Neues Jahr, neues Heft, neue Games, neues Glück. Mehr neu geht nicht. Quasi neu im Quadrat. Doch bevor die Muttersprache hier noch weiter ad absurdum geführt wird, geht ein kuschelig warmes Hallo an all die Zocker, Konsoleros, Träumer, Pixelkrieger, Individualisten, Tastenprügler, Nerds, Geeks, Raver und Herzmenschen da draußen, die uns auch weiterhin die Treue halten. Hier sind ein paar Spiele für euch.

Den Anfang macht Asura. Ein Halbgott, dem die Sonne so gar nicht aus dem Arsch scheint. Im Gegenteil. Erst wurde er von seinen göttlichen Kameraden aufs Kreuz gelegt, dann wurde seine Frau ermordet und schließlich hat man ihn ohne Kräfte für 12.000 Jahre auf der Erde in einen Stein eingeschlossen. Doch als ihn das Gebet eines Kindes befreit, darf Asura endlich das machen, wozu er geschaffen wurde: wüten. Gegen alles, was kommt. Egal wie groß es ist. Und allein dies macht Capcoms „Asura’s Wrath“ schon zur Ausnahmeerscheinung. Denn die Endgegner sind einfach nur verdammt groß. Und die Kämpfe gegen sie ein grandios überzeichneter Mix aus Cel-Shading-Optik, Quicktime-Events, „Dragonball“-Feeling, Buddhismus- oder Hinduismus-Verweisen und klassischen Anime-Cliffhangern. Das mag für manche etwas zu japanisch sein, hat aber auch spätestens dann ein paar echte starke Argumente auf der Gegenseite, wenn Asura zur Schlacht gegen eine Buddha-Statue von planetarem Ausmaß antritt und mit sechs Armen auf einen Zeigefinger der Marke Empire State Building einhämmert. Der Titel „größter Bosskampf der Geschichte“ ist jetzt schon mal verdient. Der Trick dabei: man muss  keine gegnerischen Energiebalken runter, sondern den eigenen Zornbalken hoch prügeln. Ist dieser voll, gibt’s die finale Kelle. Das ist zwar nicht wirklich fordernd, aber ungemein befriedigend. Genauso wie der Rest, der sich aus Gruppenkeilereien und Rail-Sequenzen zusammensetzt. Die überdrehte Götter-Action erscheint für Xbox 360 und PS3.


Noch mehr Hiebe wird es wohl nur in „SoulCalibur V“ von Namco Bandai setzen. Darin geht es mal wieder um die Vorherrschaft von Gut und Böse. 17 Jahre nach ihrem letzten Kampf bitten die beiden Schwerter SoulCalibur (gut) und SoulEdge (böse) zum alles entscheidenden Turnier. Mit dabei: alte Recken wie Siegfried oder Mitsurugi, neue Helden wie die Glaskugel-Kämpferin Viola und Stargast Ezio Auditore da Firenze, der wie in Assassin’s Creed mit Armbrust, versteckten Messern und italienischen Flüchen zum Kampf antritt. Wer will, darf sich auch per prallem Charaktereditor einen eigenen Krieger erstellen. Geprügelt wird online oder lokal gegeneinander, sowie im Storymodus, bei dem die Geschwister Patroklos und Pyrrha im Mittelpunkt stehen. Das sieht Dank neuer Animationen und einer verbesserten Grafik schöner aus als je zuvor. Es ist Dank neuer Kampfmechaniken wie dem Ausweichschritt oder dem „Critical Meter“, der zwei weitere Spezialattacken ermöglicht, nicht nur für Tastenhämmerer, sondern auch für Taktiker reizvoll. So macht die opulente Prügel-Orgie zwar nicht viel neu, aber das Wesentliche richtig und erscheint für Xbox 360 und PS3.

Echte Videospiel-Geschichte erreicht uns in Form der „Metal Gear Solid HD Collection“ von Konami. Drei Titel, chronologisch angeordnet, erstmals hoch aufgelöst und diesmal nicht nur für PS3-, sondern auch für Xbox 360-Spieler gedacht. Den Anfang bildet „Metal Gear Solid 3: Snake Eater“, in dem Naked Snaked, alias Papa von Solid Snake, während des Kalten Krieges gegen seine Mentorin und den irren GRU-Oberst Volgin zu Felde zieht. In der Fortsetzung „Peace Walker“, die bisher nur auf der PSP erhältlich war, darf Naked Snake, inzwischen Big Boss genannt, gegen fiese CIA-Agenten im Dschungel von Costa Rica vorgehen. Zu guter Letzt darf dann der Sohnemann ran. In „Sons of Liberty“, dem zweiten Metal Gear-Abenteuer für die PlayStation, muss Solid Snake den US-Präsidenten aus den Klauen seiner Brüder Liquid und Solidus befreien. Was alle drei Hightech-Thriller eint: riesige Weltvernichtungsmaschinen, epische Cutscenes, etliche Verweise auf Krieg, Kino und Philosophie und wegweisende Stealth-Action. Ein Fest für alle Veteranen der Original-Spiele und hoffentlich auch ein verlockendes Angebot für all die Zocker, die bisher noch nicht glauben wollten, dass Liebe auch auf dem Schlachtfeld blühen kann.

Ebenfalls etwas älter, aber nicht minder erwähnenswert: „Catherine“ von Koch Media. Wer schon immer mal wissen wollte, wie sich knackige Kletter-Puzzle, die moralischen Konsequenzen eines Seitensprungs und Gespräche mit Schafen kombinieren lassen – in diesem Rollenspiel-Jump’n’Run findet er die Antwort darauf. Zentrale Figur des Ganzen ist Durchschnittstyp Vincent, der schwer verknallt in seine Freundin Katherine ist. Trotzdem schüttet er sich eines Tages in seiner Stammkneipe so dermaßen einen hinter die Binde, dass er am nächsten Morgen neben der sündhaft heißen Blondine Catherine erwacht. Fortan wird er tagsüber vom Dilemma geplagt, sich zwischen Lust und Liebe entscheiden zu müssen, während er in der Nacht mit Furcht einflößenden Albträumen zu kämpfen hat, in denen es gilt immer kniffligere Rätseltürme zu erklimmen. Beides hat es in sich. Entweder, weil man am Tage wirklich erwachsene Entscheidungen zum Thema Seitensprung treffen muss oder mit den nächtlichen Denksportaufgaben, bei denen man nur klettern, laufen und Kisten ziehen kann, an geistige Grenzen geführt wird. Wer jetzt Blut geleckt hat: Der Mix aus Japano-Beziehungs-Drama, Hirnschmalz-Hüpfen und David Lynch erscheint hierzulande für Xbox 360 und PS3.

Und wer jetzt noch ein paar Untote braucht, darf sich auf „Resident Evil: Operation Raccoon City“ freuen. Capcoms neuester Ableger der Serie beschreitet neue Wege, wählt dafür aber einen alten Pfad. So spielt man hier noch einmal die Story des zweiten Teils, übernimmt dabei aber die Rolle der Gegenseite und muss als Anführer eines Umbrella-Einsatz-Truppe in der T-Virus-verseuchten Raccoon City aufräumen. Die Folge: ein Team-basierter 3rd-Person-Deckungs-Shooter, bei dem es vor allem darauf ankommt, dass man seine Mannschaft geschickt zusammenstellt. Der eine kann die Gestalt seiner Opfer annehmen, ein anderer missbraucht eben jene als Schutzschild, während ein Dritter sie zur Kamikaze-Waffe umfunktioniert. Ach so, die Opfer sind natürlich Zombies. Neben Leon Kennedy & Co die dritte und permanente Bedrohung im Spiel. Und geheilt wird wie immer mit grünem Kraut. Daraus ergibt sich eine launige Ballerei aus der Schulterpespektive, die mit vertrautem Setting und netten „Left 4 Dead“-Feeling punktet, nicht ganz so perfekt funktioniert wie „Gears of War 3“ und für PC, Xbox 360, sowie PS3 erscheint.

In diesem Sinne: Auf ein Neues … 

 

Text: Daniel Schröckert