Grobes Wetter, grobe Spiele. Als gäbe es eine geheime Absprache zwischen Mutter Natur und der Publisher-Gilde, kommen in diesen schroffen Tagen vor allem die Fans von Blut, Schweiß und Action auf ihre Kosten. Dazu tragen bei: Jede Menge Schwerkaliber, noch mehr Aliens, die Chaos-Klingen von unserem Lieblings-Aggro Kratos und natürlich Hektoliter Testosteron. Aber nicht nur männliches. Diesmal darf auch endlich wieder eine Frau ihren Weg gehen.

Den Anfang macht ein Nachzügler. In Segas Aliens: Colonial Marines geht es 11 Jahre nach James Camerons Film zurück an Bord der U.S.S. Solaco und zwangsläufig auch auf den Planeten LV-426. Corporal Winter und sein Suchkommando sollen den Verbleib von Ellen Ripley klären. Ihre Mission führt sie zur Kolonie Hadley’s Hope – und mitten rein in ein Nest von Xenomorphen. Wer nun akzeptieren kann, dass der Ego-Shooter technisch wie spielerisch nicht mehr als Mittelmaß bietet, darf sich darüber freuen, dass er zumindest in Sachen Alien-Atmosphäre alles raus holt, was rauszuholen ist. Die Korridore triefen vor Schleim, eingewobene Leichen kleben an den Wänden, die Bewegungsmelder pumpen und immer wieder wird die Stille vom originalen Gekreische der Säuremonster und den Feuerstößen der Filmwaffen zerrissen. Dazu kommt ein recht vielfältiger Multiplayer, an den man ebenfalls keine großen Erwartungen stellen sollte. Dafür darf man dann aber auch mehrfach in Form der Doppelkiefer-Kreatur agieren. Wahlweise auf PC, Xbox und PS3.

Zurück auf die Erde und ins zum Dschungel mutierte New York geht’s mit Crysis 3 von Crytek. Darin muss Prophet, der Held des ersten Teils, den Big Apple, der inzwischen unter einer gigantischen Kuppel liegt, von der Alienrasse Ceph und den Soldaten der miesen Cell-Organisation befreien. Prophets Hilfe im Kampf: sein Nano-Anzug. Dieser schützt auf ihn Knopfdruck vor Kugelbeschuss oder macht ihn unsichtbar. Allerdings sind seine Gegner diesmal etwas schlauer und schicken unter anderem Dronen oder Plasma-Granaten los, die den jeweiligen Fähigkeiten des Anzugs entgegenwirken. Deswegen hat Prophet nun auch einen Bogen am Start, mit dem Ziele entweder elegant durchbohrt oder per angeschraubter Mine gleich komplett weggeblasen werden. Mit anderen Worten: Der Supersoldat ist nun öfter mal gezwungen auch aus dem Hinterhalt zu eliminieren. So wird das bewährte Spielkonzept um eine so taktische wie abwechslungsreiche Komponente ergänzt, die in Kombination mit der gewohnt bombastischen Inszenierung ein absolut rundes Actionfest für Xbox, PC und PS3 ergibt.

Der nächste Einzelgänger kommt mit Sniper: Ghost Warrior 2 von Ubisoft daher. Er muss allerdings deutlich vorsichtiger vorgehen und schaltet im Gegensatz zu Prophet nie so wirklich in den Rambo-Modus. Soll er auch nicht. Denn dieses Spiel lebt davon, dass man sich im Schleichgang bewegt, seine Ziele genau observiert, ihre Laufwege, den Wind oder den eigenen Herzschlag mit einkalkuliert, um letztendlich als heldenhafter Scharfschütze den perfekten Schuss zu landen. Je höher der Schwierigkeitsgrad, umso weniger Hilfen hat man zur Verfügung, umso besser, umso echter fühlt sich die Sniper-Simulation an. Gerade weil man nun auch den Rückstoß der Waffe beeinflussen kann, indem man die Schultertasten des Controllers entweder sanft (wenig Rückstoß) oder ruckartig (mehr Rückstoß) durchzieht. Neu dabei sind auch die so genannten Stealth Kills, die vorzugsweise mit dem Messer erledigt werden. In Sachen Grafik muss man allerdings ein paar Abstriche machen, wohingegen die zunächst ausgenudelt wirkende Story über fiese Terroristen mit noch fieseren Atomwaffen dann doch noch eine schicke Kurve in Richtung „Schrecken eines Balkan-Bürgerkriegs“ hinbekommt. Zudem dürfen sich Xbox-, PS3- und PC-Sniper auch jeweils online gegeneinander messen.

Doch kommen wir endlich zur Frau. Mit Tomb Raider von Square Enix gelangt nun endlich das Reboot der berühmtesten Pixelbraut der Welt auf unseren Bildschirm. Die Macher drehen die Uhr zurück und schicken eine noch junge Lara Croft in ein Survival-Abenteuer, das aus der adligen Studentin die knallharte Spiel-Ikone macht, die wir alle so lieben. So strandet die junge Lara im Rahmen einer Expedition irgendwo im Südpazifik, in der Nähe des Drachen-Dreiecks, auf einer schroffen Insel, wo sie sich nicht nur gegen die Natur, sondern auch miese Piraten und einen mysteriösen Kult zur Wehr setzen muss. Infolgedessen ist sie gezwungen sich Waffen, Verbandszeug oder Munition zu beschaffen und ihre Tötungsskills immer weiter zu verbessern, indem sie zum Beispiel Tiere erlegt oder wertvolle Gegenstände findet. Letzteres hat ein paar schöne archäologische Rätsel und Kletterpassagen zur Folge, die wie so vieles an die gute, alte Zeit erinnern. Aber auch an „Assassin’s Creed“ oder „Uncharted“ (natürlich die Deckungs-Schießereien) oder „Lost“, was dem Spiel leider etwas Frische raubt. Nichtsdestotrotz ist dieser Selbstfindungstrip ein wirklich fesselndes Erlebnis, was in erster Linie seiner so professionellen wie stimmungsvollen Inszenierung verdankt. Wer sich in dieses sinnliche Bermuda-Dreieck aus Schweiß, Schlamm und Schmerz begeben möchte, kann die Reise auf Xbox, PC und PS3 buchen.

Zum Schluss gibt’s dann nochmal eine echt übermenschliche Portion Männerschweiß. Den muss Antiheld Kratos vergießen, um aus dem Gefängnis der Erinnyen, den Rachegöttinnen, zu fliehen. Dort wurde er eingekerkert, nachdem er von Ares dazu gebrachte wurde, seine Familie brutal abzuschlachten. Nun kennt er nur noch ein Ziel: Die Ketten, die ihn an Ares binden, brechen und Erlösung finden. Egal wie. Mit anderen Worten: Sonys God of War: Ascension

In diesem Sinne: The harder they come, the harder they must fall …