
Stanislav Tolkachev ist ausgewiesener Spezialist für Modularsynthese. Seit den frühen 2000er-Jahren verbindet er industrielle Härte, Detroit-Einflüsse, atonale Strukturen und algorithmische Sequenzen zu einer hochpräzisen, oft kompromisslosen Klangsprache. Seine Veröffentlichungen auf Labels wie MORD oder Semantica zeigen einen Künstler, der Techno nicht nur funktional denkt, sondern als Forschungsfeld zwischen Club, Komposition und Klangkunst. Für uns liefert er exklusive Einblicke in sein Studio.
Was ist das ungewöhnlichste Gerät in deinem Studio?
Ein Klon einer sehr alten Tokyo-Gakki-Maschine, gebaut von meinem japanischen Entwicklerfreund Ult Sound: die Ult Sound DS-4M. Er hat sie mir vor zwei Jahren beim Labyrinth Festival in Tokio geschenkt. Sie ist sehr limitiert, hat aber eine gewisse Romantik.
Welches Gerät begleitet dich am längsten?
Einige meiner ersten Modular-Komponenten: Tiptop-Module und Doepfer-Filter vom Anfang meiner Modular-Reise. Vieles andere wurde ersetzt, aber die Roland TR-8S und die Roland SH-101 werden wohl bleiben.
Was ist die neuste Ergänzung deines Setups?
Zuletzt habe ich viel im Bereich CV (Control Voltage) gekauft: für Recording, Playback und Live-Performance. Dazu gehören DC-gekoppelte Interfaces wie Expert Sleepers ES-10 sowie MADI-Hardware von RME. Das ist alles für ein künftiges Projekt, das ich noch nicht angekündigt habe.
Welches ist das älteste Gerät in deinem Studio?
Vom Baujahr her: die Roland SH-101.
Welches Gear hat den größten emotionalen Wert für dich?
Der Korg Opsix mit Keyboard. Er war ein gemeinsames Geschenk von Freunden in Berlin und meiner früheren Partnerin, die heute in der Schweiz lebt. Ich mag seinen klaren Sound und die Keyboard-Version sehr.

Welche Anschaffung war die teuerste?
Ich war nie reich und hatte nie extrem teures Gear. Insgesamt ist mein Modularsystem wohl das teuerste, etwa 10.000 bis 15.000 Euro, Stück für Stück aufgebaut als Arbeitsmaschine für Melodien, Basslines und Drums. Als Einzelgerät wahrscheinlich Push 3 Standalone, das ich mit Hilfe meiner engen Freundin DJ Nastya bekommen habe. Live nutze ich es besonders gern.
Welche Hardware hat dich am meisten überrascht?
Die erste Version des Squarp Instruments Hermod. Ich mochte die modulare Architektur, Patches im Sequencer, flexibles Routing und USB-Anbindung. Auch der Hermod+ ist ein sehr ernstzunehmendes Instrument.
Und was hat dich enttäuscht?
Der Korg Electribe MK2. Formfaktor, Touchpad und Arpeggiator fand ich gut, aber klanglich hatte er wenig mit den früheren Electribes zu tun. Das Ding blieb nicht sonderlich lange in meinem Studio.
Gibt es ein Gerät, das du auf eher unorthodoxe Art und Weise nutzt?
Wenn, dann den Behringer Ultracurve Pro. Eigentlich ein Mastering-Prozessor, bei mir aber nur visueller Frequenz-Analyzer. Ich schicke den Mix per ADAT hinein und schaue auf das orange Display. Das Audio-Processing nutze ich nicht.
Welcher Modular-Artist hatte den größten Einfluss auf dein musikalisches Schaffen?
Historisch gesehen Morton Subotnick. Man hört das nicht direkt in meiner Musik, aber seine Arbeiten haben mich Anfang der 2000er stark beeindruckt. Für melodische subtraktive Synthese war Tim Blakes „Crystal Machine“ wichtig. Außerdem liebe ich Raymond Scott für seinen spielerischen Minimalismus. Heute bewundere ich besonders Steevio, Mike Parker und Jimmy Bissmire.