
Das Fusion-Festival blickt in eine ungewisse Zukunft, denn das linke Kulturkosmos-Kollektiv warnt im aktuellen Newsletter vor einer möglichen „Militarisierung“ seines Geländes im mecklenburgischen Lärz.
Der dortige Flugplatz war einst russisches Militärareal und soll 2025 erneut Schauplatz des Festivals sowie des Theaterformats at.tension sein – bevor beide 2027 in eine kreative Pause gehen.
Neben Partydiskussionen wie „nippelfreies Festival“ oder offenem Drogenkonsum rückt nun ein politischer Konflikt ins Zentrum. Unter der Überschrift „Die Russen kommen“ heißt es im Newsletter, „die irrsinnige Militarisierung“ wolle „unsere Gesellschaft auf einen Krieg mit Russland einschwören“ (FAZEmag berichtete).
Das Kollektiv kritisiert, dass nach der schnellen Wiedereinführung der Wehrpflicht militärische Infrastruktur benötigt werde – von Kasernen über Übungsgelände bis hin zu Flugplätzen. Die Sorge betrifft auch Lärz.
Das Festival warnt, die Bundeswehr könne sich „zurückholen, was sie kriegen kann“. Im Newsletter heißt es: „Niemand kann garantieren, dass auf dem Flugplatz in Lärz in Zukunft nicht Drohnen oder anderes Kriegsgerät getestet oder stationiert werden sollen. Erste Scouts der Bundeswehr wurden schon gesichtet.“
Der Ton wird deutlicher, wenn formuliert wird, man sei bereit, „bis zur letzten Patrone“ für Kunst, Kultur und Freiheit zu kämpfen. Das Verteidigungsministerium erklärt, dass die zivile Nachnutzung ehemaliger Militärflächen aktuell ausgesetzt sei.
Ein Sprecher bestätigt jedoch die Identifizierung von 200 Liegenschaften für eine „strategische Liegenschaftsreserve“, darunter 187 aufgegebene und 13 derzeit genutzte Standorte. „Diese 200 Liegenschaften, zu denen der Standort Lärz zurzeit aktuell noch nicht gehört, werden nun detailliert geprüft“, heißt es auf Anfrage von Check Point.
Die Bundeswehr betont, Länder und Kommunen würden eng eingebunden. Doch das Festival-Kollektiv zeigt sich kämpferisch: „Unser Gelände bekommt ihr nicht!“ Die Frage, ob das Festivalgelände langfristig sicher bleibt, steht damit im Raum und bekommt erstmals eine politische Dimension, die weit über elektronische Musik hinausgeht.
Quelle: Tagesspiegel
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