Auf ihrem neuen Album „Wildlife“ auf Monika Enterprise (05.10.), befasst sich Gudrun Gut mit der wilden, unbezähmbaren Seite der Natur. Die Songs entstanden folgerichtig ebenfalls im Grünen, denn die Berlinerin zog sich für die Produktion in die Uckermark zurück.


Welche Gemeinsamkeiten haben das Großstadtleben und die „Wildnis“ für dich?

Man spricht ja auch von dem Großtadtdschungel. In der Großstadt geht es immer um menschengeschaffene Situationen. Meine Sehnsucht nach Wildheit in der Stadt wäre dann vielleicht das Nachtleben oder auch riot gardening. Es ist aber auch der Schutz der eigenen Wildheit, der mir hier am Herzen liegt. In einer Welt der Überinformation mit schnellen Computern und auch nie vorher dagewesenen Arbeitspensen ist es wichtig, so denke ich, seine eigenen Freiräume zu erkennen, zu nutzen und zu bewahren um nicht zu verbrennen. Interessant ist das Unberechenbare in der Natur im Vergleich zur ebenfalls recht unberechenbaren Subkultur Berlins.

Was war deine bisher intensivste Naturerfahrung?

Pusteblumen blasen… (lacht). Nun ja, mich interessieren eher die kleinen Dinge, die unbeachteten Momente, die ich sehen gelernt habe. Es geht nicht um die großen Katastrophen oder Ereignisse. Das wäre RTL. Gestern hat sich zum Beispiel mein schwarzer Kater gegen Abend in den Wald gelegt und ließ sich kraulen. Die Sonne brach sich in den Blättern und auf den Spinnennetzen. Es war schön. Mein intensivtes Erlebnis – das sind reine Glücksmomente, wie ich sie vorher nicht kannte. Für mich ist dieses Landleben auch irgendwie wie Luxus. Berlin stresst mich oft mehr, als dass es mich inspiriert.

Welche Rückzugmöglichkeiten in die Natur gefallen dir in Berlin und dem Umland am besten?

Der Tiergarten oder der Treptower Park in Berlin und die Uckermark im Umland.

www.gudrungut.com
www.monika-enterprise.de

Foto: Mara von Kummer