hercules_djcontrol_jogvision
Sage und schreibe 24 verschiedene DJ-Controller hat der Hersteller Guillemot unter seinem Subbrand Hercules derzeit im Angebot. Wahrscheinlich mehr als jeder andere Audiospezialist. Im Jah- re 2003 waren die Franzosen sogar die ersten, die mit der DJ-Konsole einen Doppeldeck-Controller mit eingebautem Interface veröffentlichten. Jetzt folgt mit dem DJControl Jogvision das neue Franko-Flaggschiff. Ein voll ausgestattetes Tool für Serato DJ, das dank einiger technischer Finessen Hercules’ Aufstieg von der Rookie- in die Semi-Profiliga abermals unterstreicht.


First impression
Der erste Eindruck lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: hervorragend! Ein schwarzes Gehäuse sieht ja immer irgendwie edel aus. Und auch wenn die Faceplate des DJ Control Jogvision den Eindruck gebürsteten Metalls erweckt, ist sie tatsächlich aus Kunststoff gefertigt. Die Einschränkung „nur“ ist dabei unangemessen. Denn die Stabilität und Verarbeitungsqualität sind vorbildlich. Hercules hatte mit seinen Controllern stets die Mobile DJ-Fraktion im Blick. Mit seinem Gewicht von 2,5 Kilogramm und Flächenmaß von 46 x 26 Zentimeter erfüllt auch der Jogvision diese Vorgabe spielend. Die Anschlusssektion zeigt sich ebenfalls gut bestückt. Rückseitig verlassen ein Audio-Master sowie Audio-Booth im Cinch-Format das Gerät. Hinzu kommen natürlich ein USB-Port für den Laptop-Anschluss sowie Miniklinke-Aux-In zum Durchschleifen eines externen Players. Vorderseitig warten ein Lautstärke-regelbarer Mikrofon-Klinke-Eingang sowie ein Klinke- und Miniklinke-Kopfhörerausgang auf Ihren Einsatz. Wohl aus Platzgründen wurden die Vorhör-Buttons Cue und Mix auf der Stirnseite implementiert. Soweit unproblematisch. Allerdings fehlt ein Cue/Mix-Fader, was je nach persönlicher Auflege-Technik als Manko gewertet werden muss. XLR-Outs sind ebenso nicht vorhanden, was das Gerät für den Einsatz im hochprofessionellen Club-Umfeld mit langen Übertragungswegen nicht ideal macht. Diesen hat der Hersteller aber ohnehin nicht Fokus.

Hands on
Bedientechnisch offeriert der Jogvision alles, was man zum Auflegen mit Serato DJ benötigt. Der mittige Zweikanal-Mixer wartet neben den angenehm führ- baren 47-Millimeter-Linefadern und dem 40-Millimeter Crossfader mit 3-Band-EQs und einem mächtigen Browser-Button auf. Über letzteren werden die Tracks angewählt und per Load A/B Buttons auf das jeweilige Deck gelegt. Klugerweise befinden sich oberhalb des Crossers die Buttons für den Vinyl-(Scratch)-Mode, die Mikrofon-Zuschaltung, den Software-Ansichtswech- sel (vertikal/horizontal/Panel-Reihenfolge) sowie die Playlistvorbereitung. Alles übersichtlich im Block für den direkten Zugriff arrangiert – so muss es sein. Kommen wir zu den namengebenden Highlights des Jogvision: Hercules spendiert ihnen ein inneres „Vision“- Display, das aus einem äußeren blauen und inneren weißen LED-Ring besteht. Der Blaue, in 32 Segmente unterteilte Ring zeigt dabei die die Abspielgeschwin- digkeit (33/45 UPM) an. Der Weiße stellt mittels 16 Segmenten die Trackposition dar. Zusammen mit dem hervorragend gewichteten und genoppten Alumimium-Wheel kommt sofort traditionelles Turntable-Feeling auf. Anschieben, abbremsen, durchkurbeln ohne auf den Laptopbildschirm zu starren – derart überzeugend wurde die Turntable-Haptik nur selten auf den Controller-Bereich übertragen. Wer auf die Serato DJ-Effekte zugreifen möchte, wird ebenfalls nicht enttäuscht. Drei Haupt-FX-Slots pro Player bringt der Jogvision an der Geräteoberseite mit. Aus Platzgründen müssen sich diese jedoch Ihre Funktionalität mit dem Loop-Modus teilen. Geht man über den FX-Mode-Button in den Loop-Modus, sorgen die FX-Buttons 1 und 3 für die Halbierung beziehungsweise Verdoppelung der Loop-Länge. Diese auch für den zugehörigen Endlosrehgler gültige Mehrfachfunktionalität (Effektanteil, Looplänge, Taktanpassung) muss man erst einmal verinnerlichen. Sonst gerät man beim rasanten Auflegen durchaus mal ins Schwitzen. Man muss also in der Eingewöhnungsphase sowohl im Kopf als auch am Gerät häufig umschalten. Und das mag ein DJ im Spinning-Rausch naturgemäß ungern. Als vierte Effektoption lässt sich in der FX-Sektion schließlich der Air-Control aktivieren. Scharf geschaltet, lässt sich dann durch Handgesten über dem Infrarotauge am oberen Rand der Mixersektion der Filtereffekt steuern. Auch dadurch konnte Hercules wieder Platz sparen. Denn ein kleines Auge beansprucht eben weniger Raum als eine Filtersektion pro Kanal. Tatsächlich funktioniert die dreidimensionale Distanzsteuerung zuverlässig. Warum sich der Air-Control jedoch niemals wirklich durchsetzen konnte, wird jedoch eben- so wieder deutlich. Eine hoch exakte Filterfahrt ist ohne haptisches Erleben nur schwer möglich. Für den kleinen Filterstreich ist die „Luftkontrolle“ jedoch ideal; sie macht vor allem Spaß. Zu guter Letzt seien noch die Sample-Pads erwähnt. Ergonomisch sinnvoll und übersichtlich im Block an den Geräteflanken untergebracht, lassen sich mit den Kissen auf erster Ebene vier Hot Cue-Punkte oder Samples triggern. Über den zugewiesenen Mode-Taster gelangt man schließlich in die zweite Ebene, um weitere vier Hot Cues zu setzen oder die Sample-Bank zu wechseln.

Last words
Mit dem DJControl JogVision hat Hercules einen echten Hercules erschaffen. Was meint, ein starkes Controller-Stück, das in Sachen Stabilität, Funktionsumfang und Bedienfreude mit allseits bekannten Marktführern mühelos mithalten kann. Vor allem die fantastischen Jogwheels sind für ein Tool der 350 EUR-Kategorie nahezu konkurrenzlos. Auch klanglich bringen die Franzosen offenbar ihre jahrzehntelange Erfahrung in der Soundkartenentwicklung ins Spiel. Das verbaute24-Bit/96 kHz Audiointerface überzeugt durch störungsfreier Klangbrillanz und Durchsetzungskraft. Bis in die absolute Controller-Profiliga ist es nun nur noch ein kleiner Schritt.

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www.hercules.com
Aus dem FAZEmag 044/10.2015