
Mit „Serotonin“ veröffentlicht Joris Voorn ein Album, das so persönlich klingt, wie der Titel vermuten lässt – warm, euphorisch und durchzogen von tiefer emotionaler Substanz. Entstanden ist das Werk über mehrere Jahre hinweg, unterwegs auf Tour, im Studio und an einem ganz besonderen Ort: dem Haus seiner Kindheit in den Niederlanden, wo Voorn nach dem Tod seiner Eltern zurückkehrte, um an genau jenem Klavier zu arbeiten, an dem einst sein Vater komponierte.
Vierzehn Tracks zwischen melodischem House, organischem Techno und cineastischen Soundlandschaften fügen sich zu einem Album zusammen, das Voorn selbst als „ehrlich, zeitlos und bewegend“ beschreibt. Statt Trends hinterherzulaufen, habe er sich bewusst auf seinen eigenen Sound konzentriert – und ein Werk geschaffen, das seine über zwanzigjährige Karriere als Produzent und DJ auf den Punkt bringt. Wir haben mit ihm gesprochen.
Joris, wie geht es dir? Zum Zeitpunkt unseres Interviews ist es unfassbar heiß. Kannst du mit derartigen Temperaturen umgehen oder bewahrst du Musiker lieber einen „kühlen“ Kopf?
Mir geht es gut, danke! Ich mag beides, um ehrlich zu sein. Wir haben hier in den Niederlanden ziemlich viel Regen, weshalb ich mich nicht beschweren will, wenn es mal so richtig heiß ist.
Lass uns über „Serotonin“ sprechen. Ein Album, das laut eigener Aussage den klassischen Joris Voorn-Sound verkörpert. Fällt es dir als Künstler leicht, deinem Sound treu zu bleiben und nicht auf den Zug der Hypes und Trends aufzuspringen?
Definitiv, es ist wichtig sich seinem Signature Sound treu zu bleiben. Dennoch sollte man nicht davor zurückschrecken, sich von Trends inspirieren zu lassen und diese mit in seine Musik einfließen zu lassen. Ein neues Album oder eine neue EP bedeutet auch immer, gegenwärtige Entwicklungen zu reflektieren.
Für einen großen Teil des Produktionsprozesses bist du in das Haus deiner Eltern zurückgekehrt, die vor einigen Jahren verstorben sind. Unser herzliches Beileid. Warum hast du dich dazu entschieden? Wir nehmen an, dass insbesondere die Anfangszeit sehr hart war.
In mein Elternhaus zurückzukehren war für mich eine Art „Lebewohl“ zu sagen. Mein Vater hatte hier einst seine eigene Musik in totaler Stille auf Papier niedergeschrieben. Das hat mich dazu inspiriert mich mit meinem Laptop an seinen Platz zu setze und selbiges zu tun. Der erste Track auf dem Album, „Session One“, ist genau nach diesem Prozess benannt und spiegelt die ersten Tage meiner Findungsphase wider.
Der Rest des Albums wurde auf Tour und in deinem Studio geschrieben. Ein paar Worte zu diesem Kontrast?
Viele der Stücke sind während der Coronazeit entstanden. Ich hatte viel Zeit und habe mir damals reichlich neues Equipment zugelegt, um mit Synthesizern, Sketches und Demos zu experimentieren. Das Material, bei dem ich mir selbstbewusst genug war, dass es zum Album passen würde, ist schließlich auch auf der Platte gelandet.
Bezüglich des Kontrasts muss ich sagen, dass ich schon immer von unterwegs Musik gemacht habe – quasi seitdem ich einen Laptop habe. Das Tolle an elektronischer Musik ist ja, dass man keinen festen Ort benötigt. Inspiration kann auch erzwungen werden, wenn man denn will – man setzt sich ins Flugzeug, öffnet den Laptop und schreibt einen neuen Song, das ist fantastisch. Andererseits bietet einem das Studio all die großartigen Instrumente und Sounds, die man unterwegs nicht hat. Letztendlich kommt es immer auf den Mood an, denke ich. Man muss mit dem Flow gehen.
Die LP kommt mit einer Reihe an Kollaborationen. Besonderes Interesse hat bei uns die gemeinsame Nummer mit Pig&Dan geweckt . Ihr habt vorher noch nicht mit ihnen zusammengearbeitet, richtig?
Die beiden hatten mir einen echt guten Track geschickt und ich dachte: „Vielleicht könnte das auch auf anderem Wege funktionieren“. Ich ließ mir also die Stems schicken und wollte „Been There Before“ eine leicht veränderte Struktur geben, was jedoch in einer komplett neuen Version endete. Ich bin so mit mehreren Kollabo-Stücken auf dem Album verfahren und finde es fantastisch, wenn so viele verschiedene Einflüsse auf einer Nummer zu hören sind.
Hervorheben möchte ich auch die beiden Stücke mit Nathan Nicholson. Schon die erste Zusammenarbeit auf „You & I“ hatte hervorragend funktioniert, weshalb ich ihm also wenig später die Instrumentals für „Moon“ schickte und er wirklich großartige Lyrics um den Track herum baute. Eine sehr angenehme und geschmeidige Kollaboration.
Ein kurzer Blick in die Zukunft? Was steht als nächstes an?
Gute Frage, das habe ich mich zuletzt auch gefragt (lacht). Ein Albumprozess ist immer ziemlich langwierig, weshalb ich mir jetzt erstmal eine Pause gönne. Danach warten einige unvollendete Projekte darauf mit frischer Kreativität fertiggestellt zu werden, unter anderem ein Track mit Armin van Buuren.
Hier könnt ihr in das gesamte Album reinhören:
Und hier geht’s zu den weiteren Streaming-Links.
„Serotonin“ ist am 18. Juli via Kontor Records erschienen.
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