Jochen Rausch by Thorsten Neuhaus
Lesen mit Links
von und mit Jan Drees

Schreie, Schüsse, Verletzungen, Blut und Einsamkeit. Jochen Rauschs neuer Roman erzählt vom Krieg und der Beinahe-Unmöglichkeit, diesem zu entkommen. Der ehemalige Studienrat Arnold versucht eben das, als er in die Berge zieht, weit entfernt von Zivilisation, Vergangenheit, Menschenmassen, Kindergeschrei. Arnold ist allein mit seinem Hund, er verbraucht wenig Geld. „Arnold holt die Zweihundert alle vier Wochen. Wenn es so weitergeht, reicht das Geld länger, als er lebt. Selbst wenn es noch dreißig Jahre dauert. In dreißig Jahren ist er achtzig.“ Es ist das einfache Leben, eine selbst gesuchte Robinsonade, Thoreaus „Walden“ in der Gegenwart, die absolute Einlösung von Epikurs Forderung. „Lebe im Verborgenen!“ Ein Dasein ohne Smartphone, Twitter, Facebook – irgendwann sogar ohne Radio – allein vorm Kamin. Doch dann wird Arnolds Hütte verwüstet. Irgendwo fallen Schüsse. Sein Hund wird grundlos mit einem Bolzenschussgerät verletzt. Auf der gegenüberliegenden Bergseite fängt es an zu brennen. Arnolds Refugium scheint von unheimlichen Mächten belagert. Eine nie provozierte Jagd ist eröffnet, ein mysteriöser Kampf gegen Arnolds Lebensstil, sein persönliches 9/11. WDR 1LIVE-Wellenchef Jochen Rausch hat eine Parabel auf die westliche Paranoia im Syrien-Kriegsjahr 2013 verfasst. Halsbrecherischer Plot, grandios literarischer Style. Eines der besten Bücher der Herbstsaison.

Jochen Rausch: „Krieg“
Berlin Verlag, 224 Seiten, 18,99 EUR
Hörbuch, gelesen von Ulrich Noethen
Random House Audio, 5 CDs, 19,99 EUR
www.jochenrausch.com
www.lesenmitlinks.de 

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