Mit einem tollen Gefühl im Bauch präsentiert uns der Wahlberliner I AM BAM sein erstes Vinyl-Release. Bamdad, wie der aus Neapel stammende DJ, Producer und Labelbetreiber eigentlich heißt, wurde bereits mit sieben Jahren bewusst, dass er Musiker sein möchte. Verantwortlich für diese Ambition war die Rockband Queen, von der er ein großer Fan ist, wie er erzählt. So wurde er vom kindlichen Luftgitarrenspieler zum Session-Gitarrist in den USA – und das im Alter von nur 18 Jahren. Von da aus zog Bamdad nach Australien, wo er für eine kurze Zeit Marketing und Sales studierte, was ihn jedoch nicht erfüllte. Es ging zurück nach Europe – Berlin, um genau zu sein. 

Durch seine prägende Jugend in Neapel kam Bamdad schon früh in den Genuss von elektronischer Musik und erlebte DJ-Größen wie Marco Carola oder Little Louie Vega live in Aktion. Seine Diskografie ist geschmückt mit Veröffentlichungen auf Labels wie Suara, OFF Recordings, Octopus Records und natürlich von seinem eigenen Label I-BAM Recordings, wo neben ihm ebenfalls andere Artists zu finden sind, die Bamdad schätzt. Die neue EP hat der Neapolitaner mit iranischen Wurzeln kurzerhand nach seinem Pseudonym benannt. Alle vier Tracks der Platte evozieren beim Hören Bilder von verschwitzten Warehouse-Raves. Für viele sind die 90er noch das Maß der Dinge, so auch für Bamdad, der für diese Scheibe seine Inspiration aus den Anfängen des Ravesounds gezogen hat. Wir haben ihn über alles rund um seine neue EP, Vinyl, seinen Workflow und mehr befragt. 

 

Nachdem du vor über einem halben Jahr dein digitales Label gestartet hast, veröffentlichst du jetzt in Eigenregie deine erste 12-Inch – was hat dich zu diesem Schritt bewogen und wie fühlt es sich an? 

Ja, es ist fast ein Jahr her, seitdem ich mein eigenes Label gegründet habe. Der Grund dafür war, dass ich einfach nur meine eigene Musik und Remixe von Künstler*innen, die ich respektiere, veröffentlichen wollte. Gerade jetzt, wo ich eine 12-Inch-Vinyl mit meinem eigenen Namen darauf herausbringe, ist das ein tolles Gefühl. Vor allem, weil wir eine Zusammenarbeit mit einem großartigen Label wie ARTS gemacht haben, das das Release digital veröffentlichen wird – das ist definitiv ein tolles Extra für mich und mein Label.

In Bezug auf Vinyl – hast du hier noch weitere Pläne im Hinterkopf?

Ich persönlich ziehe es vor, digital zu veröffentlichen, da ich ziemlich oft auf Tour bin. Aber ich habe andere Veröffentlichungen auf Vinyl geplant. Diese Sachen werden auf dem historischen Techno-Label Planet Rhythm erscheinen.

Was bedeutet Vinyl für dich?

Ich denke, dass es ein großartiges Gefühl ist, seine Musik auf Vinyl zu haben, vor allem, weil man sie anfassen und riechen kann. Ich liebe dieses Gefühl, aber es ist definitiv nicht so effizient wie digital, wenn man oft tourt und reist. 

Und deine erste Platte war …?

Nun, meine erste Platte, die ich gekauft habe, war „A Night At The Opera“ von Queen.

Beschreibe einmal den Sound deiner neuen EP.

Ist auf jeden Fall ziemlich trancy und schneller als gewöhnlich, irgendetwas um die 140 bis 145 bpm. Die Scheibe hat eine Menge Arpeggios und brachiale Drums, genau so, wie ich es mag. Das Release hat definitiv eine Menge Vibes aus den 90ern in sich. 

Du bist also ein Fan der 90er.

Ich bin ein ziemlicher 90er-Jahre-Junge und mit dem frühen Sound von Paul Oakenfold und Deep Dish aufgewachsen. Das hat mich definitiv inspiriert hinsichtlich meiner Produktionen. Ich persönlich liebe die alte Goa-Trance-Musik und man kann sie definitiv in meinen neuen kommenden Produktionen hören.

Was hast du während des Lockdowns gemacht? 

Obwohl der Lockdown mich vom Touren abgehalten hat, hat er mir sehr geholfen, mehr Zeit in meinem Studio sowie mit dem Schreiben und Komponieren von klassischer Musik zu verbringen. Im letzten Jahr habe ich über 900 Songs gemacht, von denen die meisten bereits veröffentlicht wurden. Ich bin sehr glücklich darüber und freue mich darauf, sie bald zu spielen. 

Wie hast du die Hürde überwunden, Musik für Orte zu machen, die aufgrund der Pandemie nicht mehr zugänglich waren bzw. sind? 

Bevor ich als DJ angefangen habe, habe ich mich immer mit der Produktion und dem Schreiben von Musik für Bands beschäftigt. Und obwohl es schwer vorstellbar ist, einen Club-Song zu schreiben, wenn man nicht im Club ist, fühle ich mich die meiste Zeit über inspiriert. Manchmal stöbere ich einfach in meinen alten Sammlungen und alten Mixen. So finde ich auf jeden Fall ein paar tolle Sachen, mit denen ich arbeiten und von denen ich mich inspirieren lassen kann.

Wo war denn dein erster Gig und wie alt warst du? 

Mein erster Gig war in einem Club in Sydney namens Candy’s Apartment. Das war 2014. Ich war damals noch nicht einmal Musikproduzent. Ich war 24 Jahre alt und habe mich dann zwei Jahre später dazu entschieden, das Produzieren von Musik zu erlernen – und dann kam I AM BAM zustande.

Wie sieht es bei dir mit dem Produzieren aus – „in the box“ oder doch eher klassisch mit Hardware? 

Ich persönlich bin kein Fan von Hardware und ich arbeite komplett in the box. Ich denke, jeder kann das so machen. Alles, was ich gemacht habe, wurde nur mit meinem Laptop und einem Paar Lautsprechern geschrieben und im Moment arbeite ich nur mit meinen Kopfhörern, also ist es noch einfacher. Ich denke, wenn man viel mit weniger Equipment, unter beliebigen Umständen Musik produzieren kann, kann man definitiv eine Maschine sein. Meine neueste EP, die auf ARTS erscheint, habe ich in zwei Stunden geschrieben, die ganzen vier Tracks, genau wie bei den vorherigen Veröffentlichungen. Ich denke, diese Herangehensweise kommt von meinem Rock’n’Roll-Hintergrund, der im Grunde genommen darin besteht, ins Studio zu gehen oder auf der Couch zu sitzen und zu jammen und mit meiner Gitarre in den Flow zu gehen. 

Auf welchen Berliner Club freust du dich schon?

Ich freue mich auf jeden Fall darauf, wieder ins Ritter Butzke zu kommen. Ich habe dort schon einmal vor Covid gespielt und es war eine nette Atmosphäre.

Deine aktuellen Top-3-Tracks, die du immer in deinen Sets spielst oder besonders magst? 

I AM BAM – „New Soul“, I AM BAM – „The Difference“ und dann gibt es da noch einen 90er-Track von Datura namens „Eternity“, mit dem ich mein Set immer beende – er schafft eine schöne Atmosphäre. 

Stehen irgendwelche Gigs an?

Ich spiele in Finnland und in Deutschland nächsten Monat im August und später im Sommer in Belgien. Ich sollte eigentlich auf Festivals spielen, aber leider wurde alles auf das nächste Jahr verschoben.

 

Aus dem FAZEmag 114/08.21
Text: Niklas Fust
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