Josi Miller – Die vier Phasen des Schlafs

Foto: Woody Woodsn

Nach Jahren zwischen Clubnächten, Radiostudios und mentalen Ausnahmezuständen präsentiert Josi Miller ihr erstes eigenes Album: „4 Stages of Sleep“. Entstanden ist es in einer Zeit, in der die Berliner Musikerin mit Angstzuständen und Panikattacken kämpfte – eine Phase, die sie nicht nur ausbremste, sondern ihre Rolle als Künstlerin zeitweise völlig infrage stellte. Statt sich zurückzuziehen, verwandelte sie diese Erfahrung in Musik – produziert, geschrieben und eingesungen von ihr selbst. Wir haben die Tastemakerin, die die ARTE-Reihe „Chat With a DJ“ kuratiert, befragt.

Dein Debütalbum entstand aus einer Phase psychischer Instabilität. Wann hast du gemerkt, dass daraus nicht nur Heilung, sondern Kunst werden kann?
Zum einen ist Auflegen Teil meiner Konfrontationstherapie gegen meine Angststörung – also nicht nur Heilung, sondern auch das, was ich am meisten liebe. Zum anderen habe ich viel Inspiration in schlaflosen Nächten gesammelt. Auch das Aufschreiben meiner Träume und die Erkenntnis, was sie im Unterbewusstsein vermitteln, haben mir geholfen, mich musikalisch damit auseinanderzusetzen. Mir war es wichtig, emotionale Tiefe und tanzbare Produktionen zu vereinen.

Du beschreibst deine Träume — ein wichtiges Fundament des Albums – als „surreal realistisch“. Wie viel davon hast du im Sound gespiegelt – und wie viel lieber bewusst verfremdet?
Meine Träume habe ich in den Produktionen eher klanglich als inhaltlich übersetzt. Sie dienten als Ausgangspunkt für das Konzeptalbum und meine Auseinandersetzung mit den vier Phasen des Schlafs. Ich gehe generell vorsichtig mit privaten Informationen um und verpacke meine Gefühle in Synths und Drums. Trotzdem gibt es textlich ehrliche Anteile auf dem Album.

In „You Have A Drug Problem“ steckt Wut, Humor und Selbstreflexion zugleich. Wie viel Selbstironie braucht man, um über eigene Krisen Musik zu machen?
„You Have A Drug Problem“ ist ein Sample eines Vinyl, das ich aus dem Urlaub mitgebracht habe. Als die Drummerin Philo und ich diese Catchphrase entdeckten, war uns klar, dass wir daraus etwas machen müssen. Gerade in Berlin und generell in der Clublandschaft sind Drogen ständiger Common Sense, und ich finde es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen.

Du kommst ursprünglich aus Leipzig-Connewitz, später hast du in Weimar gelebt, heute in Berlin – alles Städte mit starker Subkultur. Wie viel „Ost-Sozialisation“ steckt im neuen Album?
Im Album steckt überwiegend Ostberlin. Auch das Cover zeigt ein Stück Frankfurter Allee. Dort sind viele Songs entstanden, dort habe ich in Clubs und Kneipen viele Nächte verbracht. Ich bin sehr ostsozialisiert und beschäftige mich viel mit der Wende und der bis heute existierenden Ungleichheit. Außerdem liebe ich FKK, haha.

„4 Stages of Sleep“ ist am 24. Oktober via Grönland Records erschienen.

Aus dem FAZEmag 165/11.2025
Foto: Woody Woodsn
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