Jason Angst alias Jilax durfte mit seinen 22 Jahren bereits in Ländern wie Mexiko, Brasilien, Australien, Deutschland, Italien, England und Österreich spielen. Unter dem Decknamen Nightflow führt der junge Schweizer mit iranischen Wurzeln ein zweites Projekt und widmet sich schnelleren und dunkleren Sounds. Seit einigen Monaten ist Jason Teil eines der erfolgreichsten Psytrance-Labels: Blue Tunes Records – ein Label, das für pumpige, gefühlvolle und hochqualitative Musik steht. Genau diese Werte repräsentiert auch Jason – das stellt er besonders in neuen Werken wie „Soul“, „Away“ mit Ranji oder „Sonorous“ unter Beweis.


„Blue Tunes Records ist ein besonderer und wichtiger Schritt für mich – vor allem aber auch ein Schritt in Richtung Professionalität. Meinen Job als Applikationsentwickler habe ich aufgegeben, damit ich mich vollständig der Musik widmen kann. Das war eine der härtesten und gleichzeitig schönsten Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe. Grundsätzlich habe ich Geld gegen Glück getauscht.“ Vor Kurzem erschien Jilax’ neuer Track „Away“, den er zusammen mit Ranji produziert hat. „Ranji ist seit Jahren eines meiner musikalischen Vorbilder – mit ihm einen Track zu produzieren, war der Ritterschlag schlechthin. Anfänglich wollte ich sein Stück ,Can’t See’ remixen. Da er das Projekt leider nicht wiederfand, sagte er: ,Lass uns einfach einen neuen Track zusammen produzieren.’ Ich erzählte fast niemandem von unserer Kollaboration, um den Überraschungseffekt zu erhöhen. Das ist definitiv gelungen.“

Bei seinen eigenen Produktionen legt der 22-Jährige besonderen Wert auf einen guten Workflow. Dieser sei essenziell, um die Ziele des jeweiligen Projektes im Auge zu behalten. „Jeder Track erzählt eine Geschichte und vermittelt Gefühle. Ich sehe es als eine Art Kommunikation. Die Musik als Ventil zum Herzen. Als Produzent ist es manchmal schwierig, den roten Faden der Geschichte sowie das Gefühl während des Produzierens aufrechtzuerhalten. Ein Trick dabei ist es, die Grundidee des Tracks in so kurzer Zeit wie möglich zu schreiben. Sobald die Idee gefestigt ist, kommt der Rest von alleine.“ Weitere Hürden seien das Sounddesign und das Suchen von Samples. „Ich habe mir eine persönliche Sample-Library aufgebaut, in der ich nur Sounds ablege, die ich auch brauchen werde. Alles schön sortiert in Kategorien und Unterordnern. Ich habe Terrabytes an Samples durchgehört und alles gelöscht, was ich nie nutzen werde. Den Rest habe ich anschließend sortiert. Der Aufbau dieser Library hat mich zwar Wochen gekostet, auf lange Sicht gesehen habe ich allerdings umso mehr Zeit gespart.“ Genauso geht Jilax auch bei seinen Presets vor. „Sobald mir ein Synth gefällt, den ich gemacht habe, speichere ich ihn ab und sortiere die Presets bei Gelegenheit. Dadurch baue ich mir neben dem Produzieren eine Library an Sounds auf, die ich jederzeit wieder nutzen kann. Unsere Zeit ist begrenzt, deshalb lege ich viel Wert darauf, möglichst effizient und qualitativ hochwertig zu arbeiten. Eine Sample-Library, die ich mithilfe von W.A.D und Djapatox gebaut habe, steht sogar zum Erwerb zur Verfügung. Eine weitere ist nun auch fertig und wird bald zum Verkauf bereitgestellt.“

Neben der musikalischen Produktion gehören zum Leben eines Künstlers allerdings auch viele organisatorische Aufgaben im Hintergrund. „Viele denken wahrscheinlich, mein Leben besteht nur aus endlosen Partys und einem faulen Alltag unter der Woche. Das stimmt aber nicht. Das Reisen, die Buchhaltung, Steuern, Promotion und natürlich ganz viel Studiozeit beschäftigen mich jeden Tag. Das fühlt sich aber alles nicht wie Arbeit an, da ich all diese Dinge gerne mache. Es gab mal Zeiten, als ein guter Track einen Musiker von heute auf morgen bekannt gemacht hat und dann lief der Rest von allein. Das ist heutzutage nicht mehr so. Wer als Künstler nicht auf den gängigen Social-Media-Plattformen wie SoundCloud, Facebook, Instagram, YouTube oder Spotify aktiv ist, der findet auch leider nicht statt. Das erzeugt allerdings gleichzeitig auch einen Druck, überall viel zu posten und eine große Reichweite zu generieren. Manchmal sogar so stark, dass die Musik dabei in Vergessenheit gerät. Insgesamt setze ich auf ein gesundes Verhältnis zwischen Musik und Promotion, denn gute Musik soll schließlich auch gehört werden.“

Aus dem FAZEmag 091/09.2019
Text: Denise Kelm
Interview: Jeanette Leiendecker
Foto: Kevin Juarez