
Ostgut Ton heißt Isabel Soto willkommen. Die in Venezuela geborene, in der Underground-Szene Montreals sozialisierte und mittlerweile in Berlin lebende Techno-Künstlerin feiert ihren Label-Einstand mit einer Platte, die unmittelbar nach ihrem Umzug in die deutsche Hauptstadt entstand. „Morphosis“ pendelt dabei zwischen traumhafter Tiefe und psychedelischen Kanten und hinterlässt ein emotionales Klangbild, das vor Intuition nur so strotzt. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.
Du beschreibst die EP als „zutiefst persönlich“. Welche Emotion oder welcher Moment war für das Projekt der ursprüngliche Auslöser?
Auslöser war ein Gefühl der Überwältigung – all die neuen Eindrücke nach meinem Umzug nach Berlin. Der eigentliche Startpunkt kam, als ich die Anfrage erhielt, Musik an Ostgut Ton zu schicken. In diesem Moment blieb für einen Augenblick alles stehen, und ich war überwältigt vor Freude.
Hat sich dein emotionaler Zustand während der Arbeit an der EP verändert? Wenn ja, wie?
Definitiv. Manche Tracks entstanden in intensiven, sehr introspektiven Phasen, andere wiederum in einer Zeit der Freude und des Aufbruchs. Meine Gefühlslage hat sich positiv verschoben; der Prozess hatte etwas Heilendes und ließ mich wachsen.
Du hast die EP nach deinem Umzug in die deutsche Hauptstadt produziert. Welchen Einfluss hatte Berlin – auf das Werk und auf dich als Künstlerin?
Einen enormen. Die Inspiration, die man hier findet, ist einzigartig. Ich glaube, man kann sie nur in Berlin erleben. Die Stadt treibt meine persönliche und künstlerische Entwicklung kontinuierlich voran. Der erste Track, „Elemental Core“, entstand direkt am Tag nach dem ersten WSWNG-Live-Showcase im Berghain – ein Moment, der mich unglaublich inspiriert hat. Ich wusste damals nicht, wo der Track landen würde, und dass er nun Teil der EP ist, fühlt sich an, als hätte sich alles gefügt.
Welche Rolle spielen Berghain und Ostgut Ton für dich?
Das Berghain hat mich stark geprägt. Innerhalb dieser Mauern habe ich neue Arten des Liebens, Wachsens und Verbindens entdeckt. Jede Performance dort beeinflusst meinen Sound und meine Entwicklung. Ostgut Ton war eine enorme Inspirationsquelle. Die Einladung, Teil dessen zu werden, was für mich das bedeutendste Technolabel überhaupt ist, fühlte sich vollkommen surreal an. Dass ich nicht nur die EP veröffentlichen, sondern auch das Artwork gestalten durfte, bedeutet mir wirklich viel – Grafikdesign und Fotografie waren meine ersten kreativen Wege. All diese Bereiche mit Ostgut Ton zusammenzubringen, war unglaublich erfüllend.
Welche klanglichen Besonderheiten prägen die EP – und wie hast du diese Sounds kreiert?
Der Kern ist ein Sounddesign aus dichten Texturen und psychedelisch-trippigen Elementen, das einen atmosphärischen, hypnotischen Fluss erzeugt – fast wie eine Traumwelt voller Emotionen. Gear-technisch halte ich es bewusst minimal: Laptop, MIDI-Keyboard, ein paar Plug-ins, vor allem Reaktor. Außerdem nehme ich gerne eigene Sounds auf und verfremde sie in Ableton, so wie meine Stimme in „Aether Realm“.
Welcher Track hat dir beim Produzieren am meisten Spaß gemacht – und welcher hat dir am meisten abverlangt?
Am meisten Freude hatte ich an „Foxglove“. Der Track ist sehr trippy, und ich habe mir die völlige Freiheit erlaubt, neue Wege im Sounddesign auszuprobieren. Am schwierigsten war „Unfolding Inward“ – dafür brauchte ich am längsten, bis er sich wirklich fertig anfühlte.
„Morphosis“ erscheint Anfang Dezember via Ostgut Ton auf Vinyl und in digitaler Fassung.
Aus dem FAZEmag 166/12.2025
www.ostgut.berlin
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