelheit und verführerische Stimmungen miteinander kombinieren, ohne dabei den Groove zu verlieren.

Ein paar Worte zu deinem neusten Release?
Die Tracks für die „Vagali“-EP auf Space Lab sind ganz organisch während der Arbeit an meinem Live-Set entstanden. Ich wollte eine andere Facette meines Projekts zeigen – mit stärkerem Goa-Einschlag, modulierten Pads und vielleicht etwas direkter und zugänglicher, dafür weniger deep.

Dein Lieblingsgear?
Im Moment arbeite ich für meine Kompositionen überwiegend mit Eurorack-Modularsystemen, insbesondere mit einer neuen Marke aus Lyon namens VindicatiV Instruments, die von einem Freund betrieben wird. Vor allem der Doppel-Filter ist ein ideales Werkzeug für Sounddesign – mit viel Charakter und spannenden Feedback-Möglichkeiten. Ich benutze ihn in nahezu all meinen Tracks.

Etwas Lustiges oder Besonderes, das dir während deiner Karriere passiert ist?
Beim Château Perché Festival in Frankreich im Jahr 2024 wurde ein schwerer Sturm angekündigt. Gerade als ich angekommen war, wurde das gesamte Festival aus Sicherheitsgründen evakuiert. Meinen Soundcheck habe ich dann in einer beinahe apokalyptischen Kulisse aus Überschwemmungen und heftigem Regen gemacht. Wenige Stunden später ging es dann zum Glück weiter – und die Party war entsprechend wild.

Hast du Rituale oder Gewohnheiten im Studio oder vor einem Gig?
Ich mache gerne Henna-Tattoos, bevor ich spiele.

Ein Rat an dein jüngeres Ich?
Lerne von Anfang an, wie man einen Mixdown macht.

instagram.com/sindhhdnis

Aus dem FAZEmag 171/05.2026