Happy Birthday Jens Lissat

Happy Birthday Jens Lissat

„Tanz in der Burg, Technotanzen“. Das war für mich die Initialzündung, elektronische Musik zu hören und mich in vernebelten Clubs herum zu treiben. Diese Text-Passage entstammt der Interactive-Single „The Techno Wave“ und ich hörte den Track das erste Mal in der Krefelder Königsburg, in die ‚man dienstags fuhr‘. Das Abi lief schon irgendwie, es gab noch keine 180 Fernsehsender, also suchte man interessante Clubs in der Umgebung auf. Und da nur blutige Anfänger ausschließlich am Wochenende ausgingen, lernte man das Village in Dortmund, das Tarm-Center in Bochum, das Checker’s, den Ratinger Hof und die Bhaggy in Düsseldorf und eben die Königsburg in Krefeld kennen. Und dieser Club war der einzige, der über eine besondere Laser-Show verfügte und einen besonderen DJ: Jens Lissat. Sein Mix aus „The Pink Panther Theme“ und RAZEs „Break 4 Love“ ist noch heute legendär für mich. 1990 war das und für mich der Beginn von Techno. Eben mit „The Techno Wave“ und weiteren Interactive-Singles wie „Who Is Elvis“ oder „Dildo“. Retrospektiv betrachtet waren die meisten Sachen ganz schön cheesy, aber man war jung und brauchte den Spaß. Jens Lissat war der erste deutsche Super-Star-DJ und auch der erste, der das offen zur Schau stellte mit Ferrari und Klimbim.

Aber gehen wir etwas zurück. Die DJ-Karriere des gebürtigen Pinnebergers (1964 war das) begann 1980, im zarten Alter von 16 Jahren, in Hamburg, als er amerikanische Discomusik auflegte. Ab 1981 spielte er in der Hamburger Disco Trinity, das Zeppelin und das Voila folgten, bevor er 1987 nach Nordrhein-Westfalen ging, wo er in der Königsburg in Krefeld auftrat. Ab 1983 entstanden erste Remixes anderer Musikstücke. Lissat veröffentlichte außerdem zahlreiche Bootlegs. Ab 1987 produzierte er eigene Stücke und veröffentlichte mit „Work The Housesound“ eine der ersten deutschen House-Produktionen. 1989 gelang ihm unter dem Namen Sigmund und seine Freu(n)de der erste Charthit mit einer Coverversion des Stückes „Der Erdbeermund“. Unter dem Projektnamen Komtur folgte eine weitere Coverversion, Hans Von Stoffeln (Mein Schloss Ist Fertig), angelehnt an ein Stück von Carlos Perón. In den 1990er Jahren wandte sich Lissat verstärkt Techno und Trance zu und trat unter anderem bei der Mayday und der Loveparade auf. Seine Resident Clubs waren das Warehouse in Köln und der Poison Club in Düsseldorf. Releases erschienen unter anderem auch auf R&S Records und auf seinem Stammlabel No Respect. Mittlerweile residiert Lissat mit seiner Gattin auf Ibiza und releast weiterhin fleissig Tracks auf seinen diversen Labels. Ohne seinen kongenialen Partner Ramon ‚Hardfloor‘ Zenker wären Hits wie „Who Is Elvis“ oder „Let’s Rock“ nicht entstanden, das sollte man nicht unerwähnt lassen.

Hier ein kleiner Dialog zu „Who Is Elvis“:

„Ich habe die Nummer das erste Mal im Gloria in Köln gehört und musste sofort zum DJ rennen.“
Jens: „Es gibt eine lustige Geschichte zu ‚Who Is Elvis‘. Ich hatte zwei Anpressungen bekommen und musste nach der Königsburg noch im Dorian Gray beim Dag auflegen. Das war einem Freitag, glaube ich. Eine Anpressung war für Ramon und eine für mich. Ich drückte Dag die Scheibe in die Hand und sagte ihm, dass er sie spielen solle. Zuerst war er skeptisch, aber als das erste Elvis-Sample kam, sind die Leute durchgedreht und er hat die Platte mehrmals am Abend gespielt. Als ich die Platte wieder mitnehmen wollte, hat sich der Sven die Platte genommen, der auch im Gray gespielt hatte und ist damit weggerannt. Er hat sie mir partout nicht wiedergegeben. Am übernächsten Tag hat er mich angerufen, sich entschuldigt und mir erzählt, dass er ‚Who Is Elvis‘ dreimal am Abend im Omen gespielt hat. Tja, das war ein Hit.“

Das sind die wichtigsten Track von Jens Lissat:


 

 


 

 

 

und hier noch ein klasse Remix