Frederic Stunkel, lebend in Ulm, hegte schon lange den Traum, eine musikalische Karriere zu starten und damit nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch international aktiv zu werden. Dieses Vorhaben untermauert Stunkel mit zahlreichen Meilensteinen, die seinen Namen immer größere Kreise ziehen lassen – auch über die Landesgrenzen hinaus. So verwendete kein Geringerer als Richie Hawtin unveröffentlichtes Material Stunkels für die Präsentation seines neuen Setups mit dem Mixer Play Differently Model1. Darüber hinaus kuratiert der Wahl-Ulmer auf dem spanischen Radiosender Pure Ibiza Radio seine „Frederic Stunkel Radioshow“. Nun veröffentlicht er am 18. Dezember mit der „Close Voltage“-EP auf ONESUN RECORDS neues Material.

 

Die Idee, selbst Musik zu machen, kam ihm fast schon klassisch auf einer privaten Afterhour, erzählt er: „Ja, das stimmt, das war ungefähr 2009. Ich lebte zu dieser Zeit noch in der Nähe von Regensburg und war häufig im Gloria als Gast, das war damals der Club für elektronische Musik in der Oberpfalz. Dort lernte man recht schnell neue Leute kennen, die einen dann zu der Party nach der Party mitnahmen, wo oft auch andere DJs und Promoter zugegen waren. Und so fand ich mich plötzlich hinter den Decks wieder. Interessanterweise war mir das Auflegen vom ersten Moment an sehr vertraut, da ich schon immer sehr musikaffin war. Vor dieser Zeit habe ich eher querbeet viel Punk und Metal, aber dann immer öfter auch sunshine live gehört. Das hat mich wohl nachhaltig geprägt.“ Eine musikalische Grundausbildung war bei Stunkel nicht vonnöten: „Ich habe mir alles selbst beigebracht – durch Zuhören, Zuschauen und Hinterfragen der Methoden und der Technik der Künstler*innen, zu denen ich aufgeschaut habe. Die, die mich am meisten beeinflusst haben und es nach wie vor tun, sind sicherlich Ricardo Villalobos, Richie Hawtin und Maceo Plex. Durch den Sound, den diese drei doch unterschiedlichen Künstler verkörpern, habe ich zu der Musik gefunden, die ich heute produziere und auch spiele.“

Zu seiner Inspiration beigetragen hat auch die Region, in der Stunkel wohnt. „Diese Stadt ist eine sehr moderne, aber zugleich sehr kulturelle und kulinarische, und beherbergt trotzdem viel Subkultur und generell eine tolle und aktive Szene. Und genau das inspiriert mich: Architektur, Essen und die umtriebige Szene.“ Durch seine Residency im Gleiss44 im Bahnhofsviertel hat Stunkel nicht nur regelmäßigen Kontakt mit der Szene, sondern beeinflusst das Geschehen aktiv mit. Von seiner Heimat aus koordiniert er auch seit 2018 seine Karriere als Moderator und Host beim Radio. „Diesen Wunsch hatte ich tatsächlich schon als Kind. Seit zwei Jahren nun ist jeden ersten und vierten Samstag im Monat von 23 Uhr bis Mitternacht meine Radioshow auf Pure Ibiza Radio zu hören.“ Im Sommer 2019 ging es dann auch in Sachen Shows voran, als er die Onos Stage auf dem Ikarus Festival bespielte, dem größten Festival in der Region. „Das war in der Tat magisch. Ich habe die Stage an dem Tag eröffnet, sie war also leer, als ich angefangen habe. Mein erster Track war ein Edit von Underworlds ,Born Slippy‘ und plötzlich kamen von links und rechts so viele Leute, dass wir innerhalb von wenigen Minuten einen amtlichen Rave hatten.“ Die Pandemie hat Stunkel genutzt, um neue Musik zu produzieren und sein Mixing und Mastering zu verbessern: „Getroffen hat es mich dennoch sehr hart, denn genau an dem Tag, als der erste Lockdown kam, stand ich mit einem Fuß bereits am Flughafen, um nach Berlin zu fliegen und meine Tour 2020 im legendären Sisyphos zu starten. Ich hatte sehr lange darauf hingearbeitet. Aber das holen wir sicherlich nach, sobald es wieder möglich ist.“

Nach zahlreichen positiven Feedbacks auf seine „Lumen“-EP im vergangenen Jahr realisierte ONESUN RECORDS aus Moskau in diesem Jahr erneut eine Zusammenarbeit. In diesem Fall erscheint das Release auch auf Vinyl in limitierter Auflage: „Für mich bedeutet das meine allererste Veröffentlichung auf Vinyl, was mich natürlich sehr stolz macht. Die Inspiration zur EP kam auf meiner Tour letztes Jahr, bei der ich sehr oft in Berlin gespielt habe und den Spirit sowie meine Impressionen aus der Stadt mitgenommen habe. Die Studio-Sessions nach diesen Reisen waren immer besonders.“ Bei ebendiesen kommt zum Großteil analoge Technik zum Einsatz: „Nach einer Weile habe ich mich dazu entschlossen, die Instrumente, die ich bis dato als Software in fast jeder Produktion genutzt hatte, in Form von Hardware anzuschaffen. So bekomme ich mehr Inspiration und kann quasi mit beiden Händen arbeiten, alles mit meinen Händen formen. Ich nutze mehrere Ikonen der Synthesizer-Welt und auch meine Beats entspringen analogen Drum-Maschinen, alles aufgenommen über ein analoges Mischpult. Die DAW ist somit nur noch die Recording-Plattform und für das Arrangement vorhanden.“ Aktuell arbeitet er an einer neuen EP und hofft auf Licht am Ende des Tunnels für Clubs und Shows: „Sollte sich die Situation wieder entspannen, werde ich direkt meine Residency im Gleiss44 wieder aufnehmen und einige All-night-long-Sets spielen. Bis dahin verbringe ich meine Zeit mit Musik und gutem Essen sowie mit Freund*innen, die diese Leidenschaft teilen.“

 

 

 

 

Text: Triple P
Foto: Maria Giunta
www.facebook.com/fredericstunkelofficial