
Ein neuer Szene-Hotspot im 19. Bezirk Wiens sorgt derzeit für heftige Diskussionen: Die Open-air-Location „Gleis 19“ in der Gunoldstraße 12, ein kreatives Projekt auf einem ehemaligen Lagerplatz, hat mit ihren lauten Techno-Veranstaltungen am frühen Morgen für massiven Ärger in der Nachbarschaft gesorgt.
Besonders betroffen sind Anrainer, die nun von drastischen Einschnitten in ihrer Lebensqualität berichten. Die Betreiber von „Gleis 19“ wollen die Fläche nicht als Club verstanden wissen, sondern als Plattform für Künstler und die Musikszene.
Ziel sei es, das brachliegende Gelände mit Leben zu füllen und kreativen Austausch zu ermöglichen. Doch die Realität sieht für viele Anwohner anders aus: Der als alternativ und offen gedachte Ort entpuppt sich für sie als nervliche Belastungsprobe – insbesondere wegen der Betriebszeiten, die mitunter schon um 7 Uhr morgens beginnen.
Eine Bewohnerin, die seit neun Jahren in einer Dachterrassenwohnung in unmittelbarer Nähe lebt, beschreibt die Situation als „Albtraum“. Sie betont: „Jetzt sind die tiefen Bassfrequenzen selbst bei geschlossenen Fenstern deutlich spürbar – körperlich, nicht nur akustisch.
Die Terrasse ist an diesen Tagen unbenutzbar.“ Dass Partys bis in die Morgenstunden andauern, sei dabei nicht das einzige Problem. Besonders ärgert die Anwohner, dass keinerlei Maßnahmen zum Schallschutz ergriffen wurden.
Die Kritik richtet sich nicht pauschal gegen elektronische Musik oder Veranstaltungen, sondern gegen die Art der Umsetzung. Das Fehlen grundlegender technischer Vorkehrungen zur Lärmminderung bei gleichzeitiger Nähe zu Wohnraum sei das zentrale Problem.
Die als After-Party wahrgenommenen Events in den frühen Morgenstunden, insbesondere mit lauter Musik ab 7 Uhr, stoßen daher auf großes Unverständnis. Auch die Wiener Behörde MA36 (Veranstaltungen) wurde mittlerweile aktiv.
Auf Grund mehrerer Beschwerden wurde am Abend des 12. Juli 2025 eine Kontrolle durchgeführt. Dabei stellte man fest, dass die laufende Musikveranstaltung ohne Genehmigung stattfand.
Ein Sprecher erklärte: „Daher wurde der Veranstalter aufgefordert, die Musikdarbietung einzustellen. Dieser Aufforderung kam er nach und sagte die weitere Veranstaltung ab.“ Bei einer späteren Nachkontrolle sei keine Musik mehr festgestellt worden.
Gänzlich folgenlos bleibt der Vorfall jedoch nicht. Die MA36 kündigte ein Verwaltungsstrafverfahren gegen den Veranstalter an. Immerhin: Inzwischen wurde eine Musikanzeige gemäß dem Wiener Veranstaltungsgesetz eingereicht.
Damit werden dem Veranstalter künftig verbindliche Grenzwerte für Lautstärke und Betriebszeiten vorgeschrieben, um die Konflikte mit der Anrainerschaft zu entschärfen. Ob sich durch die gesetzten Schritte langfristig eine bessere Koexistenz zwischen Szene-Location und Nachbarschaft ergibt, bleibt offen.
Fest steht: Die Debatte rund um „Gleis 19“ zeigt exemplarisch, wie sensibel das Zusammenspiel zwischen urbaner Kultur und Wohnqualität sein kann – besonders dann, wenn Techno auf Frühstück trifft.
https://www.instagram.com/reel/DL5dQ0rsqQi/?utm_source=ig_web_copy_link
Quelle: Krone
Das könnte dich auch interessieren: