
Das SonneMondSterne-Festival reagiert auf die Diskussionen rund um den Hard-Techno-Skandal mit einem geschärften Booking- und Awareness-Konzept.
Nach den öffentlichen Vorwürfen gegen mehrere bekannte DJs will Thüringens größtes Techno-Festival künftig noch genauer prüfen, welche Künstler verpflichtet werden. Die Vorwürfe gegen verschiedene Künstler reichen von Machtmissbrauch über psychische Gewalt bis hin zu sexuellen Übergriffen.
Dadurch sehen sich Veranstalter zunehmend mit der Frage konfrontiert, wie sie mit Acts umgehen, gegen die schwerwiegende Anschuldigungen erhoben werden. „Das Erste, was man denkt, ist: Krass. Machtmissbrauch. Das kann man ja nur verabscheuen“, so Phillip Helmers im Gespräch mit der Thüringer Allgemeine.
Gleichzeitig betont er, dass die Bewertung einzelner Fälle häufig komplex sei und zwischen Vorwürfen, laufenden Verfahren und möglichen Vorverurteilungen unterschieden werden müsse.
„Wo wird hier Täterschutz betrieben? Wo ist wirklich was dran? Und wo ist es vielleicht erstmal nur lautes Losgebrülle? Das ist super schwer zu unterscheiden.“ Dennoch könne ein Festival aus seiner Sicht nicht darauf warten, bis alle juristischen Verfahren abgeschlossen seien.
Stattdessen wolle sich das Festival ein möglichst umfassendes Bild verschaffen. Dazu gehöre der Austausch mit Managements sowie das Einholen weiterer Informationen. Verdichteten sich Vorwürfe deutlich und würden sie zusätzlich bestätigt, ziehe das Festival Konsequenzen.
„Wenn sich Vorwürfe extrem verdichten und wir das auch von anderen Seiten bestätigt bekommen, dann entscheiden wir uns natürlich schon, Künstler aus dem Line-up zu nehmen“, so Helmers.
In weniger eindeutigen Fällen müsse auf Basis der verfügbaren Informationen entschieden werden. Der Veranstalter sieht sich dabei in einem Spannungsfeld. Einerseits wolle man sich nicht an „Hetzjagden in die eine oder andere Richtung“ beteiligen.
Andererseits hält Helmers es ebenfalls für problematisch, bis zu einem Gerichtsurteil keinerlei Maßnahmen zu ergreifen. „Sich einfach treiben zu lassen, ist eben auch nicht richtig“, sagt er. Besonders dort, wo bekannte Künstler auf Fans treffen, sieht Helmers eine erhöhte Verantwortung.
„Und wenn da dann Machtmissbrauch stattfindet, ist das einfach ekelhaft. Das steht überhaupt nicht zur Debatte.“ Nach eigenen Angaben achtet das Festival deshalb auch vor Ort verstärkt auf mögliche Risikosituationen.
Helmers verweist auf einen früheren Fall, in dem ein bekannter Künstler Festivalgäste backstage eingeladen hatte. Damals habe man bewusst darauf geachtet, dass keine problematischen Situationen entstehen. Dieses Jahr wurde u. a. AVAION aus dem Line-Up entfernt.
„Natürlich kann man nicht immer und überall alles kontrollieren, aber an den Punkten, wo es geht, muss man eben aufmerksam sein“, erklärt er. Ergänzend setzt das Festival auf ein ausgebautes Awareness-Konzept für Besucher.
Nach Angaben der Veranstalter ist das Sicherheitspersonal entsprechend geschult. Zudem stehen mehrere Anlaufstellen sowie ein Kommunikationskonzept für Mitarbeitende bereit. Wer sich in einer belastenden Situation befindet, kann das Codewort „Panama“ nennen und wird anschließend in einen geschützten Bereich begleitet.
Im zentralen Awareness-Center kann bei Bedarf außerdem psychologische Betreuung in Anspruch genommen werden. Für Helmers ist die Grundhaltung des Festivals klar: „Zusammen feiern heißt eben auch: respektvoll miteinander umzugehen.“
Das SonneMondSterne Festival 2026 findet vom 7. bis 9. August statt.
Quelle: Thüringer Allgemeine
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