Der aus Barnsley, England stammende Daley Padley legte in den vergangenen Jahren zweifelsohne eine bemerkenswerte Karriere aufs Parkett. Durch zahlreiche Produktionen auf Labels wie Truesoul, Defected, Get Physical, Domino, Circus, Suara und vor allem dem eigenen Imprint Knee Deep In Sound, kombiniert mit gefeierten DJ-Sets rund um den Globus, entwickelte sich eine äußerst große Fanbase um den Briten. Sehr geprägt hat Padley die balearische Party-Insel Ibiza, auf der er heute in zahlreichen Clubs vertreten ist. Nun erscheint mit „8-track“ ein Konzept-Album des mittlerweile in Leeds lebenden Künstlers. Ein Interview.



Daley, wie war dein Jahr bisher – sowohl privat als auch beruflich?

Das Jahr war bisher recht erfreulich. Ich nehme mir die ersten zwei bis drei Monate des Jahres immer frei, um vor allem mein Trommelfell zu schonen. Ich leide leider an einem schweren Tinnitus, wodurch nicht nur mein Job, sondern auch mein Alltag ziemlich beeinträchtigt ist. In der Zeit mache ich natürlich nicht nichts, ich produziere auch ein wenig Musik, bin allerdings nicht dem Reise-Stress des Wochenendes und dem lauten Club-Lärm ausgesetzt. Dann ist es vor allem auch mal schön, Zeit mit der Familie zu Hause zu verbringen.

Du hast am 11. April im Rahmen deiner Show beim Coachella Festival ein Foto gepostet, das dich bei deinem ersten Gig vor 18 Jahren zeigt. Hättest du jemals gedacht, dass dein Leben so verlaufen würde?
Das war eine verrückte Zeit. Das Bild stammt von meinem ersten DJ-Auftritt außerhalb meines Schlafzimmers. Um ehrlich zu sein war ich aber nicht einmal ein klassischer Schlafzimmer-DJ, denn ich besaß nicht einmal Plattenspieler. Mein älterer Bruder hatte welche, diese durfte ich aber nie benutzen. Er war sehr darauf bedacht, seine geliebten 1200er vor mir zu bewahren. Ich musste also jedes Mal warten, bis er das Haus verlässt, um Vinyl darauf zu spielen. Trotz der ganzen Ambitionen habe ich immer versucht, real und bescheiden zu bleiben, denn das spiegelt auch meine Kindheit wider. Ich komme aus einer alten Kohlenstadt im Norden des Vereinigten Königreichs. Hier wurde und wird noch immer hart gearbeitet. Es gibt ein großes Gefühl der Brüderlichkeit und der Sorge um seine Mitmenschen, Nachbarn etc. Ich bin sehr stolz auf meine Wurzeln. Das Leben war gut zu mir und ich hatte sehr viel Glück, das weiß ich definitiv zu schätzen. Ich habe Stabilität und eine gesunde Bildung genossen – vom religiösen Bereich bis hin zur politischen Geschichte. Das hat mich auch als Mann reifen lassen. Deshalb ist es mir auch wichtig, meinen Fans zu zeigen, dass jeder, der einen Traum hat, diesen auch verwirklichen kann. Man muss sich die Dinge quasi nur holen und niemals aufgeben. Daher war und ist Coachella ein sehr besonderer Ort für mich. Ich liebe Los Angeles.

Du hast zu einer Zeit angefangen, als diese Szene noch weitaus weniger professionell war, es keine Smartphones und sozialen Netzwerke gab und die Politik innerhalb der Szene eine ganz andere war. Wie siehst du persönlich all diese Entwicklungen?

Ich glaube, das ist Fluch und Segen zugleich. Das, was ich darin als absoluten Vorteil sehe, ist die Tatsache, dass jeder binnen Sekunden tolle Musik teilen kann und alles so „verfügbar“ geworden ist. Ich finde, Musik ist zum Teilen da. Daher ist das Internet eine große Bereicherung. Es ist toll, wenn Menschen ihre Glücksmomente auf so kurzem Weg mit ihren Freunden und der Welt teilen können. Der große Nachteil daran ist allerdings, dass nur noch die wenigsten den Moment selbst genießen. Es ist manchmal ziemlich absurd, wenn ich im Club Leute sehe, die die gesamte Nacht ihr Handy hochhalten, um Videos zu machen. Wir alle haben uns mal in Clubs getroffen, um uns gehen zu lassen, den Alltag zu vergessen, gemeinsam zu feiern und die Sorgen vor der Türe zu lassen. Heute ist das anders. Und das vermisse ich sehr. Auch sehr negativ fallen mir diese ganzen „Tastatur Warrior“ auf, die es sich zum Hobby machen, andere digital zu diskreditieren. Sie verstecken sich ganz feige hinter ihren Monitoren und erfreuen sich daran, andere runterzumachen. Dem muss definitiv ein Ende gesetzt werden.

Lass uns über Musik sprechen. Erzähl uns von deiner Idee hinter „8-track“.

Es geht dabei um ein Projekt, bei dem wir einen Produzenten auswählen, der mit uns jede Art von Musik schreiben möchte, ohne sich dabei Sorgen um Genres oder Sonstiges zu machen. Wir liebten die Oldschool-Idee von 8-Track und haben sie im Prinzip übernommen. Das Projekt hat superviel Potenzial und es gibt dort draußen so viele Produzenten mit so vielen Tracks auf ihren Festplatten, die niemals das Licht der Welt erblicken. Daher macht dieses Projekt umso mehr Sinn, wie ich finde.

Ich habe gelesen, deine acht Tracks seien eine ziemlich persönliche und auch kathartische Angelegenheit.

In der Tat. Musik ist für mich pure Emotion, ein Gefühl. Für mich ist es eine sehr persönliche Sache. Das war schon immer so. Leider ist mein bester Freund gestorben, als ich anfing, diese 8-Track-Edition zu schreiben. Es war eine harte Zeit für mich, es war schwierig, damit umzugehen, zeitgleich aber bei jeder Show lächeln zu müssen und auch noch als Promoter auf Ibiza tätig zu sein, wo jeder nur auf reinen Spaß aus ist. Es war hart, aber mir geht es wieder gut. Mit dem Werk konnte ich meine Emotionen gut zum Ausdruck bringen.

Die Tracks hast du im Zeitraum von zwei Jahren produziert, und das neben deinem äußerst straffen Tour-Schedule. Wie sehr haben dich die verschiedenen Landschaften und Begebenheiten inspiriert?

Ich beginne immer mit etwas Organischem. Einem Sound, einem Pad oder Synth. Ich nehme das und sehe, wie ich bei diesem bestimmten Sound fühle und welche Emotionen er in mir weckt. Ich strebe stets nach Emotionen und Spannungen. Also versuche ich, diese zu verstehen und zu schauen, wohin es mich führt. Dazwischen habe ich bereits den Track-Titel herausgefunden, und auch das hilft sehr. Ich habe meinen Tracks immer gute Namen gegeben, denke ich. Zumindest war ich bis jetzt immer zufrieden. Und alles kommt auf natürliche Weise. In diesem Fall war es mir noch wichtiger als sonst, dass es wie eine richtige Reise klingt. Daher sehe ich dieses Projekt auch als sehr persönlich an, weil es mich und meine jeweiligen Gefühlslagen portraitiert. Es wird bald auch eine „2 × 12Inch Gatefold“-Version inklusive Post geben. Ich liebe Vinyl und daher wollte ich auch hier etwas Haptisches schaffen, das man in den Händen halten und sammeln kann. Remixe wird es ebenfalls geben, denn ich liebe es, verschiedene Interpretationen meiner Stücke von befreundeten Künstlern zu hören.

Wie kann man sich generell deine Arbeit im Studio vorstellen?

Wie bereits erwähnt beginne ich gerne mit einem Pad oder mit einem Loop. Mit einer Kick-Drum und einem stehenden Sound ist schon eine gewisse Grundstimmung da, darauf baue ich auf. Ich habe sehr lange mit Logic gearbeitet, aber ich verwende mittlerweile nur noch Ableton Live. Die Software ist einfach großartig, es macht sehr viel Spaß, damit zu jammen. Es ist wie ein Spielzeug. Ich bin der Meinung, Sequenzer müssen Spaß machen, denn das Kreieren von Musik sollte immer Spaß machen und ein positives Gefühl erzeugen.

Was sind deine Favoriten – sowohl in Sachen Software neben Ableton als auch im Bereich Hardware?

Trotz der unzähligen Vorteile von Ableton Live 10 vermisse ich ein wenig den Sound der Engine in Logic. Ich verwende die meisten Plugins von Universal Audio. Ich habe das Glück, fast alle zu besitzen, die es gibt. Sie sind die besten auf dem Markt für analoge Emulationen wie 1176, La-2a, klassische Tape-Saturation usw. Ich mache meine eigenen Effekt-Racks und speichere sie. Erst vor Kurzem habe ich eine schöne Vocal-Chain gemacht. Ich werde sie teilen, wenn ich das Masterclass-Video über die Entstehung des Albums teile. Oh, und ich verwende natürlich auch Outboard-Material wie den Culture Vulture, Moog one, 1176-Kompressor, Softtube Control 1. Ich liebe auch die Barfoof-Monitore. Mit denen arbeite ich bereits seit zwei Jahren und bin sehr zufrieden.

Dein erstes Release hattest du im Jahr 2012. Wie hat sich dein Sound deiner Meinung nach seitdem verändert bzw. entwickelt?

Um ehrlich zu sein basiert er immer noch auf demselben Prinzip. Nämlich der Emotion. Ich versuche immer, in den sechs bis acht Minuten einer jeden Platte Emotionen zu erzeugen. Ich denke, im Laufe der Zeit hat die Musik in Bezug auf die Anzahl an verwendeten Elementen in jedem Track etwas an Stellenwert verloren. Ich mag jetzt langsamere Musik. Daher werde ich nächstes Jahr tatsächlich ein neues Projekt starten, bei dem ich mich selbst als Produzent auf die Probe stelle.

Was sind deine Pläne für dein Label Knee Deep In Sound?

Mein Label war schon immer eine gute Plattform für all die unglaublichen Demos in meiner Inbox. Die Philosophie ist immer noch dieselbe. In diesem Jahr habe ich so viele neue Künstler und Produzenten unter Vertrag genommen, die noch nie eine Platte veröffentlicht haben. Das ist es, was mir die Leidenschaft gibt, ein Label zu leiten. Es reizt mich, derjenige zu sein, der diesen Jungs und Mädels eine Chance gibt. Es geht nur um Musik und ich mache 100 Prozent des gesamten A & R.

In Sachen Label-Showcases bist du auch sehr aktiv. Was steht auf der Agenda für das restliche Jahr?

Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich immer gerne Partys schmeiße. Das liegt mir im Blut, noch aus alten Promoter-Zeiten in meiner Heimatstadt Barnsley. Ich mache das gerne. Egal, ob es eine Party für 500 oder 5000 Leute ist. Wir haben bislang wirklich viel Energie in die Showcases gesteckt. Kein Stein bleibt unverändert in der Venue und man kann die Kreativität und den Einsatz fühlen. Wir haben dieses Jahr etwas Besonderes in London vor uns und werden weiterhin weltweit Label-Partys machen.

Der Sommer ist da. Erzähl uns von deinen Plänen! Und worauf freust du dich am meisten?

Oh, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich darüber freue, dass endlich Sommer ist. Ich liebe diese Jahreszeit und die dazugehörige Festival- und Ibiza-Saison. Ich werde dieses Jahr Resident auf der Terrasse für Resistance und im Privilege sein. Ich habe hier noch nie gespielt und komme seit 18 Jahren auf die Insel. Das ist also definitiv etwas, worüber ich mich freuen kann. Ich spiele sechs exklusive Dates und ebenfalls bei Circo Loco im DC 10, bei Music on, El Row, Destino und Paradise.

Hand aufs Herz: Was machst du in einem besonders turbulenten Monat im Sommer neben der Musik und den Shows?

Um ehrlich zu sein bin ich ein sehr bescheidener Typ. Ich liebe es, Zeit zu Hause mit meiner Familie zu verbringen und mit meinem Hund spazieren zu gehen. Mein Studio ist in meinem Haus, so habe ich schnellen Zugriff auf alles. Auch liebe ich es, zu kochen. Das ist eine große Passion von mir, die mir sehr viel Energie gibt. Kaffee und ausgewählte Tee-Sorten liebe ich ebenfalls und würde gerne irgendwann mal mein eigenes Café eröffnen. Später im Jahr werde ich heiraten – und als Event-Manager investiert man ja automatisch noch mehr Zeit in die ganze Planung. (lacht) „Star Wars“ ist eine weitere Leidenschaft von mir. Ich würde sagen, ich besitze eine der seltensten Sammlungen der Welt – die habe ich mir über zehn Jahre aufgebaut. Aber davon erzähle ich euch beim nächsten Mal.

 

Aus dem FAZEmag 088/06.2019
Text: Triple P
Foto: Mitch Payne
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