Four To The Floor
– Ostgut Ton Special

Four To The Floor
– Ostgut Ton Special

Ostgut Ton, das hauseigene Label des Berghain, ist zurück – mit dem ersten Release seit vier Jahren. 18 Artists haben sich auf der „Klubnacht 01“-Compilation versammelt, um das 20-jährige Jubiläum des Labels zu feiern. Vertreten sind etablierte wie aufstrebende Künstlerinnen und Künstler aus dem Berghain-Universum, darunter Efdemin, Fadi Mohem, Altinbas, Steffi und Cinthie. Vier der Beitragenden möchten wir euch in dieser „Four To The Floor“-Sonderedition vorstellen. Los gehts.

JakoJako

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Soundcheck: Was ist die Story zu „Evaneszenz“?
Der Track klingt für mich wie etwas, das ich gerne im Berghain spiele. Ich habe versucht, eine stabile Kick-Bass-Basis zu bauen, mit Sounddesign-Elementen aus dem Eurorack und einer Chord-Progression für die Emotionen. Wenige Minuten sind natürlich knapp, um alles an Inspiration reinzupacken, ohne es zu überladen. Im Nachhinein denke ich: Ein gebrochener Rhythmus im Breakdown wäre vielleicht noch cool gewesen.

Mythos Berghain: Spiegelt sich das im Track wider?
Ich saß neulich mit einem Kumpel in der Garderobe und meinte, wie krass es ist, dass wir da immer das Gleiche machen – und es trotzdem jedes Mal anders ist. Vielleicht ist Techno genau so? Man macht etwas in einem bestimmten Genre mit gewissen „Regeln“, aber versucht doch, etwas anders zu machen?

Was ist für dich der „Ostgut-Sound“ – und wie weit darf man sich davon entfernen?
Ostgut war lange ein Orientierungspunkt. Für mich ist der Ostgut-Sound das, was im Club gut klingt. Oder das, was du draus machst, haha. Ich verbinde Berghain mit Überraschung – ich habe früher nie Line-ups gecheckt, bin einfach hingegangen. Diese Offenheit beschreibt für mich auch den Sound.

Welchen Einfluss hatten Club und Label auf dich?
Ich hatte viel Tresor-Einfluss – habe in der Nähe gewohnt, bin oft reingehopst. Mike Huckaby und so. Im Berghain durfte ich durch die Residency viel lernen, wurde ins kalte Wasser geworfen. War aufregend, auch verletzlich, aber ich bin megadankbar. Ostgut hat mit seinen Releases den Sound geprägt, aber Techno heißt auch Weiterentwicklung. Schön, dass es jetzt mit dem Label weitergeht – gerne auch mal extrem.

Gab es einen Part im Track, mit dem du dich besonders obsessiv beschäftigt hast?
Nicht obsessiv, aber der Modular-Patch hat richtig Bock gemacht. Am längsten brauche ich immer fürs Arrangement – ich komme vom Jammen und zähle keine Bars. Aber um’s spielbar zu machen, braucht’s halt doch manchmal Regeln. Auch wenn ich mich schwer damit tue.

Deine erste Ostgut-Ton-Platte?
Berghain 07 – Part II – mit Cassegrain & Tin Man, Inland, DVS1 und Steve Bicknell.

Deine Ostgut-Lieblingsplatte?
Ich spiele immer noch oft die „Eyes In The Center“-EP von Tobias., vor allem „Like Minded“. Auch Barkers „Debiasing“ ist krass – „When Prophecy Fails“ ist ein echter Herzöffner.

Jinjé

www.instagram.com/jinjemusic

Soundcheck: Was ist die Story zu „Idiome“?
Die Kombination aus Groove und dem Vocal von Yolanda Wyns stand ziemlich schnell. Der Track hat sich fast von selbst geschrieben – das ist immer ein schönes Gefühl. Als die Ostgut-Leute ihn hörten, waren sie sofort begeistert, aber es war schwierig, Yolanda wegen der Sample-Freigabe zu erreichen. Kurz vor knapp hab‘ ich ihr über Instagram geschrieben – sie ist offenbar sehr beschäftigt, aber zum Glück hat sie es gehört und uns ihren Segen gegeben. Wir waren alle mega erleichtert.

Mythos Berghain: Spiegelt sich das im Track wider?
Kommt drauf an, was man damit meint. Wenn’s ums Reinkommen geht – nein. Wenn’s um Vibe und Ästhetik geht – vielleicht ein bisschen. Ich schreibe aber vor allem Musik, die ich selbst auf der Tanzfläche hören will. Manchmal passt das zu bestimmten Orten, manchmal nicht. Mir ist wichtig, frei zu arbeiten – unabhängig von Trends. Klar, ich habe ein Gefühl dafür, wie der Berghain- oder Panorama-Sound klingt. Wenn ein Track da reinpasst, denke ich an das Team und schicke ihn rüber.

Was ist für dich der „Ostgut-Sound“ – und wie weit darf man sich davon entfernen?
Für mich ist er verspielt, soulful, aber oft auch atmosphärisch und düster – eine Mischung, die gut funktioniert. Deshalb vertrauen die Leute dem Label. Wie weit man davon abweichen kann, zeigt genau diese Compilation.

Welchen Einfluss hatten Club und Label auf dich?
Ich gehe seit zehn Jahren hin und hatte schon öfter das Glück, dort zu spielen – vor allem durch meine Freundschaft mit Andy Baumecker, einer echten Legende. Das Ostgut-Team supportet meine Musik seit Jahren. Ich weiß das sehr zu schätzen. Ich mache die Musik, die ich machen will – und werde dabei von einem der besten Clubs der Welt unterstützt. Was will man mehr?

Gab es einen Part im Track, mit dem du dich besonders obsessiv beschäftigt hast?
Der zweite Drop. Der räumt auf, schafft Platz fürs Vocal – mit Tiefgang und Intimität. Ich liebe Tracks, die so etwas machen. Das ist wie ein Reset.

Deine erste Ostgut-Ton-Platte?
Vermutlich irgendetwas von Scuba. Müsste ich mal raussuchen.

Deine Ostgut-Lieblingsplatte?
Schwierig. Shed, Steffi, Planetary Assault Systems, Gonno, Martyn … Es gibt so viele großartige Acts. Aber Barkers „Utility“ ist für mich ein echtes Highlight – großartig produziert und sehr einflussreich. Auch für mich.

Lydia Eisenblätter

www.instagram.com/lydia_eisenblätter

Soundcheck: Was ist die Story zu „Bliss“?
Ich wollte einen Track erschaffen, der nicht nur gehört, sondern gefühlt wird – im Club wie in stillen Momenten. „Bliss“ trägt die Wärme, das Gemeinschaftsgefühl und jene zeitlosen Augenblicke in sich, die die Panorama Bar für mich so besonders machen. Ich habe den Track extra für die Compilation produziert, um genau dieses Gefühl festzuhalten.

Mythos Berghain: Spiegelt sich das im Track wider?
Ich frage mich oft, was mit dem „Mythos“ gemeint ist. Für mich ist Berghain kein überhöhter Ort, sondern ein Raum voller Erinnerungen, der leise, aber tief wirkt. Vor allem mein erster Morgen in der Panorama Bar im Jahr 2012 hat mich geprägt – die Stimmung, das Licht, der Klang, die Menschen. In „Bliss“ steckt genau das. Der Synth steht für den ruhigen Puls, die Bassline und das Orgel-Element für Weite und Tiefe. Das Soulhouse-Vocal verbindet alles – menschlich, nah, zugehörig.

Was ist für dich der „Ostgut-Sound“ – und wie weit darf man sich davon entfernen?
Für mich ist der Ostgut-Sound zeitlos und tief. Wie weit man sich davon entfernt, entscheidet jede*r für sich. Musik ist Kunst, da gibt es keine Regeln – auch nicht auf diesem Label. Ich wollte, dass sich mein Track gut einfügt.

Welchen Einfluss hatten Club und Label auf dich?
Nach meinem ersten Gig im August 2024 bin ich direkt ins Studio. Genau wie damals nach meinem ersten Besuch als Gast. Die Panorama Bar inspiriert mich jedes Mal aufs Neue. Der Klang, das Gemeinschaftsgefühl, die völlige Präsenz ohne Ablenkung – das macht diesen Ort so besonders für mich.

Gab es einen Part im Track, mit dem du dich besonders obsessiv beschäftigt hast?
Ich habe lange am Vocal gearbeitet. Die Idee kam diesmal nicht vom Vocal, sondern vom Orgelbass. Das Vocal sollte nur ergänzen, nicht dominieren – soulig, tief, aber zurückhaltend. Mit Effekten habe ich ihn so gestaltet, dass er die Atmosphäre trägt.

Deine erste Ostgut-Ton-Platte?
Steffi & Virginia – Yours and Mine (2011).

Deine Ostgut-Lieblingsplatte?
Ebenfalls „Yours and Mine“. Es war mein erster bewusster Kontakt mit dem Label – und hat mir gezeigt, wie emotional elektronische Musik sein kann.

Gallegos

www.instagram.com/gallegos_1991

Soundcheck: Was ist die Story zu „PAXMAN“?
7:29 Uhr, 20. September 2024.

Mythos Berghain: Spiegelt sich das im Track wider?
Mythologie spielt für mich in Kunst und Musik eine wichtige Rolle – sie verlängert die Lebensdauer eines Werks. Man denke an Kubrick, Banksy oder Boards of Canada. Niemand wird je ganz entschlüsseln, was „PAXMAN“ bedeutet – und genau das macht es spannend. Das Unbekannte ist reizvoller als jede Erklärung.

Was ist für dich der „Ostgut-Sound“ – und wie weit darf man sich davon entfernen?
Diese Compilation ist für mich sehr nah dran an dem, was im Club tatsächlich passiert. Im Berghain: rollende, schnelle Drums, treibende Hi-Hats, tribalistischer Groove – schwer woanders so authentisch umzusetzen. Die magischen Stunden zwischen Sonntagabend und Montagmorgen gehören oft schon wieder dem Alltag. Aber in Berlin bleibt Raum für genau dieses ausgedehnte Erleben.
In der Panorama Bar entstehen gerade zu Closing-Zeiten unvergessliche Momente – House, Acid, Pop, Rave, Alt trifft Neu. Wie weit man sich vom Sound entfernen kann? Schwer zu sagen. Ich hoffe, dass jeder Act den Ostgut-Vibe ehrlich und respektvoll weiterträgt.

Welchen Einfluss hatten Club und Label auf dich?
Der Spirit von Club und Label bedeutet mir – und vielen meiner Freunde – sehr viel. Ich habe dort Menschen getroffen, bei denen ich mich sicher und verstanden fühle. Die Musik und Ästhetik haben meinen eigenen Sound nachhaltig geprägt. Dafür bin ich dankbar.

Gab es einen Part im Track, mit dem du dich besonders obsessiv beschäftigt hast?
Zum Glück nicht. Die besten Tracks entstehen bei mir oft in wenigen Stunden oder Tagen. Zu viel Nachdenken schadet manchmal mehr, als es hilft.

Deine erste Ostgut-Ton-Platte?
Ben Klock – Subzero (2015)

Deine Ostgut-Lieblingsplatte?
Diese Compilation – sie vereint Freundschaften und markiert einen Neuanfang für Club und Label.

Hier könnt ihr in die Compilation Ostgut Ton I Klubnacht 01 reinhören und den Sampler digital erwerben:

Tracklist Ostgut Ton I Klubnacht 01:
01. Efdemin – a thousand shades of green
02. Quelza – Afternoon Calcium
03. Azu Tiwaline & Cinna Peyghamy – Chrome Fever
04. Altinbas – Seele
05. GiGi FM – Overseas
06. JakoJako – Evaneszenz
07. Fadi Mohem – Submerge
08. Steffi – Soul Slapper
09. Verraco – youngblood (la verdad mix)
10. Virginia – Project Vochlea 1
11. Cinthie – Diva
12. Lydia Eisenblätter – Bliss
13. Wallace – Pivot Point
14. LADYMONIX -Move My Body
15. Jinjé – Idiome featuring Yolanda Wyns
16. Gallegos – PAXMAN
17. Snecker – Wet Word
18. Hard Ton – Misled

Die Compilation Ostgut Ton I Klubnacht 01 ist am 30. Mai 2025 via Ostgut Ton erschienen.