
Tief im satten Grün Kolumbiens wachsen Pflanzen, die seit Jahrzehnten Teil eines globalen Konflikts sind. Koka ist für viele Bauern Überlebensgrundlage, für Regierungen ein politisches Problem und für den Westen Rohstoff eines milliardenschweren Schwarzmarkts. Jetzt greift Kolumbien erneut zu einem Mittel, das schon früher tiefe Spuren hinterlassen hat: Glyphosat.
Nach Jahren des Stillstands setzt die Regierung wieder auf den umstrittenen Unkrautvernichter, um Koka-Plantagen zu zerstören. Kein großflächiges Versprühen aus Flugzeugen wie früher, sondern gezielte Einsätze, unterstützt durch Drohnen und manuelle Rodungen. Der Kurswechsel wirkt wie ein Echo aus der Vergangenheit – und er kommt nicht aus dem luftleeren Raum. Internationaler Druck, vor allem aus den USA, treibt die Entscheidung voran. Die Kokainproduktion steigt, der politische Geduldsfaden sinkt.
Glyphosat seit Jahren in der Kritik
Der Wirkstoff Glyphosat gilt als potenziell gesundheitsgefährdend und wird mit Umweltschäden in Verbindung gebracht. Für die Menschen in den ländlichen Regionen Kolumbiens bedeutet sein Einsatz mehr als nur den Verlust illegaler Felder. Er betrifft Böden, Wasserquellen und damit ganze Lebensgrundlagen. Viele Gemeinden erinnern sich noch gut an die Zeit, in der Chemikalien aus der Luft ganze Landstriche trafen – oft ohne Rücksicht auf angrenzende Felder oder Dörfer.
Der Staat argumentiert mit Effizienz. Koka wächst schnell, zu schnell für rein manuelle Maßnahmen. Doch Kritiker halten dagegen: Die Zerstörung der Pflanzen bekämpft nicht die Ursachen des Anbaus. Armut, fehlende Infrastruktur und kaum legale Alternativen treiben Bauern immer wieder zurück zur Koka. Wird ein Feld vernichtet, wächst das nächste oft nur wenige Kilometer weiter.
So wird Glyphosat zum Symbol eines festgefahrenen Kriegs. Ein Krieg gegen Pflanzen, der längst soziale Fragen berührt. Zwischen internationaler Drogenpolitik und lokaler Realität klafft eine Lücke, die kein Herbizid schließen kann. Kolumbien steht damit erneut vor der Frage, ob der alte Weg tatsächlich zu neuen Ergebnissen führt – oder ob er nur ein weiteres Kapitel in einer Geschichte schreibt, die sich seit Jahrzehnten wiederholt.
Der Dampf der Chemikalien verzieht sich irgendwann. Die Konflikte bleiben.
Quelle: ntv.de
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