James Ruskin über 30 Jahre Blueprint – „Techno kann mich noch immer überraschen.“

 

Seit 30 Jahren steht Blueprint für Techno ohne modische Umwege. 1996 von James Ruskin und Richard Polson gegründet, wurde das Label zu einer zentralen Adresse für kompromisslose, funktionale und zugleich zukunftsgewandte Musik. Zum Jubiläum erscheint Ruskins 1998 veröffentlichtes Album „Further Design“ in remasterter Form – ein Werk, das die frühe Blueprint-Ästhetik noch einmal präzise freilegt. Im Interview spricht Ruskin über die Anfänge des Labels, die Kraft unabhängiger Strukturen und darüber, warum Techno ihn bis heute überraschen kann.

James, herzlichen Glückwunsch zu 30 Jahren Blueprint! Wie war 1996 das musikalische Klima im Techno, als du und Richard das Label gegründet habt?
Vielen Dank. Techno entwickelte sich schon damals spürbar weiter, es gab viel Raum zum Experimentieren. Detroit hatte das Fundament gesetzt, doch Mitte der 90er entstanden in Großbritannien und Europa viele eigene Lesarten. Die Szene war wirklich unabhängig: Man konnte mit wenig Equipment Musik machen, sie über kleine Labels veröffentlichen und trotzdem etwas bewegen. Die Musik sprach für sich – ohne den Druck, auf Social Media relevant sein zu müssen. Richard und ich wollten Blueprint als Plattform für Musik aufbauen, an die wir glaubten. Wenn sie stark genug war, würde sie schon ihren Weg finden.

Warum fiel die Wahl auf „Further Design“ als Reissue zum Jubiläum und nicht etwa auf ein Outline-Release?
„Further Design“ steht direkt mit den Anfängen von Blueprint und dieser Phase meiner Musik in Verbindung. Außerdem ist es ein Album – es bot sich also die Möglichkeit, ein ganzes Werk neu zu betrachten. Outline ist natürlich ein wichtiger Teil dieser frühen Geschichte. „First Contact“ und „Encounter“ hatten wir bereits remastert, deshalb ergab es Sinn, nun „Further Design“ aufzugreifen. Beim Wiederhören erkenne ich klar, wo ich damals kreativ stand. Ein guter Moment, diese Zeit auch einem neuen Publikum zu zeigen.

Hast du beim Remastering etwas an den Tracks verändert?
Nein. Ziel war, mit heutigen Mastering-Werkzeugen herauszuarbeiten, was bereits da war, ohne den Charakter der Aufnahmen zu verändern. Beim Remastering kann man schnell zu weit gehen. Ich wollte dem Album mehr Klarheit und Tiefe geben, es aber nicht neu erfinden.

Die genaue Sound-Identität von Blueprint einzufangen, fällt nicht immer leicht. Was macht für dich eine Blueprint-Platte aus?
Blueprint über einen Sound zu definieren, ist schwierig, weil das nie die Idee war. Die Identität entsteht eher aus dem Zugang zur Musik. Sie muss echt wirken, eine Absicht haben und den jeweiligen Artist reflektieren. Eine Blueprint-Platte muss nicht wie eine andere klingen. Sie muss zur gleichen Philosophie passen: Musik, durch die jemand wirklich etwas ausdrücken will – nicht, weil er in eine Szene oder einen Sound passen möchte.

Was begeistert dich nach 30 Jahren immer noch an Techno?
Techno kann mich noch immer überraschen. Es gibt neue Ideen, Herangehensweisen und Möglichkeiten, Sound so zu verändern, dass man anders zuhört. Ich liebe auch weiterhin das Schreiben von Musik und das Arbeiten mit Equipment. Man kann mit sehr wenig beginnen und plötzlich entsteht etwas mit völlig eigenem Charakter. Das kann sehr zufriedenstellend sein.
Bei Blueprint kommt hinzu, dass die Geschichte des Labels heute selbst Teil der Spannung ist. Wir müssen nichts hinterherjagen. Wir veröffentlichen Musik, an die wir glauben. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Künstler, mit denen wir arbeiten durften, deutlich gewachsen. Das hat ein neues Kapitel geöffnet – fast so, als würde man noch einmal anfangen.

Die Remaster-Version von „Further Design“ erscheint am 4. September via Blueprint.

Aus dem FAZEmag 175/09.26
instagram.com/james_ruskin