Kye Gibbon und Matt Robson Scott haben sich mit ihrer Mixtur aus Bass-lastiger House-Musik und fesselnden Vocals in den letzten neun Jahren als eines der erfolgreichsten Duos aus UK etabliert. Belegt wird dies unter anderem durch zehn Millionen verkaufte Singles und 1,5 Milliarden Streams. Seit ihrer Gründung im Februar 2012 können Gorgon City auch etliche Chart-Erfolge vorweisen, wie z.B. mit ihrem Smash-Hit „Ready For Your Love“. 2019 waren sie auf Festivals weltweit unterwegs, wie dem Coachella, EDC Vegas und Israels Get Lost Festival – aber auch in legendären UK-Venues wie dem Printworks, Warehouse Project und Tobacco Dock. Nach den Werken „Sirens“ in 2014 und „Escape“ in 2018 ist nun am 25. Juni via Universal ihr drittes Album erschienen. Auf „Olympia“ präsentieren Gorgon City auf 18 Tracks u.a. Features mit hochkarätigen Gast-Musikern wie DRAMA, Sofi Tukker, Grace Grundy, Aura James und Josh Barry.

Und auch wenn das Duo bereits zwei Langspieler in seiner Diskografie verewigte, so war die Produktion in diesem Fall von einem für sie absoluten Novum gezeichnet. Kye produzierte direkt vom Geburtsort des House, von Chicago aus, wo es ihn der Liebe wegen hingezogen hat, und Matt aus der englischen Metropole London. Das Ergebnis ist ein Mix aus Vergangenheit und Zukunft, in dem verschiedene musikalische Welten zusammenkommen und den für sie so typischen Sound noch energiegeladener werden lassen. 90er-House trifft auf astreine Pop-Elemente, die schon jetzt Vorfreude auf Liveshows wachsen lassen, insbesondere nach allem, was sich in den letzten Monaten ereignete: „Es war ein seltsames Jahr und ein Auf und Ab, um ehrlich zu sein. Aber jetzt geht es aufwärts, da sich die Welt ein bisschen mehr öffnet. Manchmal fiel es uns schwer, uns dazu inspirieren zu lassen, wenn alles geschlossen war, aber an manchen Tagen kam es dann wie von selbst. Wir sind frohen Mutes, dass wir schon bald unser ‘altes’ Leben zurückbekommen“, hofft Kye. „Wir sind ohne jede Vorwarnung von einem großartigen Nonstop-Chaos zu einem kreischenden Stillstand übergegangen. Während des schwierigsten Jahres unserer Karriere haben wir es geschafft, etwas zu schaffen, auf das wir extrem stolz sind. Unsere Sehnsucht, wieder große Menschenmassen zusammenzubringen, ist es, die ,Olympia‘ inspiriert hat. Während wir alle in ein hoffnungsvolles neues Kapitel in unserem Leben eintreten, hoffen wir, dass dieses Album euch dazu inspiriert, zu tanzen und zu lächeln und euch zu verbinden und all die Dinge zu tun, die wir alle so sehr vermisst haben“, fügt Matt hinzu.

„Die Entstehung des Album war in der Tat etwas kurios, da wir es auf verschiedenen Kontinenten gemacht haben, aber wir haben auch an einem großen Teil des Albums gearbeitet, bevor der Lockdown eintrat. Wir haben unsere Zeit während des Lockdowns, wie ich finde, weise genutzt und mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden.“ Dabei erinnert sich Matt auch an non-musikalische Aktivitäten während des Lockdowns: „Ich habe auch ziemlich viel gelesen, war laufen und habe ein bisschen Yoga mit meiner Freundin gemacht. Und die Nintendo Switch hat auch einiges abbekommen. Aber ja, das Album wurde definitiv von den großen Shows und Festivals beeinflusst, die wir in den letzten Jahren gespielt haben, deshalb hat es eher einen Club-basierten ,Big Room‘-Sound. Wir sind definitiv ,clubbiger‘ geworden. Es ist ein größerer, breiterer Sound und lyrisch ist es für uns eine andere Herausforderung gewesen.” Dem Drang, neue Sachen auszuprobieren, gehen sie auch im Studio mit neuen Produktionstechniken nach, erzählt Matt: „Wir versuchen dabei, unseren Sound zu verbessern. Wir haben eine schöne Menge an Synthesizern in unserem Studio, die wir gerne benutzen und dabei aber immer Ausschau nach Entwicklungen auf dem Markt halten. Wir haben unser gesamtes Equipment von unseren Liveshows ins Studio verlagert, also haben wir jetzt eine Menge Zeug!“

Konzeptionell reiht sich „Olympia“ erneut in die Welt der griechischen Mythologie ein, um die es bei Gorgon City schon immer ging: „Wir hatten schon immer unsere kreative Grundlage in der griechischen Mythologie und dies ist eine Erweiterung davon, keine Frage.“ Dass sie auch in Sachen Liveshows keine halben Sachen machen, haben sie in Pre-Pandemie-Zeiten oftmals unter Beweis gestellt. Erst kürzlich veröffentlichten sie 27 Termine im Rahmen ihrer anstehenden Album-Tournee, die sie von Mitte Dezember mit dem Auftakt in Seattle über San Francisco, Detroit, Boston, Houston, Dallas, Atlanta und vielen weiteren US-Metropolen bis hin nach UK im November führen wird. Die finale Show im Printworks in London war in sage und schreibe vier Minuten ausverkauft: „Die Tour ist für uns das Licht am Ende des Tunnels. Wir können es kaum erwarten, wieder auf Tour zu gehen und all diese neue Musik zu spielen! Das wird großartig. Es wird eine DJ-Tour sein. Wir werden eine neue Liveshow entwickeln, wenn die Industrie wieder auf beiden Beinen steht.“

Im kommenden Jahr zelebriert Gorgon City sein zehnjähriges Bestehen: „Es war eine wahnsinnige Reise und es fühlt sich definitiv nicht wie ein ganzes Jahrzehnt an. Die unzähligen tollen Momente haben sich irgendwo in unserem Gedächtnis eingebrannt und fühlen sich teilweise noch immer surreal an.“ Für die kommenden Wochen und Monate stehen neben den Tourvorbereitungen und weiteren Single-Auskopplungen auch einige spannende Relases auf ihrem eigenen Label Realm ins Haus: „Uns ist klar geworden, wie sehr unsere Gesellschaft von menschlicher Interaktion abhängt. Die ganze Musikwelt dreht sich um Zusammenarbeit, Menschenmengen und Reisen. Ohne diese Dinge ist es natürlich nicht das Gleiche. Daher wird es Zeit, dass wir diese Pandemie endlich ein für alle Mal besiegen und uns wieder begegnen. In Sachen Label haben wir das Gefühl, dass wir das Label noch immer aufbauen und es sich weiterentwickelt. Wir lieben es, das Projekt behutsam aufzubauen und haben eine Menge interessanter Veröffentlichungen in der Pipeline!“

 

Aus dem FAZEmag 113/06.21
Text: Triple P
www.instagram.com/gorgoncity/