Portable's Studio - Version 25



Alan Abraham aka Portable gehört zu jenen Produzenten, für die die elektronische Musik ein Tor zu einem besseren Leben aufstieß. Aufgewachsen in den Townships der Post-Apartheid-Ära Südafrikas, waren es zunächst Soul und Hip-Hop und schließlich Chicago-House, die ihn zu Eigenproduktionen bewegten. London, Lissabon, Berlin und schließlich Paris sind weitere Stationen seines umtriebigen Musikerlebens. Dass Portable gerade in Deutschland so bekannt und erfolgreich ist, liegt auch an seiner Labelwahl. So war er hierzulande auf stilprägenden Imprints wie Perlon oder Musik Krause vertreten, sein eigenes hat er gar Süd Electronic genannt. Legendär sind zudem seine Live-Auftritte, bei denen er vom Klang über den Gesang bis zum Arrangement alles im Alleingang regelt. Dass dabei sowohl im Studio als auch auf der Bühne zu viel Equipment eher hinderlich als hilfreich ist, zeigt er uns in seinem Studiobericht. Portable liebt es eben … portable. Mitte August hat er sein neues Album “Alan Abrahams” auf !K7 Records veröffentlicht.

Wo befindet sich dein Studio derzeit?

Es ist mit drei anderen Studios in einem kleinen Gebäudekomplex am Rande von Paris. Dort hat jeder sein eigenes Studio, gemeinsam nutzen wir eine kleine Küche und einen Lounge-Bereich.

Wie häufig hältst du dich dort auf?

Wenn ich nicht auf Tour bin, täglich. Normalerweise zwischen 11:00 und 17:00 oder 18:00 Uhr, je nachdem, wie kreativ ich mich fühle.

Hast du ein Instrument erlernt?

Nicht professionell, nur autodidaktisch. Allerdings nehme ich seit einigen Jahren Klavierstunden.

Erinnerst du dich an dein erstes Studio-Setup?

Ja, das war in meiner Heimatstadt Kapstadt. Das Hauptinstrument war ein Roland W30. Der hatte zwar eine unglaublich kurze Samplingzeit, war aber trotzdem magisch. Damit habe ich „Dance In The Freedom“ produziert – damals ein Hit in Südafrika.

Inwieweit hat sich dein Studio seitdem verändert?

Mein Studio verändert sich permanent. Dank des technologischen Fortschritts ist es über die Jahre wieder deutlich kompakter geworden. Mein Setup war ja immer sehr digitalorientiert, mit einigen analogen Komponenten. Inzwischen habe ich für mich die richtige Mischung aus beiden Welten gefunden.

Gibt es ein Haupt-Setup, mit dem du arbeitest?

Eigentlich sind es zwei. Da ich viel unterwegs bin, habe ich ein mobiles und ein Studio-Setup. Unterwegs arbeite ich mit einem Laptop, dem Teenage Engineering OP1 Minisynthesizer und JL Cooper CS32 MiniDesk, um die Ideen zu skizzieren. Im Studio arbeite ich diese dann weiter aus. Dort sind der Moog Sub 037 sowie Ableton Live mit einem Push-2-Controller meine Hauptwerkzeuge.

Gibt es ein Tool, das du seit deinen Anfangstagen einsetzt, sowie ein Lieblingsinstrument?

Ja, mein geliebtes JL Cooper CS32 MiniDesk nutze ich seit Beginn an. Mein Lieblingsinstrument ist der Moog Sub 037.

Hast du auch schon mal einen Fehlkauf getätigt?

Ich habe mal ein Theremin für den Live-Einsatz gekauft. Das ist zwar ein großartiges Instrument, allerdings schwer zu spielen. Vor allem wenn man, wie ich, auch noch alles andere live bedienen und arrangieren muss. Dazu singe ich ja auch noch – das war insgesamt nicht mehr beherrschbar. Also habe ich mich vom Theremin leider wieder trennen müssen.

Was war deine letzte Anschaffung?

Das waren meine neuen Studiomonitore, die Genelec 8040B. Sie klingen einfach perfekt ausbalanciert.

Gibt es ein Instrument, das du nicht besitzt, aber gerne hättest?

Da steht der Moog Voyager Lunar Gold ganz oben auf meiner Wunschliste.

Gibt es Tools, die du gerne hättest, die aber noch nicht existieren?

Also schwebende Controller und Reise-Trolleys für die Gigs wären super!

Wie läuft dein Produktionsprozess in der Regel ab?

Das ändert sich von Track zu Track. Meist starte ich aber mit einem Rhythmuspattern oder einem Piano-Part. Steht eines von beiden, kümmere ich mich um die Bassline. Die spiele ich entweder selbst ein oder bitte einen befreundeten Bassisten um Hilfe. Dann folgen die Percussions, das Sounddesign, das Sequencing und, wenn passend, eine Gesangsspur. Den Abschluss bilden das finale Arrangement und der Mix.

Übernimmst du auch das Mastering selbst?

Ich mache nur den Rohmix. Die Feinabstimmung und das Pre-Mastering übernimmt ein befreundeter Toningenieur aus Lissabon. Den kenne ich noch aus der Zeit, als ich selbst dort gewohnt habe. Das finale Mastering gibt dann das jeweilige Musiklabel in Auftrag, es wechselt also abhängig davon, wo mein Track erscheint.

Welche Software nutzt du?

Tatsächlich nur Ableton Live zusammen mit dem Push-Controller.
Bist du jemand, der eher konkrete musikalische Ideen umsetzt, oder sind deine Tracks vermehrt experimentelle Ergebnisse?

Ich würde sagen, 50 Prozent sind geplant und 50 Prozent Experiment. Das hängt von der Mondphase ab. Meine produktivste Zeit habe ich von Neumond bis kurz nach Vollmond. Ich habe das irgendwann herausgefunden, nachdem ich jahrelang mit kreativen Blockaden zu kämpfen hatte. Heute kenne ich den Kreislauf und richte mich danach. In den Inspirationsphasen setze ich konkrete Ideen um. An den anderen Tagen jamme ich einfach herum und lasse mich überraschen, ob etwas Fruchtbares dabei herauskommt.
Was ist deiner Meinung nach der größte Fehler, den ein Produktionseinsteiger machen kann?

Sich zu viel Equipment anschaffen. Man läuft sehr schnell Gefahr, zu glauben, dass mehr Maschinen auch zu mehr Kreativität führen.

Portables Equipment
Moog Sub 037
Korg MS 20
Teenage Engineering OP1
Ableton Live
Ableton Push 2
Mackie Mixer 802 VLZ4
JL Cooper CS32 MiniDesk
Genelec 8040B Speakers

Aus dem FAZEmag 054