Wir sind zurück mit einer neuen Edition von „Four To The Floor“ und haben wieder vier spannende Acts für euch im kompakten Porträt-Format. Los geht’s!

Nicolas Barnes
Was hat deine Liebe zur elektronischen Musik entfacht? Das fing alles in den frühen 2000ern an, als ich Daft Punk, den jungen Eric Prydz und andere gehört habe, die zu dieser Zeit angesagt waren. Ich habe damals eigentlich alles Mögliche gehört, aber elektronische Musik hat mich am meisten gepackt. Auch die Loveparade-Streams auf dem VIVA-Channel – ich habe die Musik damals zwar nicht verstanden, aber sie ist mir im Gedächtnis und im Herzen geblieben.
Was machst du außerhalb von Musik, um dich zu erholen oder Inspiration zu finden? Ich mache Grafikdesign – arbeite mit Clubs und Labels, mache Artworks für Vinyls und Events. Ich erhole mich also von der Musik, indem ich mit Musik arbeite und davon umgeben bin. Wenn ich komplett abschalten will, mache ich einfach gar nichts – stumpfes Scrollen durch Social Media, in der Hoffnung, dass mir irgendetwas ins Auge springt.
Dein Sound „in a nutshell“? Deep, texturiert und hypnotisch – eine Mischung aus Dub-Techno-Atmosphäre und minimalem Groove. Denkt an rohe analoge Wärme, weite Delays und rollende Basslines, die euch langsam aufsaugen. Musik zum Nachdenken auf dem Dancefloor.
Gibt es ein Tool oder Gear, auf das du im Studio nicht verzichten kannst? Leider benutze ich kein Gear, alles, was ich habe, sind meine geliebten Sennheiser HD25. Wenn ich mir mal etwas anschaffen würde, wären es definitiv der Elektron Digitakt und Digitone – ich habe sie mal ausprobiert und war sofort verliebt.
Hast du bestimmte Rituale vor Gigs oder im Studio? Nicht wirklich, ich bereite meine Sets meistens gar nicht vor, sondern gehe einfach mit dem Flow.
Etwas Seltsames oder Lustiges, das dir in deiner Karriere passiert ist? Leider (oder zum Glück?) ist bisher nichts Besonderes passiert. Meine Karriere steckt noch in den Kinderschuhen – vielleicht passiert ja noch etwas Witziges.
Was würdest du machen, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte? Hm, ich glaube, ich hätte trotzdem weiter Musik gemacht, auch wenn’s anders gelaufen wäre. Vielleicht ein anderes Genre, aber ich hätte es nicht aufgegeben. Und manchmal denke ich heute noch, dass es vielleicht nicht klappt – aber die Gedanken verfliegen schnell.
Dein aktuelles Release? Wenn dieser Artikel erscheint, wird gerade meine langerwartete EP auf Andrey Pushkarevs Label Luck of Access draußen sein – eine Deep- und Dub-House/Techno-EP, die nach unzähligen Anläufen endlich im Kasten ist.

Yuka
Was hat deine Liebe zur elektronischen Musik entfacht? Definitiv unzählige Muslimgauze-Alben und die Musik von Edward Artemyev in Tarkowskis Filmen.
Was machst du außerhalb von Musik, um dich zu erholen oder Inspiration zu finden? Ich wechsle immer zwischen Musik und bildender Kunst. Ich habe eine Musikschule und Kunsthochschule abgeschlossen. Wenn ich eine Pause von Musik brauche, male ich – das lädt mich wieder auf. Alles kann mich inspirieren: ein Musikstück, ein Kunstwerk, eine Landschaft, Vögel, ein Mensch, eine Geschichte oder ein Film.
Dein Sound „in a nutshell“? Cineastisch, spacig, trippy.
Gibt es ein Tool oder Gear, auf das du im Studio nicht verzichten kannst? Ich reise viel und arbeite oft nur mit Laptop und Kopfhörern – auch wenn’s anstrengend ist.
Hast du bestimmte Rituale vor Gigs oder im Studio? Vor Gigs schlafen, und vor der Studioarbeit: aufräumen.
Etwas Seltsames oder Lustiges, das dir in deiner Karriere passiert ist? Eine Hard-Rock-Band vor meinem DJ-Set auf der Bühne. Das war ein echt seltsames Event in Helsinki.
Was würdest du machen, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte? Ich habe nie aktiv eine Karriere aufgebaut – ich mache einfach das, was ich liebe, und irgendwie funktioniert es (z.B. habe ich meine Musik nie an Labels geschickt – sie kamen zu mir). Wenn es nicht geklappt hätte, würde ich trotzdem Musik machen. Oder als Künstlerin, Stylistin oder Tätowiererin arbeiten.
Dein aktuelles Release? Ein Remix für YUKIMASAs Track „Contrail“ auf Art Bei Ton steht kurz vor dem Release. Davor kam ein Remix für DCMs Track „Rough Wooden“ auf Dissident raus. Und zuvor mein Track „Dark Blue“ auf einer Compilation von Art Bei Ton.

RARÓG
Was hat deine Liebe zur elektronischen Musik entfacht? Eine meiner frühesten Erinnerungen aus den 90ern: Ich sah all diese bunten, wilden Leute durch meine Heimatstadt ziehen – auf dem Weg zur Loveparade. Dieses Fest der Freiheit und des Lebens ist hängen geblieben.
Was machst du außerhalb von Musik, um dich zu erholen oder Inspiration zu finden? Ich male gern, spiele mit Grafikdesign und mache ein paar lockere Übungen – das hilft mir, mich kreativ zu resetten.
Dein Sound „in a nutshell“? Eine konsequente Four-to-the-Floor-Kick dient als Fundament für deepe, emotionale Layer. Wie ein Moment, in dem sich Vergebung und Frustration begegnen – oder ein Gefühl von Einheit entsteht, obwohl alles stresst.
Gibt es ein Tool oder Gear, auf das du im Studio nicht verzichten kannst? Es gibt viele tolle AUv3-Apps für mobile Geräte – zum Beispiel Koala Sampler, Drambo oder Loopy Pro. Superpraktisch und inspirierend.
Rituale vor Gigs oder im Studio? Keine speziellen Rituale. Keine Prokrastination. Ich lege einfach los.
Etwas Lustiges, das dir in deiner Karriere passiert ist? Ich habe mal beim Aufbau einer Bühne im Stadtpark geholfen. Große Egos, viel Adrenalin, fragile Männlichkeit. Ich frage: „Da hinten ist ’ne dunkle Wolke – was ist, wenn’s regnet?“ Antwort: „Soll nicht regnen.“ Es ging los mit der Musik, und zack – Platzregen. Publikum und Band weg. Ich dachte nur: „Willkommen in der Musikbranche.“
Was würdest du machen, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte? Diese Vorstellung war nie real. Musik war immer mein Weg, mich mit etwas Größerem zu verbinden. Wenn’s mal nicht läuft, finde ich den Grund dafür und mache weiter.
Dein aktuelles Release? „Chains EP“ auf ANTIMODUS. Das war ein Wendepunkt – ich habe meinen Tools und Ohren zum ersten Mal komplett vertraut. Die Musik kam aus einem Gefühl von Frust, wie eingesperrt zu sein – das Licht zu sehen, aber nicht dranzukommen. Das hört man im Sound.

Argia
Was hat deine Liebe zur elektronischen Musik entfacht? Das erste Mal auf einer elektronischen Party – ich war 16 Jahre alt – und zack: Gänsehaut überall. Irgendetwas ist in meinem Kopf passiert. Seitdem wusste ich: Dieses Gefühl will ich wieder und wieder erleben.
Was machst du außerhalb von Musik, um dich zu erholen oder Inspiration zu finden? Lange Spaziergänge in der Natur. Gib mir Grünzeug und Ruhe – und mein Hirn drückt den Reset-Knopf. Wie ein natürlicher Ladeprozess für Körper und Geist.
Dein Sound „in a nutshell“? Storytelling. Eine Einladung, mit mir auf Reisen zu gehen – Soundpass inklusive.
Gibt es ein Tool oder Gear, auf das du im Studio nicht verzichten kannst? Ich arbeite aktuell hauptsächlich digital. UA-Synths sind mein Ding – wir sind quasi in einer Beziehung.
Rituale vor Gigs oder im Studio? Ordnung muss sein. Sauberer Laptop, aufgeräumter Arbeitsplatz – das klärt den Kopf. DJ-Booths ohne leere Flaschen und Kippen? Yes, please. Nennt’s ruhig eine leichte Zwangsstörung, aber hey – es funktioniert.
Etwas Seltsames oder Lustiges, das dir in deiner Karriere passiert ist? Oh, ne Menge. Aber das Wildeste war wohl: Ich habe vor Kurzem meinen Flughafen verpasst und bin versehentlich in einem anderen Land gelandet. Halb furchtbar, halb zum Lachen.
Was würdest du machen, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte? Ich bin auch Journalistin – wahrscheinlich hätte ich dann Storys statt Beats gejagt.
Dein aktuelles Release? „DATA ERROR DATA“ auf Bedrock. Glitchy, druckvoll und voller Charakter.
Aus dem FAZEmag 161/07.2025
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