Der britische Produzent und DJ Justin Robertson ist endlich zurück: Nächsten Monat meldet er sich auf dem Münchner Gomma-Label unter seinem neuen Pseudonym The Deadstock 33s zurück. Im März erscheint die neue Platte „The Pilgrim’s Ghost“, die viele verschiedene elektronische Facetten von Acid bis Screamadelica abbilden wird. Im Interview erzählte der ehemalige Weggefährte von Andrew Weatherall uns alles über sein neues Projekt:

Die erste The Deadstock 33s Platte wird im März auf Gomma erscheinen. Was können wir erwarten?

Ich beschreibe es als „Pastoral Techno!“. Es hat eine Art hinterwäldlerische, schaurige Ausstrahlung, natürlich elektronisch mit einem lockeren Gefühl an einigen Orten und primitivem Stampfen an anderen. Ich habe mir eine Mischung aus europäischen Elektrosachen angehört wie z.B. Tangerine Dram und Terry Riley, die „Saucerful of Secrets“ Pink Floyd-Ära, ein wenig Space Rock, genauso wie die amerikanischen Sänger, die ich mag wie The Handsome Familiy. Also denke ich, dass es eine Mischung aus diesen und unverhüllter Dancemusic ist.

“The Pilgrim’s Ghost” ist dein erstes Album seit 2004 und „Two Culture Clash“. Was er schwer für dich etwas Neues zu starten?

Nicht wirklich, das Album brauchte 18 Monate glaube ich, mit ein oder zwei Tracks, die etwas älter sind. Davor waren es wirklich ein paar Jahre Veränderung für mich. Auch wenn ich eine Weile kein Album rausgebracht habe, gab es da ein paar Platten von mir, von denen ich auf ein paar sehr stolz bin und auf ein paar eher weniger. Ich denke es war ein Suchen nach einem neuen Sound oder jedenfalls eine neue Herangehensweise? Ich gründete Solitary Cyclist, kam zu einer anderen Arbeitsweise, habe ein wenig experimentiert und ein paar Mal meinen Kopf gegen die Wand geschlagen! Dann stieß ich auf The Deadstock und fühlte mich gut! Ich glaube ich habe einfach aufgehört zu viel nachzudenken, habe etwas für mich gemacht, entspannt und so kam das alles sehr natürlich.

Wann hast du etschieden, dass es die richtige Zeit ist etwas Neues zu starten? Was bedeutet The Deadstock 33s?

Ich fühlte mich vor ein paar Jahren wirklich danach mit etwas Frischem zu kommen. Es schien, als würde sich der Sound gut entwickeln und als ich dann ein paar reisende Kollegen traf, DJs, die die selben Sounds wie ich mögen, fühlte ich, dass eine Veränderung gekommen ist, eine Art von simplen elektronischen Sound, das Ende von Disco und House. Ich fühlte mich immer besser mit den Sachen, die ich machte und es schien sich mit einer positiven Note in der wirklichen Welt zu entwickeln. Also wuchs das Album so, denke ich. The Deadstock 33s ist genannt nach einer Vintage-Levi’s.

Warum arbeitest du nicht unter deinem bürgerlichen Namen Justin Robertson wie des Öfteren in der Vergangenheit?

Ich habe eigentlich selten Sachen unter meinem eigenen Namen gemacht. Meistens habe ich Namen für meine Projekte wie Lionrock, Revtone, Gentleman Thief etc. Ich glaube das mache ich aus zwei Gründen. Erstens habe ich mehr Freiheit, dass was Sinn hat zu machen im jeweiligen Projekt. Das bedeutet, dass ich verschiedene Projekte mit verschiedenen Haltungen machen kann. Zweitens glaube ich, dass ich es versuche zu vermeiden mich selber zu brandmarken. Ich halte nicht viel von der Idee, dass jeder DJ und Musiker für etwas Bestimmtes stehen muss…ich bin kein Softdrink oder Frühstückscerealien, also habe ich verschiedene Namen, um das zu verhindern.

Wie kreierst du deinen einzigartigen Sound? Wie arbeitest du im Studio?

Das kommt immer drauf an, manchmal bei einem mehr Club orientierten Track fange ich mit den Drums und dem Bass an und arbeite mich von dort aus weiter. Andere Male ist es vielleicht etwas verrückt  und ich finde einen Sound von dem ich starte wie z.B. das Atmen meines Hundes. Ein paar Albumtracks kommen von Songs, die ich akustisch mit der Gitarre geschrieben habe. Also ist es eine Mischung aus Software-Synth und einer Art Live-Aufnahmen. Ich zerfetzte Sounds gerne so viel wie möglich, sodass sie eine Art Verdrehung haben.

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Was können wir als nächstes erwarten?

Ich schreibe neue Sachen für Deadstock 33s und arbeite an einem Albumprojekt mit Daniel Avery, das Form annimmt auf den Markt zu kommen. Wir genießen das wirklich! Zudem habe ich eine Tonne Remixe, die in den nächsten Monaten rauskommen.

Du bist schon so lange im Musikbusiness, mehr als 20 Jahre. Vermisst du manchmal die alten Zeiten?

Nicht wirklich, ich meine ich hatte wunderbare Zeiten und einige fantastische, wenn auch benebelte, Momente. Aber ich glaube das Jetzt ist faszinierender. Ich denke auch wenn man sich immer auf die Vergangenheit beziehen kann, muss ich weiterkommen. Die gegenwärtige Musikszene birgt viele Aufgaben, aber es gibt einfach  so viele spannende Musik da draußen, die dich weitermachen lässt!

Deine erste gekaufte Platte … „Olivers Army“ von Elvis Costello

Dein erstes Konzert … Black Sabbath, Hammersmith Odeon

Der beste Club in dem du jemals warst … In der Hacienda in ihrer Blütezeit

Der verrückteste Musiker/DJ, den du jemals getroffen hast … Eine mysteriöse Band, die ich beim Glastonbury gesehen hab. Die sahen aus und klangen wie MC5, sprachen nie und spielten einfach nur diesen Fuzz-Rock von einem anderen Planeten. Ich habe nie rausgefunden, wer das war.

Manchester … spirituelle Heimatstadt.

Andrew Weatherall … Gentleman und Meister der esoterischen Künste.

Happy Mondays …Verrückterweise habe ich sie nie getroffen. Ich kenne ihre Road-Crew. Ich glaube sie schulden mir Geld für einen Remix?

www.thedeadstock33s-justinrobertson.com