Golden Gate – „Das Erfolgsrezept könnte sein, dass es nie eines gab.“

Unter den Stadtbahnbögen zwischen Jannowitzbrücke und Alexanderplatz hat sich das Golden Gate seit Anfang der 00er-Jahre seinen Underground-Charakter bewahrt. Der kleine Club ist bekannt für lange Afterhours, ein verruchtes Flair und ein musikalisches Programm zwischen Techno, House, Deep-Tech House und Minimal. Gründer Reimund Spitzer liefert Einblicke.

In puncto Kultstatus braucht sich das Golden Gate nicht vor großen Namen verstecken. Welches Erfolgsrezept lässt den Laden auch nach fast 25 Jahren noch funktionieren?
Das Erfolgsrezept könnte sein, dass es nie eines gab. Es gab Anfangs nicht eine spezifische Idee, ein Businessplan, eine künstlerische Ausrichtung, die einem Trend oder Hype entsprach. Hier ist etwas organisch mit den Jahren gewachsen und ein lokaler Mikrokosmos entstanden, in dem die Elektronische Musik, der Freigeist und Hedonismus keine Inszenierung ist, sondern ein Teil der DNA eines jeden einzelnen, der hier partizipiert, ob Crew, Künstler:innen oder Gäste. Die Momente und Erlebnisse mit Musik und Mensch fühlen sich hier sehr vertraut und wahrhaftig an, vielleicht ist es das, was den Ort nach so vielen Jahren am Leben hält.

Ihr seid der Gentrifizierung durch ein Shoppingcenter entgangen und habt Corona überstanden. Gab es in 25 Jahren mal einen Moment, wo ihr dachtet: Das wars jetzt?
Ganz am Anfang, nach ein paar Wochen, gab es einen Abend, wo die Polizei kam und Fragen stellte und wir uns entscheiden mussten: legalisieren wir das Ding jetzt oder hören wir auf und machen etwas ganz anderes?

Ursprünglich als Venue für ein gemischtes Programm gegründet, hat sich der Club im Laufe der Jahre eine doch recht eindeutige Soundidentität zugelegt. Für welchen Sound steht das Golden Gate heute?
Das Gate hatte zu Anfang ein gemischtes Programm aus der Subkultur mit Ausstellungen, Konzerten und privaten Partys. Das änderte sich um 2004/2005. Seitdem dreht sich hier alles ums Tanzen und elektronische Musik: House, Techno und alles dazwischen – ohne kommerzielle Prägung. Im Vordergrund steht eine Fusion aus Techno, House, Deep-Tech House und Minimal, klassisch wie experimentell. Außerdem geben wir ausgewählten kleinen Labels Raum und legen Wert auf Vinyl-Sound – im Booking ebenso wie in puncto Technik und Anlage.

Der Club gilt als dreckig und verrucht und lebt auch von seinen vielen kleinen Makeln. Gibt es Dinge, die ihr ganz bewusst nie „verbessern“ wolltet?
Eine Nebelmaschine kommt uns weiterhin nicht ins Haus!

Der schönste Beweis, dass ihr mit dem Gate alles richtig gemacht habt?
Die vielen Freundschaften, Liebschaften, Freundeskreise, die hier ihren Anfang nahmen, die Liebespaare, Ehepaare, Familien und Kinder, die im Laufe der Zeit drumherum entstanden sind.

Aus dem FAZEmag 174/08.26
goldengate-berlin.de