
Mit „Serotonin“ veröffentlicht Joris Voorn ein Album, das so persönlich klingt, wie der Titel vermuten lässt – warm, euphorisch, durchzogen von emotionaler Tiefe. Entstanden ist der Langspieler über mehrere Jahre, unterwegs auf Tour, im Studio und an einem ganz besonderen Ort: dem Haus seiner Kindheit in den Niederlanden, wo Joris Voorn nach dem Tod seiner Eltern an genau jenem Klavier arbeitete, an dem einst sein Vater komponierte. Vierzehn Tracks zwischen melodischem House, organischem Techno und cineastischen Soundscapes fügen sich zu einem Werk, das er selbst als „ehrlich, zeitlos und bewegend“ beschreibt. Wir haben mit ihm gesprochen.
Joris, wie geht es dir? Zum Zeitpunkt unseres Interviews ist es unfassbar heiß. Kannst du mit solchen Temperaturen gut umgehen oder bewahrst du als Musiker lieber einen kühlen Kopf?
Mir geht’s gut, danke. Ehrlich gesagt mag ich beides. Hier in den Niederlanden haben wir oft viel Regen, deshalb beschwere ich mich nicht, wenn es mal richtig heiß wird.
Lass uns über „Serotonin“ sprechen. Du hast gesagt, das Album verkörpere sehr bewusst den klassischen Joris-Voorn-Sound. Fällt es dir leicht, deinem Stil treu zu bleiben?
Ja, definitiv. Es ist wichtig, seinen Signature-Sound zu pflegen. Trotzdem lasse ich mich gern von aktuellen Strömungen inspirieren. Ich versuche aber nie, Trends hinterherzujagen – vielmehr geht es mir darum, Entwicklungen aufzunehmen und sie auf meine eigene Weise einfließen zu lassen. Jede neue EP, jedes neue Album ist auch eine Reaktion auf das Jetzt.
Ein großer Teil des Albums ist in deinem Elternhaus entstanden. Warum hast du dich gerade für diesen Ort entschieden?
Nach dem Tod meiner Eltern war es mir wichtig, noch einmal dorthin zurückzukehren. Mein Vater hatte dort seine Musik in totaler Ruhe auf Papier gebracht – das hat mich tief berührt. Ich wollte mich an seinen Platz setzen, mit meinem Laptop, aber im selben Geist. Der erste Track des Albums, „Session One“, entstand genau in dieser Atmosphäre und markierte den Anfang des kreativen Prozesses.
Der Rest der Platte entstand im Studio und unterwegs – wie wirkt sich dieser Wechsel auf deine Arbeit aus?
Ich habe mir während der Corona-Zeit viel neues Equipment zugelegt und ausgiebig experimentiert. Das Studio erlaubt einen ganz anderen Zugang zu Sound, allein schon wegen der Instrumente, die man dort hat. Aber ich liebe es auch, auf Tour zu produzieren – quasi seitdem ich einen Laptop habe, mache ich Musik unterwegs. Du kannst im Flugzeug sitzen, den Rechner aufklappen und loslegen. Das ist für mich ein fantastischer Aspekt elektronischer Musik. Natürlich ist es eine andere Energie als im Studio, aber beides hat seinen Reiz. Am Ende entscheidet oft der Mood des Moments.
Es gibt viele Kollaborationen auf „Serotonin“. Besonders aufgefallen ist uns der Track mit Pig&Dan. Wie kam es dazu?
Sie hatten mir einen Track geschickt, der wirklich stark war. Ich habe mir die Stems geholt, wollte die Struktur etwas verändern – daraus wurde dann aber eine komplett neue Version. So bin ich bei mehreren Stücken vorgegangen. Ich liebe es, wenn verschiedene Einflüsse aufeinandertreffen und etwas Neues entsteht.
Auch die beiden Stücke mit Nathan Nicholson stechen hervor. Was macht die Zusammenarbeit mit ihm aus?
Unsere erste Kollaboration „You & I“ hat schon sehr gut funktioniert. Danach habe ich ihm das Instrumental zu „Moon“ geschickt und er hat rundherum diese großartigen Lyrics geschrieben. Mit Nathan zu arbeiten, ist immer ein sehr intuitiver und flüssiger Prozess – das spürt man, finde ich, auch in den Tracks.
Ein kurzer Blick in die Zukunft: Was erwartet uns als Nächstes?
Gute Frage – das frage ich mich selbst gerade auch ein wenig (lacht). Nach einem so intensiven Albumprozess brauche ich erst einmal eine kleine kreative Pause. Aber ich habe noch einige unvollendete Projekte liegen, unter anderem eine Zusammenarbeit mit Armin van Buuren. Mal sehen, wohin die Reise geht.

Tracklist „Serotonin“:
1. Session One 03:33
2. Rose (Extended Mix) 05:43
3. Joris Voorn x Jan Blomqvist – Flora (Extended Mix) 06:11
4. Horizon (Extended Mix) 05:47
5. Joris Voorn x Max Rad x Liz Cass – Your Love (Extended Mix) 06:21
6. Liquid (Extended Mix) 06:13
7. Joris Voorn x YOTTO x White Lies – Seventeen (Extended Mix) 06:16
8. Joris Voorn x Tom Walker – Burn (Extended Mix) 05:28
9. Joris Voorn & Nathan Nicholson – You & I (Extended Mix) 06:25
10. Tomorrow (Extended Mix) 05:37
11. Joris Voorn x Goodboys – Utopia (Extended Mix) 05:22
12. Tryptamine (Extended Mix) 05:37
13. Joris Voorn x Pig&Dan feat. LIVI & LIVI – Been There Before (Extended Mix) 06:09
14. Joris Voorn x Nathan Nicholson – Moon (Extended Mix) 05:04
Hier könnt ihr in das Album „Serotonin“ reinhören und das Werk käuflich digital erwerben:
Das Album „Serotonin“ von Joris Voorn ist am 18. Juli via Kontor Records erschienen.
Aus dem FAZEmag 162/08.2025
Text: M.T.
www.jorisvoorn.com