joney
Jonas Schiefferdecker aka Joney ist ein genreübergreifender Musikproduzent aus Hamburg, der im März sein Album „Illowhead“ auf den Markt geworfen hat. Veröffentlicht wurde dies auf Audiolith. Wir haben ihn im Interview zur neuen Platte befragt:

Seit März ist dein Album „Illowhead“ auf dem Markt. Was kann man von der Platte erwarten? Bist du zufrieden mit dem Endergebnis?
Die Resonanz bis jetzt freut mich, weil teilweise ganz fremde Leute ganz erheiternde Sachen darüber schreiben. Ich selbst bin glücklich darüber, so viele Leute mit an Bord zu haben. Meine Schwester, die die Postkarten mit den Downloadcodes gestaltet hat, Saturate! Records im Rahmen einer Kooperation, Thomas Wahle mit dem Artwork, Bios und Grapes mit den Features und ein ganzes Stück Hamburger Subkultur, die in den Rillen mitschwimmt und bestenfalls hanseatische Interpretationen zeitgenössischer Broken Beats-Kultur. Dadurch, dass die Stücke recht gut ohne zu viele Klischees auskommen, bin ich gespannt, was meine Nachfahren in den 80er Jahren dazu sagen werden. Die Platte ist auf jeden Fall ein guter Querschnitt durch das Jahr 2012 und schon bei Muddern ins Archiv gewandert.

Gerade einmal sieben Tracks haben es auf das Album geschafft. Nach welchen Kriterien hast du diese ausgewählt?
Die sieben Tracks haben allesamt eine kleine Geschichte dahinter oder sind in besonderen Momenten entstanden. „OMG it’s ethno Music“ hat halt einen italienischen Vocal Cut drauf und nimmt eine sehr überraschende Wende. „Get Drunk“ ist ursprünglich ein Anti-Alkohol Track gewesen und „Razorblade & Pancake“ ein klassisch, tragischer Selbsttherapie-Versuch. Ungefähr 30 Minuten Spielzeit sind aber auch eine ganz klassische Album Länge im Hardcore, Punk oder Grindcore. Und manchmal stecken auch zwei Ideen in einem Lied drin. Tracks, die mir nach dem 100. Mal  durchhören immer noch gefielen, waren auf jeden Fall in der engeren Auswahl – und ein Spektrum bzw. eine Vielseitigkeit sollte hörbar sein.

Wie kreierst du deinen Sound? Wir arbeitest du im Studio?
Es gibt zwei oder drei weniger verbreitete Synthies, die ich gerne nehme. An den Drumsounds bastel ich in der Regel auch gerne lange rum. Einiges live einspielen muss ich auch. Harmonien sind mir wichtig und so sitze ich dann auch mal länger an Akkordfolgen. Damit es nicht zu sehr David Guetta ist oder zu sehr atonaler Free Jazz mit krummen Takten, ist in fast jedem Track auch Sample-Material an Bord. Nicht, dass ich da drauf achten würde, aber zu oft ist ein etwas queres oder sperriges Fremdkörperchen das i-Tüpfelchen. Ein guter Mix und sich natürlich anfühlende Drums sind aber mein Hauptfokus. Und Klischees nicht überzustrapazieren.

In der Vergangenheit hattest du Releases, die von Drum and Bass, über Trap, Glitch, bis hin zu House und Techno reichten. Wann entscheidest du, auf welchen Stil du dich fokussierst und wann die Zeit für welchen Sound gekommen ist?
Meistens ganz am Anfang. „Jetzt habe ich Bock auf housigen Garage bei 127 bpm.“ Dann überlege ich, ob ich das nur noch machen will. Ob ich einen neuen Namen dafür erfinden sollte. Wie geil es wäre, ein 127 bpm Garage/House-Release mit Freakfaktor auf einem ulkigen Label rauszubringen und am nächsten Tag steht oben rechts eine 160 bpm, und das Ganze geht von vorne los.

Seit deiner Kindheit spielst du Schlagzeug. In welcher Weise beeinflusst dich dies beim Musikmachen? Stehen die Drums dadurch grundsätzlich im Vordergrund?
Das prägt mit Sicherheit ganz schön doll, doch doch. Habe lange sehr intensiv alle möglichen Bereiche des Schlagwerkes bedient. Als Pauker in einem Hamburger Orchester habe ich auch Gehörtraining gehabt – Schulen mit Musikschwerpunkt, Big Bands und viel Theorie besucht. Wenn halt die Drums langweilig sind, bin ich schon enttäuscht. So vieles orientiert sich daran – Kick, Snare, Hi Hat, Toms und Crashes – das war ganz lange mein analoges Zuhause und bildet halt auch im Sequencer, selbst namentlich, das Grundgerüst für alles, was wir an Musik so hören, oder? Ohne Bassdrum geht ja nicht viel, viele haben aber wenig Bezug zu den Wurzeln. Das ist oft auch ein Fluch.

Wie bist du ursprünglich zu deinem Haus- und Hof-Label Audiolith gekommen?
Ich habe den Labelchef vor vier Jahren morgens um 7 Uhr bei mir um die Ecke auf St. Pauli getroffen, habe gedacht er sei DJ Koze – wir sind dann erstmal in den wirklich abartigsten After Hour-Zuhälterladen schlechthin und dann ins Clouchard gegangen. Das spricht eigentlich für sich. Seit dem haben sich die Wege immer wieder gekreuzt. Das wird auch noch ewig so weiter gehen. 

Was steht bei dir in der Zukunft an? Tour? Nächste Releases?
Ich hab super Lust, ein 127 bpm Garage/House-Release auf einem ulkigen Label rauszubringen.

www.illowhead.de
www.audiolith.net

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