irismenza
In Limburg an der Lahn geboren und in Belgien aufgewachsen, gelangte sie mit gerade einmal 16 Jahren in den „inner circle“ der elektronischen House-Szene der Hafenstadt in der flandrischen Region. Wenige Jahre später bespielte sie dort fast jedes Wochenende Afterhours sowie überregional bekannte Clubs wie das Café d’Anvers, Decadance, La Rocca und den Krush Club. In den letzten fünf Jahren war sie im Line-up des Tomorrowland Festivals vertreten, spielte in Sizilien, Mailand, Genf, Berlin, Istanbul, in Frankreich und Holland. Seit dem Frühjahr 2015 gehört sie zum festen Stamm der Kunstgeschwister-Crew aus Mönchengladbach und auf Ibiza Global Radio hostet sie eine monatliche Radio-Show. Ende Dezember des gerade vergangenen Jahres veröffentlichte Iris Menza ihre Debüt-EP.

Im Gespräch erinnert sich die Künstlerin ziemlich genau an ihre ersten Vinyls. „Eine meiner ersten Platten war ,Teardrops‘ von Womack & Womack, für mich ein purer Klassiker. Dieser Track ist mein All-Time-Favourite, seit ich drei Jahre alt war. Veröffentlicht wurde er bereits 1983, also in dem Jahr, in dem ich geboren wurde. Ich habe ihn einige Jahre später auf einem Flohmarkt auf Vinyl gefunden. ,Lovelee Dae‘ von Blaze gehört ebenfalls zu meinen ersten Vinyls und bedeutet mir auch sehr viel. Ich liebe diese Energie, die Liebe und Fröhlichkeit, die sich beim Hören dieses Tracks einstellt. Positiver geht es fast gar nicht mehr. Diesen Track könnte man als äußerst passenden Soundtrack für meine ersten Schritte im Nachtleben bis zum Hier und Jetzt nehmen.“ Zu ihren aktuellen Attributen zählen repetitive, minimalistische Beats mit einer oftmals markanten Bassline. Sie vereint Tech-House mit Techno und changiert dabei nicht selten in klassische House-Gefilde der früheren Jahre. „Ich habe oft mit den DJs in den Clubs abgehangen, in die ich in sehr jungen Jahren gegangen bin. Das hat mich sozusagen zur Materie des Auflegens gebracht. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir die elektronische Musik wesentlich mehr bedeutet und so viel gibt, dass es mir nicht mehr ausreichte, sie schlicht zu hören. Labels wie Rekids, Dame Music, Rumors, Rebirth, Items & Things, Token, Trapez, !K7, Amam oder Kompakt haben mich sehr beeinflusst. Man könnte sagen, ich wurde von Housemusik erzogen. Sie berührte meine Seele in vielerlei Hinsicht und entfachte eine Leidenschaft, die ich vorher so noch nie erfahren hatte. Und so entschied ich mich, mein Leben dieser Passion zu widmen – in jeder möglichen Minute und in jeder möglichen Form.“


Ende Dezember erschien auf dem Mailänder Label Redrum Music von Pietro Dema ihre erste Veröffentlichung. Remixe werden dabei vom Belgier Tom Hades sowie vom Kanadier Ante Ujevic geliefert. „2014 habe ich zum zweiten Mal in Italien gespielt, in einem Club nahe Mailand. Dort habe ich Pietro kennengelernt. Er fragte mich, was ich davon halten würde, auf seinem Label zu releasen. Da das Brand für Techno steht, sollte mein Track natürlich ebenfalls in das Schema passen – was zu einer wirklichen Herausforderung führte. Aber ich bin froh und stolz auf meine allererste Produktion und darauf, so meinen Horizont erweitern zu dürfen. Ich mag es, ohne Scheuklappen zu agieren, und so empfinde ich auch die Arbeiten der beiden Remixer. Tom ist Label-Chef von Rhythm Convert, ein begnadeter Produzent und DJ. Ante und ich sind schon lange bei Facebook befreundet. Er hat in den letzten Wochen und Monaten unheimlich viel Support von Richie Hawtin erhalten und bereits auf Labels wie Refused, Deeperfect und Moonplay veröffentlicht.“

Im Studio arbeitet die Belgierin hauptsächlich mit Logic und Ableton. Kürzlich entschied sie sich dazu, auch noch Cubase in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren. „Ich habe das Gefühl, jede dieser Software hat ihren eigenen Sound. Noch kann ich nicht sagen, welchen ich bevorzuge, und genau aus diesem Grund probiere ich gerade alle aus. Jede hat Vor-, aber auch Nachteile. Ich höre viele Acts sagen, dass die oder die Software die einzige bzw. beste ist. Aber ich finde, es kommt ganz darauf an, was man machen möchte. Pauschalisieren lässt sich das nicht. Um ehrlich zu sein, habe ich noch keinerlei Hardware und arbeite bis dato ausschließlich mit meinem Computer bzw. leihe mir Synthies von Freunden. Das Studio ist Neuland für mich und deshalb muss ich noch herausfinden, welche Sachen für mich den meisten Sinn ergeben und das liefern, was ich mir vorstelle. Bislang haben mich der Sequential Circuits Prophet-6, Nord Stage und der Moog fasziniert. Aktuell arbeite ich damit schon an meinem zweiten Release, das um einiges housiger sein wird und wahrscheinlich noch im Frühjahr erscheinen wird.“

In diesem Zeitraum jährt sich auch ihre Position innerhalb der Kunstgeschwister, die sie im März 2015 verstärkt hat. „Im Sommer 2014 habe ich das 102 in Neuss besucht. Dort hat Mick Benjamins, ein Freund von mir, gespielt. Er war aus Berlin gekommen, um die Afterparty des Hell & Dunkel Festivals von den Kunstgeschwistern zu spielen. Ich hatte ein freies Wochenende und war also nur zum Feiern dort. Irgendwann fragte Mick mich, ob ich nicht in sein Set einsteigen und mit ihm b2b spielen möchte. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, zumal der Club der absolute Wahnsinn ist. Ich hatte keinerlei Musik dabei und habe Stücke von Micks USB-Stick gespielt. Eine Woche später hat mich Mike von den Kunstgeschwister-Brüdern kontaktiert, nachdem er meine Seite bzw. mein SoundCloud-Profil gecheckt hatte. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich ihn bzw. seine Agentur noch gar nicht. Er fragte mich, ob es eine Möglichkeit gäbe, mit mir zu arbeiten. Nun sind wir eine große Familie mit einer riesigen Leidenschaft zur Musik. Ich bin sehr froh, dass die Jungs in mein Leben getreten sind, und freue mich auf das, was noch kommt.“ Generell lässt sie das Jahr 2015 äußerst positiv Revue passieren. Am 8. Januar feierte sie ihren ersten Gig in Berlin, gefolgt von einem Booking im „Kloster“ in Istanbul und einigen Highlights im Sommer. „Ich war einige Male in Berlin und auch das Tomorrowland war wieder super speziell und unvergesslich. Dabei hatte ich sogar die Chance, David Moreno von Ibiza Global Radio einzuladen, der mit mir gespielt hat. Es war mein fünfter Gig in Folge dort und ich bin jedes Mal aufs Neue sprachlos, wenn ich da vor dieser unglaublichen Kulisse stehe. Die Verantwortlichen achten einfach auf so viele Details und sind auf jedem erdenklichen Level so professionell. Neben meinen vielen Shows hier in Belgien war ich im letzten Jahr auch super oft in der Schweiz und in Deutschland unterwegs. Regelmäßig war ich natürlich in der Kunstgeschwister-Base namens Raum38 in Mönchengladbach.“ 2016 möchte sie ihrer Passion noch mehr Zeit widmen – unter anderem im Plattenladen. „Wenn sich die Möglichkeit ergibt, suche ich in jeder neuen Stadt erst mal den nächstbesten Plattenladen auf, um nach neuen Schätzen zu suchen. Ich liebe es, stundenlang nach Raritäten zu stöbern. Dieser Old-School-Touch imponiert mir und ich halte es für eine super Gelegenheit, der neuen Generation dieses Gefühl etwas näher zu bringen. Das ist etwas, was man mit der heutigen Digitalisierung trotzdem nicht vernachlässigen oder aufgeben sollte.“

In den aktuellen Social-Media-Wahn vieler ihrer Berufskollegen wird sie in jedem Fall nicht verfallen. „Es ist schlimm, mit anzusehen, dass es vielen Künstlern heute nur um digitale Anerkennung bzw. Likes geht. Einige können davon gar nicht genug bekommen und zahlen auch noch Geld, um ihre Seiten mit gefälschter digitaler Liebe zu pimpen und so besser bei Promotern etc. anzukommen – für mich ein absolutes No-Go. Wie kann man als Künstler mit so etwas zufrieden oder glücklich sein? Das ist ein glatter Ausverkauf und hat nichts mit Spirit, Seele und Leidenschaft zu tun. Für mich ist es ganz egal, wie viele Likes ein Künstler im Internet hat. Wenn seine Musik gut ist, ist sie gut. Und das ist mein Anspruch.“ Mit diesem geht sie auch ihr neuestes Projekt mit dem Titel „Ballet“ im Antwerpener Club Vaag an. „Es ist klein und undergroundig dort. Wir laden uns regelmäßig Berliner DJs ein und haben die ersten Editionen bereits hinter uns – mit großem Erfolg. In diesem Jahr werden wir hoffentlich nahtlos daran anknüpfen. Die nächste Party findet am 12. Februar statt.“ / Rafael Da Cruz

Aus dem FAZEmag 047/01.2016
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