Vier aufregende Artists, kurz und knackig porträtiert – wir präsentieren eine weitere Edition von „Four To The Floor“. Mit dabei sind Nathalie Duchene, Jorkes, Maxi Meraki und DJ Tjizza. Spoiler Alert: Es wird housig!

Nathalie Duchene
Die ehemalige Musikjournalistin gilt als musikalisches Chamäleon und hat bereits in legendären Clubs wie dem Pariser Rex Club und dem Kater Blau gespielt. Ihre außergewöhnlichen Grooves veröffentlicht sie regelmäßig auf Labels wie OFF Recordings und Exploited.
Deine Anfänge als DJ/Producer: Meine ersten Schritte als DJ machte ich im Pariser Club Le Baron. Ursprünglich wollte ich mein Hobby gar nicht zum Beruf machen, aber dafür bereitete es einfach zu viel Spaß. 2018 begann ich mit dem Produzieren eigener Tracks (als Jane Oak) und releaste meine ersten EPs auf Labels wie OFF, Flash und Caduceus. Mit der Pandemie wandelte sich mein Sound dann von düsteren Techno-Klängen hin zu melodiöseren, fröhlicheren Facetten.
Über dein neuestes Release: „Don’t Go“ auf Circa ’99 taucht in den Underground-House der 80er-Jahre ein: prägnante Basslines und warme, schrille Acid-Sounds.
Dein schönstes Erlebnis als Künstlerin: Ich war sehr vom Club Nitsa in Barcelona beeindruckt, wo ich auch den Ed-Banger-Gründer Pedro Winter traf – für mich ein sehr leidenschaftlicher und inspirierender Künstler.
Und das schlimmste Erlebnis? Tja, da muss ich wohl meinen Joker ziehen – tut mir leid! Aber ich verspreche euch, es war eine echte Seltenheit (lacht).
Deine größten Inspirationen/Einflüsse? Alles um mich herum inspiriert mich, ich bin ein echter Schwamm. Nennen muss ich an erster Stelle wohl die 60er-, 70er- und 80er-Jahre, die mich musikalisch, aber auch in visueller Hinsicht geprägt haben – von der New Yorker Underground-Szene, Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat, Keith Haring, aber auch von Gruppen, die sich in diesem Künstler*innenkreis entwickelten, wie Blondie, The Velvet Underground, B-52, oder Grandmaster Flash. Es war eine Explosion der Kulturen!
Dein aktueller Lieblingstrack? Momentan feiere ich die Produktionen von Floorplan extrem ab. Und ein Vater-Tochter-Duo ist einfach super.

Jorkes
Die leidenschaftliche Queer-Aktivist*in Jorkes mischt sinnliche Disco- mit roher House-Musik zu einem bunten Potpourri aus kulturell ansprechenden Sounds. Jorkes reitet in letzter Zeit auf einer Welle der Kreativität mit bemerkenswerten Veröffentlichungen auf den Top-Labels Permanent Vacation und Live At Robert Johnson.
Deine Anfänge als DJ/Producer: Nachdem ich zunächst im Hip-Hop und R&B beheimatet war, verliebte ich mich während eines Soulphiction-Gigs in die House-Musik. Meine ersten Produktionen machte ich für Modeschauen und Ausstellungen in München. Das war aber eher so dem Trial-and-Error-Prinzip zuzuordnen.
Über dein neuestes Release: „Sodomie“ ist ein Fest der Romantik, der Unreinheit, der Offenheit und des Schmutzes. Eine Hommage an die Kultur des offenen Lochs.
Dein schönstes Erlebnis als Künstler*in: Es ist immer angenehm, mit Leuten zu arbeiten, die den eigenen Workflow und die künstlerische Dimension erweitern und auf der gleichen Welle reiten wie man selbst. Mit Menschen zu interagieren, die auch neugierig sind, hinter den Vorhang zu schauen.
Und das schlimmste Erlebnis? Dogmatische und engstirnige Zensur macht die Stimmung kaputt. Menschen, die keinen Sinn für Empathie haben und nicht gewillt sind, eine bessere Zukunft zu schaffen, behindern unsere Entwicklung. Diese Art von Begegnungen ist zum Glück rar.
Deine größten Inspirationen/Einflüsse? Michael Jackson. Sein künstlerisches Schaffen war schon immer eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration für mich, da er einzigartige Welten erschafft, in die man sich gedanklich begeben kann, um für immer Peter Pan im Nimmerland zu sein.
Dein aktueller Lieblingstrack? „Sweetheart“ von Paris Böhm – erscheint auf Freeride Millenium.

Maxi Meraki
Den Disco-Sound der alten Schule mit modernen, melodischen House-Beats versehen – das ist die Philosophie des Belgiers Maxi Meraki, der seine Musik auf Labels wie Spinnin‘ Deep, Nervous oder Tensnakes True Romance veröffentlicht.
Deine Anfänge als DJ/Producer: Seit meinem ersten Release 2019 läuft es wirklich gut. Letzten Monat habe ich meine erste US-Tournee absolviert und ich bin sehr gespannt auf die Zukunft und die kommenden Events. Es folgen Releases u.a. auf UPPERGROUND und Monaberry.
Über dein neuestes Release: „Everything“ ist der Nachfolger meiner letzten Veröffentlichung auf Tensnakes True Romance Records. Der Track taucht mit leichten Synthesizern, wirbelnden Tönen und sanft perlenden Percussions in einen verträumten Dunstkreis ein, der an einen warmen Sommerabend erinnert.
Dein schönstes Erlebnis als Künstler*in: Es ist immer ein tolles Gefühl, wenn die Leute nach deinem Auftritt zu dir kommen und Komplimente aussprechen. Bei aller Zufriedenheit, die dadurch ausgelöst wird, sollte man aber nie vergessen, sich weiter zu pushen.
Und das schlimmste Erlebnis? Ich mag es nicht, wenn Menschen Negativität ausstrahlen – sowohl im Berufsleben als auch im privaten Umfeld. Es blockiert all unsere Motivation.
Deine größten Inspirationen/Einflüsse? Ich liebe die farbenfrohe Musik der 80er-Jahre, zum Beispiel die aus „Miami Vice“. In meinen Sets findet man deshalb häufig einen gewissen Disco-Touch, der nach den Synthies der 80er klingt.
Dein aktueller Lieblingstrack? Ich freue mich auf mein erstes Release auf UPPERGROUND – „Don’t Leave Me ft. Biishop“.

DJ Tjizza
Vinyl-Liebe made in Amsterdam. Tjeerd Wijffels alias DJ Tjizza ist ein House- und Minimal-Connaisseur der ersten Stunde. Mittlerweile lebt er in Berlin und spielt dort regelmäßig in Venues wie dem Club der Visionäre, Watergate und der Renate.
Deine Anfänge als DJ/Producer: Mein Faible für das DJing habe ich dank eines Friseurs namens Remy (Legende!) entwickelt. Er hörte, wie ein Freund und ich uns leidenschaftlich über Musik unterhielten, und bot an, uns das Mixen beizubringen. Er hatte ziemlich beschissene CDJ100er und war ein Vinyl-Enthusiast. Dieser Funken ist wohl auch auf mich übergesprungen. Das Produzieren hat mir mein Cousin Carl beigebracht.
Über dein neuestes Release: „Hood Waves“ – eine EP zusammen mit meinem engen Freund und Label-Partner Shaque. Ich würde es als vom Hip-Hop inspirierte House-Musik bezeichnen.
Dein schönstes Erlebnis als Künstler*in: Eines der schönsten Erlebnisse war, als sich ein Paar auf der Tanzfläche im Club der Visionäre einen Heiratsantrag machte. Das Mädchen kam vorher zu mir und fragte, ob ich für den Antrag die passende Musik spielen könnte, was ich natürlich tat. Ihre Freundin sagte ja und alle Leute im Club jubelten.
Und das schlimmste Erlebnis? Der Wandel der Zeit, durch den Instagram und Party-Richtlinien immer wichtiger werden als die Qualität der Musik.
Deine größten Inspirationen/Einflüsse? Wir sind früher immer ins Robert Johnson gefahren, um unsere Helden wie Ricardo Villalobos oder ZIP zu sehen. Momentan sind es Freund*innen wie Anthea, Gimmarco Orsini und eine Vielzahl der Row-Z-Artists, die mich inspirieren.
Dein aktueller Lieblingstrack? Ich bin letztens auf eine alte Platte in meiner Sammlung gestoßen: „Pakos Project“ von Jerome Pacman. Diese Platte war zusammen mit der Musik von Boom Generation die Musik, die mich zu Beginn meiner musikalischen Reise am meisten beeinflusst hat.
Aus dem FAZEmag 136/06.2023