Der Kölner DJ, Autor und Produzent hat sich mit seinem neuesten Werk einen Herzenswunsch erfüllen können – ein ganzes Album voll Hildegard Knef-Remixe. Vor zehn Jahren hatte er schon einen Song der großen deutschen Sängerin und Schauspielerin bearbeiten dürfen, was sich als eine seiner schönsten Remix-Aufträge entpuppte. Nun sind es sogar zwölf Songs für den Longplayer plus vier weitere für eine 12Inch, bei der neben Hans auch seine beiden ehemaligen Mitstreiter Eric D. Clark und Justus Köhncke von Whirlpool Productions zum Zuge kamen. Ein Zusammentreffen mit Folgen?

„Oh, es war eine extrem intensive Erfahrung mit dem Material von Hildegard Knef! Erst, wenn man sich in langen, dunklen Winternächten ihren trockenen A capella-Spuren so richtig ausgesetzt hat, begreift man, was für eine Ausnahmekünstlerin sie war: der Schmerz, die Lust, die Angst, die Albernheit. Diverse Stücke von ihr fand ich immer schon toll, sie als Charakter sowieso, aber dass sie ihre Lieder wirklich nicht einfach nur gesungen, sondern tief empfunden dargestellt hat, das dämmerte mir erst bei dieser Produktion so richtig. Das Ausgangsmaterial waren enorm hochklassige Mehrspurbänder des Original-Orchesters: unglaubliche Streicher, Querflöten, Harfen, Bläser, Vibraphone usw., dazu ein superfunky Drummer und Bassmann, die man in den ursprünglichen Fassungen gar nicht richtig hören kann. Es wäre eine absolute Verschwendung gewesen, das alles durch Plug-Ins zu ersetzen. Stattdessen habe ich versucht, per Software die alten Herren aktuelle Musik spielen zu lassen. Das passte auch sehr gut in meine derzeitige Faszination für Hauntology – oder Spukologie, wie ich das nenne – die Geister der musikalischen Vergangenheit sind mitten unter uns, überall, jederzeit. Manchmal habe ich mich gefühlt wie ein Medium bei einer Séance, durch das die alten Sounds neu kanalisiert werden. Hildegard Knef geht immer ans Eingemachte und benutzt dafür stets ihre ganz eigenen poetischen Formulierungen: die Krähe der Zeit, der Vulkan der Angst usw. Ich sehe nirgendwo eine aktuelle Sängerin, die sich gleichzeitig so stark und so zerbrechlich darstellen würde. Deswegen gefiel mir die Idee, so zu tun, als ob sie eine junge Frau von heute wäre, mit Material, das so ganz ihr eigenes ist. Unter den Liedern, die für mich zum Remixen zur Auswahl standen, gab es auch eines, das mir gut gefiel, das aber ‚Das ist Berlin‘ hieß. Das kam mir irgendwie komisch vor, so in Köln zu sitzen und eine Berlin-Hymne zu machen. Aber Eric und Justus sind ja in Berlin, und so kam es dazu, dass wir das dann zu dritt gemacht haben. Das hat sehr gut funktioniert und Spaß gemacht, auch technisch über die Distanz, so dass wir da mal ganz entspannt in die Zukunft schauen …“ / Tassilo Dicke

Hier geht’s zur Review: Hildegard Knef Remixed – 12 Versions by Hans Nieswandt (Bureau B)

www.hansnieswandt.de
www.bureau-b.com