Four To The Floor – mit AOIFE, Guliver, Alicia Hahn & dubtommy

Wir sind zurück mit einer neuen Edition von „Four To The Floor“ und präsentieren wieder vier spannende Acts für euch im kompakten Porträt-Format.

Foto: Nikoleta Svishtarova

AOIFE

Was hat deine Liebe zu elektronischer Musik entfacht?
Ich bin mit elektronischer Musik aufgewachsen – mein Onkel spielte Hard-House und Trance, während ich als Baby im Kinderhochstuhl rumtanzte. Auch im Auto lief ständig elektronische Musik, diese Energie hat mich geprägt. Bei Partys war ich später immer die Erste, die das Aux-Kabel wollte.

Dein Sound „in a nutshell“?
Dunkel, hypnotisch, stark von Sounddesign geprägt, voller atmosphärischer Flächen – immer treibend und basslastig.

Deine größten Inspirationen und Einflüsse?
Eines meiner größten Idole ist Tasha – ihre Bandbreite, ihre Auswahl, ihr ganzes Denken sind sehr inspirierend. Geprägt haben mich auch Künstler wie Oscar Mulero und Dasha Rush sowie Einflüsse aus Birmingham und Detroit. Auch das Reisen und das Entdecken von Underground-Communities haben mich stark beeinflusst.

Gibt es ein Tool oder Gear, auf das du im Studio nicht verzichten kannst?
Auf meinen Laptop könnte ich nicht verzichten. Ich produziere darauf, sortiere meine Musik, suche neue Tracks und teste unterwegs sogar Mixe in Rekordbox. Ich bin noch nicht der große Gear-Nerd, würde aber gerne mit einem Elektron Syntakt in die Hardware-Welt einsteigen.

Welchen Anspruch hast du an dich als Teil der Szene?
Ich versuche, mich in der Szene ohne Drama zu bewegen – authentisch zu bleiben, respektvoll, ohne Ego. Ich möchte wachsen, lernen, weitergeben. Die Szene ist eng mit Themen wie Diversität, Politik oder finanziellen Hürden verknüpft, und je größer sie wird, desto wichtiger ist es, das kulturelle Fundament zu verstehen. So bleibt sie ein sicherer Raum.

Dein denkwürdigster Moment als Artist?
Mein erstes Tresor-Set war definitiv ein einschneidendes Erlebnis: Eine Frau kroch im Käfig auf allen Vieren herum, tauchte plötzlich im DJ-Pult auf und krabbelte um meine Füße herum. Sie blieb einfach da und ich spielte weiter – absolut surreal.

Was steht als Nächstes an?
Als Nächstes stehen tolle Gigs an: Corsica Studios, dann wieder Tresor. Nächstes Jahr plane ich außerdem einen Umzug, um mir mehr Raum für meine Musik zu schaffen.

instagram.com/aoife_ie


Guliver

Was hat deine Liebe zu elektronischer Musik entfacht?
Der erste Kontakt zur Musik kam über meinen Vater. Er ist klassischer Musiker, spielt Cello und Klavier. Zu Hause hörten wir viele Soundtracks, besonders Ennio Morricone. Seine Musik gehört zu meinen frühesten Erinnerungen und prägt bis heute mein Verständnis von Atmosphäre und Komposition. Der Einstieg in elektronische Musik kam später durch meinen Stiefvater, der 90s-Italo-Dance wie Gigi D’Agostino oder Eiffel 65 hörte. Von dort aus begann meine Reise zum deepen, dunklen Sound, der später meinen Weg bestimmte.

Dein Sound „in a nutshell“?
Eine Mischung aus Deep-Techno, Ambient-Strukturen und einer cineastischen Herangehensweise – atmosphärisch, erzählerisch, getragen von Spannung, Raum und Tiefe.

Deine größten Inspirationen und Einflüsse?
Ulf Söderberg, Donato Dozzi, Claudio PRC und Luigi Tozzi sowie Filmkomponisten wie Hans Zimmer, James Horner und James Newton Howard. Auch Mythologie – besonders Homers Erzählungen – begleitet mich. Dieses Gefühl von epischer Reise und filmischer Dramatik versuche ich in die Stimmung und den Flow jedes Tracks zu bringen.

Gibt es ein Tool oder Gear, auf das du im Studio nicht verzichten kannst?
Ich könnte niemals auf meine Noise- und Drone-Box von Electro Lobotomy verzichten. Ich nutze sie in fast jedem Stück – für tiefe Drones, raue Texturen und atmosphärische Schichten, die den dunklen, filmischen Charakter meines Sounds formen.

Welchen Anspruch hast du an dich als Teil der Szene?
Von mir selbst erwarte ich, etwas Ehrliches und Eigenes beizutragen. Ich glaube, ich habe eine eigene Handschrift entwickelt, und mein Ziel ist es, elektronische Musik nicht nach Trends auszurichten, sondern ihre emotionale und erzählerische Komponente zu fördern.

Dein denkwürdigster Moment als Artist?
Ein besonders denkwürdiger Moment passierte bei einem Set im OXI in Berlin, als zwei Menschen direkt vor dem DJ-Pult anfingen zu vögeln. Seltsam, aber auch ein wenig lustig.

Was steht als Nächstes an?
Diesen Monat erscheint ein Track von mir auf der Jubiläums-VA von Aurora Mistica Records. Am 31. Dezember folgt dann meine EP „My Name Is Nobody“ auf KVLTÖ Records – der erste Teil meiner Neuinterpretation von Homers Odyssee, mit vier Originaltracks und Remixen von Martyn Päsch, Red Noise und Stallo. Damit schließe ich mein Odyssey-Projekt ab, das mit „Whispers of the Sea“ im Juni begann.

instagram.com/guliver.music

Alicia Hahn

Was hat deine Liebe zu elektronischer Musik entfacht?
Meine ersten Erfahrungen in der Szene habe ich während meines Studiums gesammelt. Diese Zeit brachte mich dazu, eigene DJ-Sets aufzunehmen. Das habe ich anfangs nur für mich gemacht, bis ich im Sommer 2021 meinen ersten Auftritt im Hafen49 hatte. Dann wollte ich ziemlich schnell eigene Musik produzieren. Mein Vater schenkte mir damals sein altes MIDI-Keyboard, eine Ableton-Lizenz und einen Zugang zur Arturia Collection. Dann habe ich auch schon angefangen herumzuexperimentieren.

Dein Sound „in a nutshell“?
Ich würde meinen Sound als groovy, melodisch, treibend beschreiben. Genregrenzen sind für mich weniger wichtig. Ich begeistere mich für ganz unterschiedliche Sounds und liebe es, musikalische Reisen zu kreieren. Oft starte ich mit ruhigeren, atmosphärischen Sounds, Ambient oder Dub-Techno, weshalb ich auch Opening-Sets liebe. Außerdem mag ich Tribal-Elemente in House und Techno ganz gerne.

Deine größten Inspirationen und Einflüsse?
Innervisions und Künstler wie Impérieux, Tal Fussman, Trikk, Echonomist und Shiffer.

Gibt es ein Tool oder Gear, auf das du im Studio nicht verzichten kannst?
Ich produziere viel „in the box“. Meine Soundtoys- und FabFilter-Plug-ins sind immer im Einsatz, ebenso Soothe, Shaperbox und P42 Climax. Kreativere Tools wie Efx Fragments, Portal oder Synplant nutze ich ebenfalls öfter. Aktuell arbeite ich viel mit Serum 2, Knifonium und Pigments.

Welchen Anspruch hast du an dich als Teil der Szene?
Für mich zählt Qualität statt Quantität. Mein Ziel ist es, Musik zu kreieren, die anders klingt und sich vom Einheitsbrei abhebt. Gleichzeitig möchte ich mich permanent weiterentwickeln und neue Sounds entdecken. Ich lege Wert auf Offenheit gegenüber unterschiedlichen Richtungen. Wichtig ist mir, passende Tracks für die jeweilige Situation auszuwählen.

Dein denkwürdigster Moment als Artist?
Ich könnte ein ganzes Buch über denkwürdige Momente als Artist schreiben.

Was steht als Nächstes an?
Ich plane eine Podcastreihe, in der ich noch mehr Tracks aus meiner Sammlung vorstellen möchte. Nicht nur das, was ich im Club zu einer bestimmten Uhrzeit in einer bestimmten Umgebung spiele, sondern auch das, was mich sonst noch persönlich berührt.

instagram.com/aliciahahn_ofc

dubtommy

Was hat deine Liebe zu elektronischer Musik entfacht?
So richtig wurde ich 2012 neugierig auf elektronische Musik, auch wenn Musik generell immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt hat. Damals war ich beim Awakenings Festival im Gashouder – ab da gab es kein Zurück mehr.

Dein Sound „in a nutshell“?
Mein Sound bewegt sich meist im deepen, atmosphärischen Bereich. Die DJ-Mixe und Tracks, die ich mache, sind eher fürs Zuhören gedacht als für große Floors. Wenn im Club dann doch getanzt werden muss, greife ich zu härteren Kicks und Snares. Ich liebe die Grooves von Rominimal und Oldschool-House- und Tech-Sounds.

Deine größten Inspirationen und Einflüsse?
Während des ADE stand ich mit einem meiner größten Einflüsse an den Decks: Andrey Pushkarev – ein großartiges Erlebnis. Bei deepem Electronica- und Techno-Stuff beeindrucken mich Artists wie Toki Fuko, Forest On Stasys, Shoal, Speedy J und Kirill Matveev (Moonglade Sound) jedes Mal. Am meisten prägen mich aber meine eigene Arbeit (ToneControl.nl) und die Menschen in meinem direkten Umfeld.

Gibt es ein Tool oder Gear, auf das du im Studio nicht verzichten kannst?
Leichte Entscheidung: meine Beyerdynamic-Kopfhörer. Mixdown und Balance sind mir extrem wichtig. Früher war ich komplett „in the box“ unterwegs, mittlerweile arbeite ich viel häufiger mit Hardware-Synths und Drumcomputern.

Welchen Anspruch hast du an dich als Teil der Szene?
Ich spiele nicht mehr so oft, aber wenn, dann möchte ich auch präsent sein und hören, wie der Floor reagiert. Wenn ich nicht spiele, mische ich mich gern unter die Leute. Gute Musik im Hintergrund und nette Gespräche sind für mich ein perfekter Samstagabend.

Dein denkwürdigster Moment als Artist?
Ein Silvester-Gig vor ein paar Jahren, als ich ein b2b bei einer „DIY-Berghain“-Party spielte. Alles selbstgebaut, das war echt verrückt. Es war so dunkel, dass ich denselben Track zweimal gespielt habe. Die Platte war Teil einer Dreier-Serie mit identischem Cover … tja, Rookie-Mistake.

Was steht als Nächstes an?
Derzeit arbeite ich an einem neuen Techno-Alias – ein paar Tracks und DJ-Mixe sind fertig. Jetzt suche ich das passende Label, damit das Projekt endlich das Licht der Welt erblickt.

instagram.com/dubtommyy

Aus dem FAZEmag 166/12.2025