Ziemlich genau zwölf Monate nach seinem FAZE-Mix begrüßen wir Julian Jeweil, der mit bürgerlichem Namen Julien Bérard heißt, wieder bei uns im Heft. Diesmal zwar ohne Mix, dafür aber auf dem Cover unserer 83. FAZEmag-Ausgabe – und außerdem mit einem brandneuen Album im Gepäck. Nach diesem von seinen Fans herbeigesehnten Langspieler haben wir bereits beim letzten Interview gefragt, doch Details zu seinem Debütalbum „Transmission“ wollte sich der Franzose zu diesem Zeitpunkt noch nicht entlocken lassen. Ist ja auch immer so eine Sache mit den ungelegten Eiern, denn über die sollte man ja eigentlich auch nicht sprechen. Nun ist es jedenfalls da, das Album – zumindest beinahe, denn unsere erste Ausgabe im noch jungen, frischen Jahr 2019 war ein paar Tage schneller.

 

Julian Jeweil


 

 

Julian, schön, dich wieder hier bei FAZE zu haben – und jetzt sogar mit deinem Albumdebüt! Doch gehen wir es langsam an, wir stecken ja gerade noch in der besinnlichen Zeit, in der Ruhe einkehren soll. Ruhig stelle ich mir jetzt auch deine Heimatstadt Marseille vor, über die hatten wir im letzten Interview ja etwas ausführlicher gesprochen. Wie erlebst du die Wintermonate dort? Ist die Hafenstadt am Mittelmeer auch jetzt einen Besuch wert?

Hallo Julian, ich freue mich ebenfalls, wieder dabei zu sein! Und was Marseille betrifft, die Stadt ist mir jetzt fast noch lieber als im Sommer, denn all die Menschen, die sonst die Straßen verstopfen oder den Strand überfüllen, sind verschwunden. Es ist, wie du schon sagst, deutlich ruhiger. Man kann nun entspannt durch die Innenstadt schlendern – ohne anstrengende Menschenansammlungen, Hupkonzerte und Straßenverkäufer. Sehr angenehm!

Das hört sich wirklich entspannt an. Ein kurzes Innehalten, bevor der Wahnsinn wieder losgeht. Die Frage nach der Silvesterparty ist in unserem Fall etwas umständlich, da sie zum Zeitpunkt unseres Interviews vor uns liegt, jedoch bereits vorbei sein wird, wenn das Heft in den Kiosk kommt. Wirst du den Jahreswechsel mit der Familie verbringen oder einen Club rocken?

Beides gewissermaßen, da ich zusammen mit meinem guten Freund Popof in Valencia spielen werde. Wir werden da sicherlich eine ganze Menge Spaß haben und einen hoffentlich grandiosen Start ins Jahr 2019 erleben. Und in Anbetracht der zeitlichen Lage kann ich euch allen also direkt schon mal ein frohes neues Jahr wünschen!

Vielen Dank, Julian. Dir natürlich auch! Für einen grandiosen Start hast du mit deinem Debütalbum ja eigentlich schon selbst gesorgt. Aber dazu kommen wir gleich. Lass uns noch kurz in 2018 verweilen. Was hat sich seit unserem letzten Interview getan? Irgendwelche neuen Einflüsse oder tiefgreifende Erlebnisse, die sich vielleicht auch auf dein Album ausgewirkt haben? Die letzten zwölf Monate scheinen wie im Flug vergangen zu sein!

Ist das echt schon ein ganzes Jahr her? Die Zeit vergeht wirklich unglaublich schnell! Ich erinnere mich noch gut daran, dass du nach neuen Projekten, Ideen und einem Album gefragt hast, aber ich wollte das wirklich so geheim wie möglich halten. (lacht)

Damit kann ich leben, deswegen bist du ja heute da und stehst uns Rede und Antwort. Wie war es denn nun, dein 2018?

Es war ein sehr aufregendes und großartiges Jahr für mich, gerade was meine Gigs angeht. Ich spielte weltweit auf den Ultra-Music-Bühnen, in Mexiko, Taipei oder Seoul, erlebte tolle Momente auf den Drumcode-Veranstaltungen und tourte außerdem durch die USA mit meiner Form-Music-Familie. Form Music ist ja das Label meines Freundes Popof. Ein großer Erfolg war dann auch das Form-Showcase auf dem BPM Festival.

Das hört sich auf jeden Fall nach einer ganzen Menge an Eindrücken und Erlebnissen an, aber auch nach extrem vielen Flugstunden. So manche Tracks wurden schon in Flugzeugen hoch oben in der Luft produziert. Wieso also nicht auch dein Album „Transmission“. Dem Weltraum, dem Thema deines Albums, warst du dort zumindest schon mal ein kleines Stück näher. Was hat dich dazu inspiriert, was hat dich angetrieben?

Ganz ehrlich, ich bin richtig stolz auf dieses Album! Das ganze Jahr über habe ich sehr hart und konzentriert daran gearbeitet, „Transmission“ entstand also in einem kontinuierlichen Prozess. Viele Ideen hatte ich dazu im Kopf, die ich nach und nach ausarbeitete und fertigstellte. Stück für Stück wuchs daraus mein Album. Und da ich bereits zu Schaffensbeginn eine ziemlich präzise und klare Vorstellung vom Gesamtergebnis im Kopf hatte, konnte ich ohne große Probleme Produktionspausen einlegen, ohne aus dem Tritt zu geraten oder den Faden zu verlieren. Meine größte Inspiration war auch gleichzeitig mein ergiebigster Motor. Ich wurde von dem Wunsch getrieben, meine eigene Geschichte zu schreiben, eine Techno-Geschichte. Verbunden mit meiner Faszination für das Weltall, ergab das eine runde Sache. Nun, da das Album kurz vor der Veröffentlichung steht, bin ich vor allem aufgeregt und stolz, aber auch sehr erleichtert.

Verständlich, ist ja schließlich auch eine ganz neue Erfahrung für dich!
Im Pressetext hieß es unter anderem, dass du erneut großen Wert auf musikalische und produktionstechnische Freiheit gelegt hast. Nur so könne ein Album entstehen, dass dir zu 100 Prozent entspricht. Wie würdest du den Sound von „Transmission“ selbst beschreiben?

Ganz genau. Mir selbst treu zu bleiben und Musik zu produzieren, die mir hundertprozentig entspricht, an die ich glaube, steht an erster Stelle. Das konnte ich auch beim Album umsetzen. „Transmission“ birgt nun zwei unterschiedliche, aber sich ergänzende Aspekte: zum einen meinen bereits bekannten Techno-Sound und zum anderen gefühlvollen Ambient-Sound. 

Da die beatgetriebenen Stücke den ruhigeren jedoch zahlenmäßig deutlich überlegen sind, würde ich mal behaupten, dass „Transmission“ ein Album für den weltweiten Dancefloor ist. Die energiegeladenen Stücke, die deutlich hörbar deine Handschrift tragen, werden sich in kleinen, intimen Clubs wahrscheinlich ebenso wohlfühlen wie auf den großen Festivals.

Da stimme ich dir gerne zu. Ich freue mich, dass das auch in der Vergangenheit immer der Fall war und meine Musik sowohl im kleinen als auch im großen Rahmen funktioniert hat.

Vielleicht sind die hohe Funktionalität und das breite Anwendungsspektrum auch die typischen Eigenschaften einer Drumcode-Veröffentlichung. Auf Adam Beyers Label hast du mit „Rolling“ und „Space“ bereits zwei EPs platzieren können. War es also die logische Folge, das Album ebenfalls über Drumcode zu bringen, oder gab es da auch andere Überlegungen?

Für mich war das ehrlich gesagt eine klare Angelegenheit. Wenn sich die Möglichkeit bieten sollte, das Album auf Drumcode zu veröffentlichen, würde ich diese auf jeden Fall nutzen. Meine Musik ist dort sehr gut aufgehoben und mit einem der besten Labels des Genres zusammenzuarbeiten, ist natürlich eine sehr angenehme wie wünschenswerte Sache. Darüber hinaus schätze und respektiere ich Adam als Menschen. Mit ihm zu arbeiten, ist eine Bereicherung.

Lass uns kurz das Technikthema anschneiden, Julian. Bei manchen Produzenten herrscht ein ständiges Kommen und Gehen innerhalb ihres Fuhrparks an Synthesizern, Drum-Machines oder sonstigem Equipment. Gab es auch bei dir größere Veränderungen und haben extra für „Transmission” vielleicht sogar neue Gerätschaften Einzug ins Studio gehalten?

Mit meinem Setup, bestehend aus Cubase, Native-Instruments-Software sowie meinem Dave Smith, bin ich nach wie vor sehr zufrieden. Damit arbeite ich und so entstand auch das Album. Den Drang nach Veränderung verspüre ich hier nicht. Wieso auch, es läuft ja alles und mit den Ergebnissen bin ich auch happy.

Das passt wohl auch besser zu deinem Tour-Alltag. Die vielen Stunden im Flugzeug hatten wir ja bereits angesprochen. Und da du ja, zumindest gefühlt, immer auf Tour bist, würde sich das mit den vielen Synthies sowieso nicht lohnen. Apropos Tour, wie sieht es denn mit einer „Transmission“-Albumtour aus? Gibt es da Pläne für die kommenden Monate?

Ja, an einer solchen „Transmission“-Tour arbeiten wir momentan noch, doch wir stecken bereits in den finalen Zügen. 2019 wird mich wohl erneut um die Welt führen und viele verschiedene Länder besuchen lassen. Darauf freue ich mich.

Das erste Album ist so gut wie veröffentlicht. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg eines Musikers und Produzenten. Was könnte in deinen Augen das nächste große Ding für dich werden? Möglichkeiten gäbe es viele, ein eigenes Label zum Beispiel oder eine eigene Eventreihe in Marseille. Auch die Entwicklung eines Live-Sets wäre für viele andere ein gängiger Schritt.

Über ein eigenes Label habe ich mir tatsächlich schon das ein oder andere Mal Gedanken gemacht. Das könnte ich mir für die Zukunft durchaus vorstellen. Zunächst möchte ich jedoch die Veröffentlichung des Albums in vollen Zügen genießen – ich kann es kaum noch erwarten, die Tracks vor einem größeren Publikum zu spielen!

Deine Fans fiebern diesem Moment sicherlich ebenso entgegen. Gibt es für 2019 sonst noch etwas zu erwähnen in Bezug auf Gigs, geplante Kollaborationen oder musikalischen Output? Oder sind wir jetzt wieder bei den ungelegten Eiern angelangt?

(lacht) Richtig erkannt! Bevor ich die Dinge nicht unter Dach und Fach habe, möchte ich da auch nichts verraten. Was ich allerdings sagen kann, ist, dass ich bereits an neuem Material arbeite. Woran genau, können wir dann beim nächsten Interview besprechen!

Im Sommer dann, in Marseille, wenn die Strände wieder überfüllt sind und der Straßenlärm groß ist. Letzte Worte von deiner Seite?

Ich bedanke mich und hoffe sehr, dass die FAZE-Leser mein Album „Transmission“ genießen können!

Aus dem FAZEmag 083/01.2019
FAZEmag DJ-Set #71: Julian Jeweil – exklusiv bei iTunes & Apple Music

Text: Julian Haußmann
Foto: Valentin Chalandon
www.soundcloud.com/julianjeweil