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Unsere Berlin-Korrespondentin meldet sich wieder zu Wort, nachdem wir alle schon dachten, sie wäre im Berghain versackt. Ist sie zwar, aber nicht für all zu lange Zeit.

Hallo ihr Lieben. Für eine Weile versunken in den, für den kreativen Berliner, typischen Wintergedanken, bin ich nun endlich, pünktlich zum Sommerbeginn, wieder erwacht.

Aus Berlin lässt sich aktuell auf breiter Front Positives berichten. Nein, das Felix wurde nicht nach München umgesiedelt, „Berlin – Tag und Nacht“ wird ebenfalls noch gedreht, da muss ich euch enttäuschen. Dafür gibt es zwei ebenso einschlagende Neuigkeiten.
Anscheinend war der Bass nun endlich laut genug um bis in die Sphären des Berliner Senats vorzudringen. Es ist angekommen, wie wichtig die Clubszene für unsere elektronische Metropole ist, vor allem auch Dank dem Einsatz der Clubkommission.

Was ist passiert? Die Clubcommission hat im Auftrag des vom Senat geförderten Musicboards eine interaktive Karte der Berliner „Musikspielstätten“ erstellt. Investoren und Bauhören müssen diese beachten und vor Baubeginn Lärmgutachten erstellen lassen um evtl. späteren Klagen vorzubeugen. D.h. des Feiermenschen liebstes Feindbild („Der Nachbarschaftskläger“) läuft demnächst dann ins Leere. Die Lautstärke ist registriert und ist somit allen Anwohnern bewusst. Läuft.

Besonders in Mitte sind 93 Clubleichen zu verzeichnen. Hier kommt dann auch direkt die zweite einschlagende Neuigkeit um die Ecke geflitzt:
Mitten im zentralsten Mitte unserer Hauptstadt, werden heute Abend die Pforten zu einer neuen Stätte des technoiden Klangs geöffnet. Hier, im Herzen Berlins haben drei Berliner Freunde (aus guter Gelegenheit heraus und mit viel Passion und einem Auge für das Wesentliche) etwas Neues zum Leben erweckt, etwas Neues mit alten Wurzeln.
FB7D1541Ein Club, dessen Wurzeln weit in die Geschichte reichen, die mich, an den legendären „alten Tresor“, erinnern. Traurigerweise wurde das Erbe des Tresors von seinem Nachfolger nicht annähernd angemessen fortgeführt, wahrscheinlich ist dies bei dieser Art Club auch gar nicht möglich. Was ihn besonders machte ist für mich ihre individuelle Geschichte, die vom ersten Ton an bis zur Schließung geschrieben wurde. Ein zweiter Teil ist grundsätzlich schwer auf dem Niveau des ersten Teils zu schreiben. Der alte Tresor entstand 1991 in dem 1926 erbauten Tresorraum des ehemaligen Wertheim-Kaufhauses. Unzählige durchfeierte Nächte bis zum Rand gefüllt mit schepperndem Sound, den Blitzen des Strobes und stampfenden Technojüngern mit großen, strahlenden Augen. Nicht zuletzt brachte er das gleichnamige Label hervor.
Der Club, der heute Abend seine Tore für uns öffnen wird hat ganz ähnliche Wurzeln. Gelegen am Molkenmarkt, war bis vor gut einem Jahrzehnt das dumpfe Donnern der Prägemaschinen das Einzige, was die imposanten Hallen des Praegewerks erzittern ließ. Der Gebäudekomplex, der das Praegewerk beherbergt, ist die Alte Münze. Sie war die Nachfolgeeinrichtung der Münzprägeanstalt Alt-Berlins. Hier begann in den 30er Jahren die Herstellung der Reichsmark. Es folgte die Nutzung als Prägestätte der DDR bis hin zur Prägung der ersten deutschen Euromünzen. 10 Jahre der Stille schlossen sich an, die heute Abend ihr Ende finden werden. Ab heute Abend wird das Praegewerk aus dem Schlaf erwachen und ein neuer Berliner Technoclub wird beginnen, das erste Kapitel seiner Geschichte zu schreiben. Hinter dieser Geschichte stehen drei Berliner Jungs, eigtl. eher drei Berliner Männer, drei durchaus attraktive Berliner Männer, ich denke, das könnte die Mädels hier interessieren. Drei Berliner, die Berlin gelebt haben und deren Passion die Musik ist. Im Gespräch wurde mir gesagt, dass technoider Sound dominieren soll. Zurück zu den Wurzeln, zu den musikalischen Anfängen der elektronischen Musikszene Berlins. Das Innere des Clubs hat mich direkt beim Eintreten zutiefst in den Bann gezogen, über dem Floor in der oberen Etage thront eine Kuppel, graue, kalte Wände, denen ihre Geschichte anzusehen ist. Der kalte, abgenutzte Charme der Betonwände, für mich der architektonische Ausdruck puren Technos. Auf gewohnte Lichteffekte wird völlig verzichtet, eine 360° Videoprojektion, die von VJ Konstantin Kulitschka konzipiert wurde, wird euch zur Kraft der perfekt ausbalancierten Funktion One mit dem Raum verschmelzen lassen. Ebenso erwartet die Clubgänger ein Käfig in den Tiefen des Werks. Der Club wird für den angenehmen Einstieg in die Nacht ein Restaurant beinhalten, ein kleiner Garten lädt zum Entspannen ein. Was ich auch schreibe, ihr werdet es selbst erleben müssen. Heut Abend werden für euch Exercise One, Jacob Phono, Lee Webster, Sebastian Lutz, Josephine Wedekind, Oliver Rath, DéDé, Jan Häusler, You and Alex, Tingeltuten und Stereoliver, hinter den Decks stehen. Das Praegewerk, Molkenmarkt 2, unweit des vielleicht einigen bekannten Live Escape Games in der Klosterstraße… Wir sehen uns auf der Tanzfläche!

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