Seine Karriere startete der 1976 geborene Gregor Tresher bereits in den 90er-Jahren. Der internationale Durchbruch gelang dem DJ, Live-Act und Produzenten dann im Jahr 2005 mit den beiden Titeln „Still“ und „Neon“. Drei Jahre später erschien das heute legendäre „A Thousand Nights“, das Tresher in die Sphären der gefragtesten Künstler seines Genres katapultierte und bei Beatport zum meistverkauften Techno-Track des Jahres mutierte. Es folgten Veröffentlichungen auf Drumcode, Ovum, Intacto, Moon Harbour und Cocoon. 2009 gründete der Hesse mit Break New Soil sein eigenes Label, auf dem vier seiner bislang fünf Studioalben erschienen sind. Das Imprint entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Institution für starke Releases mit festem Künstlerstamm und fungiert als Plattform für neue und talentierte Acts. In diesem Jahr wird Break New Soil zehn Jahre alt. Passend dazu erscheint eine Compilation mit exklusiven Stücken von Extrawelt, Petar Dundov, Marco Effe, Karotte, Paul Ritch, 2000 and One, Antipolar und anderen. Ein Interview.


Gregor, wie geht es dir und wie waren die ersten Monate in 2019 für dich?

Mir geht’s sehr gut, danke! Nach einem tollen Gig bei HYTE im Funkhaus Berlin an Silvester hab ich mir zwei Wochenenden freigenommen und dann ging’s auch schon wieder los mit dem Auflegen, gleich mit einem tollen Wochenende an der Westküste mit Gigs in L.A. und San Francisco. In den letzten Jahren habe ich mir nie viel mehr als ein oder zwei Wochenenden im Januar freigenommen – ich hab einfach immer sehr schnell wieder Lust, Musik zu spielen und in Clubs zu sein.

Zehn Jahre Break New Soil – Glückwunsch zu diesem großartigen Jubiläum. Was kommt dir in den Kopf, wenn du daran denkst?

Danke! Zuerst mal ist es ein wenig surreal, dass es wirklich schon zehn Jahre sind – time flies when you’re having funbeschreibt die Situation ganz gut. Dann denke ich natürlich an eine ganze Menge schöne Musik, die wir in den zehn Jahren veröffentlicht haben. Ich sollte vor Kurzem eine Top 10 mit meinen liebsten Stücken aus dem Back-Katalog erstellen, das ist mir gar nicht so leicht gefallen bei der Auswahl – wäre aber ja auch schlimm, wenn es nicht so wäre, schließlich hab ich die Tracks ja auch gesignt.

Bevor wir über die Releases und die Label-Geschichte sprechen: Mit welcher Intention hast du 2009 das Label ins Leben gerufen?

Ursprünglich war es so, dass ich bei Releases von mir selbst alle Fäden in der Hand halten wollte, speziell was das Artwork und die Formate der Veröffentlichungen betraf. Wenn man seine Musik bei anderen Labels unterbringt, ist man oft limitiert, was das angeht – schon allein wegen vielleicht bestehender Vorgaben, zum Beispiel weil das Label immer mit dem gleichen visuellen Konzept arbeitet. Gerade im Hinblick auf meine Alben war es mir wichtig, aussuchen zu können, wer am Cover arbeitet – oft ist dann aber das Problem, dass vom Label kein großes Budget dafür zur Verfügung steht. Bei meinem eigenen Label kann ich selbst entscheiden, mit größeren Budgets zu arbeiten, auch wenn das vielleicht im Hinblick auf die Rentabilität erst mal kontraproduktiv ist. Wir veröffentlichen beispielsweise immer noch jede Katalognummer auf Vinyl.

Rentabilität und Vinyl sind zwei gute Stichworte. Vor welchen Herausforderungen standst du zum Start und danach und welche Visionen hattest du?

Zuerst stellten sich natürlich viele Fragen zum täglichen Geschäft. Ich hatte das Glück, dass ich Anfang der Nullerjahre bei verschiedenen Labels gearbeitet habe und mich mit der Materie ein wenig auskannte. Zusätzlich hatte ich in den zehn Jahren auch immer Hilfe von befreundeten Labels oder Mitarbeitern, die mir auf der administrativen Seite unter die Arme gegriffen haben. Die ursprüngliche Vision war es, wie bereits angesprochen, alle Fäden in der Hand zu halten – und diese Freiheit habe ich mir auch bis heute erhalten. Ich entscheide allein, was auf dem Label rauskommt, und wenn ich mal ein ausgefalleneres Artwork für ein Album machen möchte, leiste ich mir das nach wie vor, ungeachtet der Tatsache, dass es dadurch vielleicht ein wenig unprofitabler wird.

Wie rekapitulierst du generell diese zehn Jahre? Welche Dinge waren besonders schön, welche eher weniger?

Ich habe tatsächlich keine wirklich negativen Erinnerungen – an positiven mangelt es aber nicht: Von großartigen Label-Nächten in Miami, Amsterdam, Paris, München oder Berlin über viele tolle Veröffentlichungen bis hin zu Freundschaften, die sich zu den Künstlern des Labels entwickelt haben. Break New Soil hat mein Leben auf jeden Fall bereichert und ich hoffe, dass es auch anderen so geht, nicht zuletzt vielleicht einfach wegen der guten Musik. Die Veröffentlichungen, die die Zeit wirklich überdauern, sind natürlich die wichtigsten – bei jedem Label. Ich kann mich glücklich schätzen, dass wir einige Nummern im Repertoire haben, die inzwischen schon als „Klassiker“ gelten. Besonders hervorzuheben sind zum Beispiel Johannes Heils „From Within“ oder Laurent Garniers Remix für den Titeltrack meines Albums „Nightcolors“. Auch auf Geheimwaffen, die vielleicht nicht die ganz großen Seller waren, aber immer noch jeden Dancefloor zum Brennen bringen, bin ich stolz, so zum Beispiel „Lyoc“ von Maxime Dangles oder „Dosha’s Adventures“ von Marco Effe. Und es gibt tatsächlich im gesamten Katalog keine einzige Platte, die ich lieber nicht veröffentlicht hätte.

Die Szene hat sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt. Wie hat sich das Format Label in diesen zehn Jahren in deinen Augen verändert?

Im Prinzip sehe ich Labels nach wie vor als Qualitätsfilter: Bei der Flut an Veröffentlichungen ist es für Musikliebhaber schwer, den Überblick zu behalten. Ein gutes Label trifft nach wie vor eine qualitative Vorauswahl und macht es den Konsumenten leichter, ihre Lieblingsmusik zu finden. Das hat sich eigentlich nicht wirklich verändert. Es ist zwar eine der wichtigsten Aufgaben eines DJs, die Perlen abseits des Wegs zu entdecken, für den Musikliebhaber sind es aber die von ihm favorisierten Labels, die diese Arbeit konsequent machen sollten.

Wie siehst du deine persönliche Entwicklung als Künstler, vor allem als Label-Inhaber mit genau diesen genannten Aspekten der Filterung?

Das ist schwer zu beurteilen, gerade für mich selbst. Ich hoffe, dass auch ich mich immer weiterentwickle, und ich versuche, nicht auf der Stelle zu treten. Auch wenn man ab und an ein Rezept findet, das auf dem Dancefloor zündet, sollte man sich immer wieder neu erfinden und versuchen, neue Herangehensweisen zu finden. Die größte Herausforderung für jeden ist es, immer wieder neue relevante Musik zu produzieren. Das gelingt mir glücklicherweise ganz gut, denke ich.

Passend zu den aktuellen Feierlichkeiten gibt es Shows im Gewölbe in Köln und in Berlins Watergate.

Die erste Jubiläums-Show war im Watergate im April, mit 2000 and One, The Reason Y und mir, und es war wieder einmal eine sensationelle Nacht an der Oberbaumbrücke. Ich kann mich glücklich schätzen, seit über zwölf Jahren im Watergate zwei bis drei Shows im Jahr spielen zu dürfen und auch immer mal wieder spezielle Nächte zu besonderen Anlässen bestreiten zu können. Ich erinnere mich zum Beispiel an meinen 30. Geburtstag, wenn auch ein wenig verschwommen – und jetzt eben die Show zum 10-Jährigen von Break New Soil. Die nächste Party ist am 8. Mai im Gewölbe in Köln; auch dort spiele ich ziemlich regelmäßig. Vor allem die Nächte mittwochs sind immer ein Highlight für mich – nicht zuletzt wegen des sensationellen Soundsystems. Eine weitere Jubiläums-Show wird es im Herbst im Rex in Paris geben. Es geht bei diesen 10-Jahres-Feierlichkeiten vor allem auch darum, das mit Läden und Veranstaltern zu machen, mit denen ich auch persönlich eine lange Historie habe.

Eine lange Historie hast du auch mit den Acts, die seit Jahren auf deinem Label veröffentlichen. Mit ihnen gibt es jetzt eine Compilation, passend zum vollendeten Jahrzehnt, auf der auch zwei für das Label neue Künstler vertreten sind.

Als letztes Jahr das Jubiläum näher gerückt ist, habe ich mir eine Liste mit Acts gemacht, die ich gerne dabei hätte, und es haben dann wirklich alle sofort zugesagt. Das hat mich sehr gefreut, weil es nicht zuletzt heißt, dass wir mit dem Label einen guten Job machen. Bis auf Paul Ritch und The Reason Y hatten alle Acts schon mal bei uns veröffentlicht und wenn es vorher nicht reibungslos gelaufen wäre, wären sicher nicht alle dabei gewesen – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Auf manchen Labels, mit denen ich in meiner Karriere gearbeitet habe, würde ich sicher nicht noch mal etwas veröffentlichen, sei es wegen fehlender Abrechnungen oder schlampigen Arbeitens. Wenn ein Label Stücke signt, sollte man als Künstler auch immer das Gefühl haben, dass respektvoll mit der Musik umgegangen wird. Das ist heutzutage leider nicht immer die Regel. Ich freue mich sehr darüber, mit einem so tollen Künstlerstamm arbeiten zu dürfen, der sowohl aus den großen Namen als auch aus vielversprechenden Newcomern besteht. Nicht zuletzt weil das Label Break New Soil heißt – frei übersetzt „Betrete neues Land“ –, ist es natürlich auch irgendwie Vorgabe, mit Künstlern zu arbeiten, die sich stetig weiterentwickeln. Und das gelingt uns mit dem aktuellen Roster auch wirklich gut, wie ich finde.

Welche Pläne hast du mit dem Label für die Zukunft?

Weiter konstant neue und aufregende Musik zu veröffentlichen und abseits von Trends voll im Trend zu sein.

Das schaffst du als Künstler seit vielen Jahren immer wieder. Anfang des Jahres bist du zu Cocoon gewechselt – ein für viele logischer Schritt. Wie kam es dazu?

Ich habe mit Cocoon als Label eine lange Geschichte: Mein Remix für Sven Väths „Komm“ im Jahr 2005 und „Full Range Madness“ 2006 haben meine Karriere damals richtig angeschoben, gerade weil Sven auch viele andere meiner Veröffentlichungen auf Heavy Rotation gespielt hat. Danach kamen „About A Good Place“ und Ko-Produktionen mit Petar Dundov auf dem Label raus und der Gedanke, dass Cocoon meine Bookings übernimmt, stand schon länger im Raum. Jetzt haben wir da endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Zu Anfang des Jahres bin ich von Artist Alife zu Cocoon gewechselt und die Zusammenarbeit macht richtig Spaß – alle sind mit Enthusiasmus bei der Sache und es fühlt sich wirklich gut an. Natürlich bin ich jetzt motiviert, auch wieder etwas gemeinsam zu veröffentlichen – ich sage mal so: Die Idee eines neuen Albums steht im Raum und reift gerade.

Trotz der Feierlichkeiten hast du kürzlich mit GTO ein weiteres Label gegründet. Erzähl uns mehr über die Idee dahinter.

GTO heißt „Gregor Tresher Originals“. Ich wollte neben Break New Soil noch eine zweite Plattform, um – wie der Name schon verrät – ganz speziell nur meine eigenen Veröffentlichungen herauszubringen. Das Debüt war eine Ko-Produktion mit Petar Dundov, die Nummer zwei eine Wiederveröffentlichung meines Releases „Neon“ aus 2006 mit einem tollen Remix von Butch, die dritte Platte kam dann wieder solo von mir mit den Titeln „Substance“ und „Inhale“. Vor allem „Substance“ ist richtig gezündet. Auf GTO wird unregelmäßig neue Musik von mir erscheinen oder auch mal eine ältere Nummer mit neuen Remixen.

Was steht für den Sommer auf der Agenda in Sachen Festivals, Shows, Releases?

Viele Festivals in Deutschland und im europäischen Ausland, bei einigen davon werde ich auch live spielen, und zwar mit einem neuen Setup, mit dem ich seit Anfang des Jahres unterwegs bin. Darüber hinaus stehen über die Sommermonate Touren in Australien, Südamerika und den USA an. Meinen aktuellen Tour-Kalender findet man auf meiner Webseite: www.gregortresher.com.

 

Aus dem FAZEmag 087/05.2019
Text: Triple P
Foto: Bernd Bodtländer
www.gregortresher.com


Tourdaten Sommer 2019
06.06. Ikarus Festival, Memmingen
07.06. World Club Dome, Frankfurt
15.06. Waves Festival, Hannover
22.06. Open Air, Prag (Tschechien)
05.07. Electric Love, Salzburg (Österreich)
06.07. Greenfields, München
07.07. Über Tage, Koblenz
19.07. Dual Open Air, Glanegg (Österreich)
20.07. Parookaville, Weeze
24.07. Cocoon, Riccione (Italien)
26.07. Zuckerbrot & Peitsche, Regensburg
02.08. Watergate, Berlin
03.08. Cocoon at Red Residence, Rastatt
10.08. Container Love, Nürnberg
10.08. Cocoon at Sonne Mond Sterne, Saalburg
16.08. Ancient World, Adelaide (Australien)
17.08. Goodbar, Sydney (Australien)
18.08. Pawn & Co., Melbourne (Australien)
24.08. Mysteryland, Amsterdam (Niederlande)
31.08. Strandfieber, Bremen