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Das Eurosonic Noorderslaag Festival samt seiner Konferenz gehört zu den traditionsreichsten Events dieser Art. 1986 fand es zum ersten Mal statt – damals noch als Bandwettbewerb zwischen den Niederlanden und Belgien, mittlerweile eine etablierte Plattform für europäische Musik ihre Newcomer. Vier Tage lang werden in Groningen Workshops abgehalten, Podiumsdiskussionen geführt, Kontakte geknüpft, neue Talente entdeckt, es wird getanzt und gefeiert. Den musikalischen Schwerpunkt der 2015er Ausgabe haben die Macher auf Island („Iceland Erupts“) gelegt. Der Inselstaat im Norden Europas verfügt über eine sehr quirlige und abwechslungsreiche Musikszene, die in den letzten Jahren immer mehr vom Polarkreis in unseren Fokus gerückt ist. Teil dieser Szene und des Festivalprogramms ist auch das Trio Samaris, dass mit seiner Melange aus Klarinette, Gesang und elektronischen Klängen schon viele Musikliebhaber als Fans gewinnen konnte. Sängerin Jófríður Ákadóttir gibt Auskunft.

2011 ist das Gründungsjahr von Samaris, zwei Jahre später folgte das selbstbetitelte Debütalbum, im letzten Jahr der Nachfolger „Silkidrangar“, die beide auf dem legendären Label One Little Indian erschienen sind, wo schon Landsmännin Björk in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre mit ihrer Band The Sugarcubes ihre Karriere startete. Während Klarinettistin Áslaug und Laptop-Soundtüftler Þórður Kári Steinþórsson schon seit Kindheitstagen befreundet sind, lernte Jófríður die Zwei auf der Musikschule kennen, wo dann auch das gemeinsame Musizieren begann. „Wir sind eher zufällig bei dieser Kombination gelandet. Die Klarinette benutzten wir, als wäre es ein Synthie und legten viele Effekte drüber. Seit wir damals angefangen haben diese Dynamik zwischen Stimme und Klarinette zu entwickeln – beide als melodische Instrumente und Klanglandschaften –, haben wir eigentlich die Experimentierphase nicht verlassen.“ Wo sie selbst ihre Vorbilder verorten, das können sie schwer sagen, denn „das passiert alles eher im Unterbewusstsein“.

Was weniger unterbewusst verläuft, ist die zunehmende Popularität isländischer Acts. Zwar spuckt die Vulkaninsel schon seit vielen Jahren immer wieder Hochkaräter wie eben erwähnte Björk, Sigur Rós oder Emilíana Torrini aus, aber gerade in letzter Zeit schafft es die kleine, aber sehr breit aufgestellte Szene ihre Popularität immens zu steigern. „Ich bin mir nicht sicher, und es ist auch schwer, so etwas zu erklären, wenn man selbst involviert ist und es nicht anders kennt. Ich glaube Island ist vor allem wegen der Natur und seiner Kultur so hip geworden. Leider ist es eine Schande, dass unsere Politiker inzwischen die Natur so behandeln, als wäre sie nur eine Ressource, die genutzt und ruiniert wird, anstatt sie zu bewahren und zu genießen.“ / Tassilo Dicke

Eurosonic Noorderslaag / 14.–17.01.2015 / Groningen
Line-Up Island: Low Roar, Kaleo, Kiasmos, Júníus Meyvant, Rökkurró, Samaris, Sóley, Vök, Árstíðir, dj. flugvél og geimskip, Fufanu, M-Band, Óbó, Skálmöld, Sólstafir, Tonik Ensemble, Ylja and Young Karin
Festival- und das Samstagsticket sind bereits ausverkauft, es gibt noch Einzeltickets für Mittwoch (20 EUR) sowie Kombitickets für Donnerstag und Freitag (50 EUR).

Das komplette Line-up und weiter Infos findet ihr unter:
www.eurosonic-noorderslag.nl
www.samaris.is

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