Credit: Romain Garcin


Erstmals in Erscheinung getreten ist er 2013, als er mit Worakls sowie N’to das Label Hungry Music gründete. Sowohl das Label als auch die drei Protagonisten erlangten in den Jahren darauf Berühmtheit rund um den gesamten Erdball. Für Joachim Pastor drehte sich allerdings in den letzten Jahren alles um Veränderung. Und so verließ er im Juni 2020 das Kollektiv und schloss sich Armada an, wo am 3. September mit „Greater Message“ sein Debütalbum erscheint. Eine Größe in der Deep-House-Szene ist er allemal, präsentierte er doch seinen warmen und emotionalen Sound bereits auf Bühnen wie Tomorrowland, Dour, Pleinvrees oder DGTL Amsterdam. Auf Plattformen wie Spotify folgen dem Franzosen Hunderttausende.

Auf insgesamt 13 Titeln präsentiert Pastor sein breites Spektrum Melodie-fokussierter Musik und fügt jenen eine ungeheure Neugierde sowie Entdeckungslust hinzu: „Die letzten Jahre waren für mich voller unausweichlicher Veränderungen”, erklärt er. „Sich von etwas Vertrautem zu lösen, um ins Unbekannte zu springen, ist immer beängstigend, aber ich bin mit Hoffnung bei Armada Music gelandet und bin nun stolz, dieses Werk zu präsentieren. Es symbolisiert das, was ich an der Musik liebe, denn jeder Track hat ein Leben und eine Seele. Ich habe versucht, die Energie elektronischer Beats mit der Emotion von Melodien zu kombinieren, um etwas Einzigartiges zu schaffen.” Auch wenn er bereits 2008 eine Art Album mit seinen ehemaligen Kollegen veröffentlicht hatte, fühle sich dieser Langspieler erst nach einer richtigen Premiere an: „Ich glaube, als ich anfing, war ich in gewisser Weise ,unschuldig‘, meine Musik war überhaupt nicht kalibriert, sie war zwar frei, aber die Technik war noch nicht da, um meine Ideen vollends umzusetzen. Jetzt ist mein Sound reifer. Ich habe versucht, das Gefühl von Freiheit und Ungebundenheit meiner Inspiration beizubehalten und die technische Seite der Dinge drastisch zu verbessern. ‘Greater Message’ bedeutet, dass wir ein Teil von etwas sind. Ein Teil einer Welt, die wir nicht wirklich begreifen können. Wir sind nur ein Teil des großen Puzzles.“

Die Intention, ein Album zu veröffentlichen, begleitet den Franzosen schon lange: „Ich habe in der Vergangenheit tatsächlich schon mehrere Alben fertiggestellt, die leider aber nie veröffentlicht wurden. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt dafür, ich hatte mehr freie Zeit im Studio, und ich denke, es ist endlich an der Zeit, diesen Wunsch zu erfüllen. Ich denke auch, dass es ein Format ist, das immer seltener wird, und  genau das reizt mich. Im Grunde habe ich so mehr Zeit, mich auszudrücken und die musikalische Landschaft von mir als Künstler zu erkunden. Ich denke, das ist es, worum es bei einem Album geht: ein tieferes Eintauchen in die Identität eines Künstlers.“ Emotionale Phasen hat Pastor dabei sowohl gute wie auch negative durchlebt: „Ich habe etwa zwei Jahre am Album gearbeitet. Es war eine lange Reise und sicherlich nicht einfach. Ich habe versucht, meinen Werten in Bezug auf die Musik treu zu bleiben: einfach das zu tun, was mir gefällt, und zu versuchen, etwas Schönes zu machen, das zahlreiche Emotionen hervorruft. Es ist schwer, nicht von der Energie der Gigs zehren zu können, die wirklich ein Teil meiner Inspiration sind, da ich viele Tracks zuerst für die Liveshows mache. Persönlich habe ich versucht, mich auf meine Familie zu konzentrieren, und ich habe einen alten Oldtimer gekauft, den ich komplett restauriere.“

Musik produziert Pastor seit über einem Jahrzehnt. Seine Arbeitsweise im Studio hat sich dabei mehrfach verändert und entwickelt, erinnert er sich: „Nun, am Anfang hatte ich nicht einmal ein Studio. Technisch gesehen bin ich von meinem Schlafzimmer mit einem einfachen Computer und Kopfhörern zu einem voll ausgestatteten analogen Studio mit einem vollends aufbereiteten akustischen Raum übergegangen. Was sich in meiner Art, Musik zu machen, wirklich verändert hat, ist neben der Technik, die ich jeden Tag zu verbessern versuche, eine philosophischere Sichtweise, vor allem auf die Struktur und das Arrangieren. Was die Melodien und Emotionen angeht, so versuche ich immer noch, mir selbst treu zu bleiben und mich nicht um Trends zu kümmern.“

Für eine Extraportion Emotionen hat Pastor auf drei Titeln mit verschiedenen Künstler*innen kollaboriert, darunter mit Nathan Nicholson für „Saint Louis“: „Ich liebe Gesang, für mich ist er ein großartiger Vektor für Emotionen. Den Track hatte ich quasi schon fertig komponiert und produziert. Ich habe ihm den Song geschickt, um zu sehen, ob er ihn inspiriert, und als ich das Ergebnis erhielt, fühlte es sich schlichtweg perfekt an. Wir haben den Text ein wenig geändert, aber insgesamt waren die Melodien und Emotionen genau richtig.“ Aktuell arbeitet er an weiteren Remixen und sein Tour-Kalender füllt sich von Woche zu Woche immer mehr. Im September wird Joachim Pastor u.a. in Frankreich, Ungarn und der Schweiz touren.

Aus dem FAZEmag 115/09.21
Text: Triple P
Credit: Romain Garcin
www.instagram.com/joachim_pastor