
Aus der gleichnamigen Bar, die bereits 2023 eröffnete, ist Ende 2025 der Kabinett Record Store im Münsteraner Hansaviertel hervorgegangen. In konsequenter DIY-Manier entwickelt, verbindet das Projekt eine individuell kuratierte Vinyl-Auswahl mit informellem Austausch am Tresen und dem Charakter einer klassischen Tanzbar – eine Kombination, die der Stadt lange gefehlt hat. In unserem Gespräch geben die Verantwortlichen Einblicke in den Store, der zum Diggen von House und Techno, aber auch Soul, Funk und Hip-Hop einlädt.
Anfang Dezember konntet ihr die Eröffnung des Kabinett-Recordstores feiern. Nehmt uns mit auf eine kleine Reise durch die Stationen – von der Idee und den Arbeiten bis zum Opening. Wie resümiert ihr die ersten Wochen?
Ursprünglich kam die Idee von den Jungs vom Kabinett. Nachdem sie die Bar erfolgreich an den Start gebracht hatten, entstand der Wunsch nach einem weiteren Projekt. Da es in Münster aktuell keinen Plattenladen gibt, der die Musik anbietet, die wir selbst lieben, stieß die Idee sofort auf offene Ohren. Ein großer Teil der Vorbereitung bestand in der sorgfältigen Kuration des Sortiments, dem Bau der Regale und der konzeptionellen Planung. Zur Eröffnung konnten wir rund 1.300 Platten anbieten. Die ersten Wochen haben gezeigt, dass der Bedarf da ist. Viele Gäste nehmen sich bewusst Zeit zum Stöbern, tauschen sich aus und kommen ins Gespräch – genau so hatten wir uns das vorgestellt.
Ihr kombiniert einen Plattenladen mit den klassischen Strukturen einer (Tanz-)Bar. Wie beeinflussen sich diese Faktoren idealerweise gegenseitig?
Wir öffnen freitags am späten Nachmittag, sodass ein fließender Übergang in den Barbetrieb entsteht. Gäste, die zum Stöbern kommen, bleiben oft noch auf ein Getränk – und umgekehrt entdecken Barbesucher*innen den Plattenladen nebenbei. So entsteht ein natürlicher Austausch. Der Recordstore stärkt das Kabinett in seinem Selbstverständnis als Ort für Musik und aktive Szenearbeit – auch abseits des Barbetriebs. Wir wollen Interesse wecken, ein vielfältiges DJ-Programm fördern und einen Begegnungsort für Musikliebhaber*innen schaffen. Der Freitag wird so zum bewussten Start ins Wochenende – ein dritter Ort, an dem es nicht nur ums Feiern, sondern auch ums Entdecken und Vernetzen geht.
Werfen wir einen Blick in euer Sortiment. Wie kuratiert ihr euren Plattenkatalog und welche Genres stehen dabei im Vordergrund?
Im Vordergrund stehen sicherlich House und Techno, aber auch Genres wie Hip-Hop, Soul oder Funk haben ihren festen Platz bei uns. Die Kuration entstand zunächst aus den privaten Sammlungen der beteiligten DJs, die einen Teil ihrer gebrauchten Platten zum Verkauf anbieten. Ergänzt wird das Sortiment durch Kooperationen mit kleineren Labels und Artists, deren Releases nun ebenfalls bei uns erhältlich sind. Diesen Bereich möchten wir in Zukunft weiter ausbauen und so noch stärker als Schnittstelle zwischen Akteur*innen der Szene fungieren.
In welcher Rolle seht ihr euch, um das Nachtleben zusätzlich zu bereichern bzw. zu ergänzen?
Wir verstehen uns als Plattform für Menschen, die Musik auf Vinyl nachhaltig wertschätzen. Wer sich für den Kauf einer Platte entscheidet, trifft eine bewusste Entscheidung – im Gegensatz zum oft schnelllebigen digitalen Musikkonsum. In diesem Sinne wollen wir das Nachtleben ergänzen: als Ort für Austausch, Inspiration und langfristige Musikkultur.
Der Record Store öffnet derzeit einmal pro Woche. Wollt ihr die Zeiten in Zukunft erweitern?
Aktuell ist keine Erweiterung der Öffnungszeiten geplant. Wir sehen den Freitag ganz bewusst als Brücke ins Wochenende – als festen Moment, um zusammenzukommen, durch die Platten zu stöbern und sich auf die kommenden Tage einzustimmen. Wie sich das weiterentwickelt, hängt natürlich davon ab, wie das Angebot angenommen wird. Im Moment fühlt sich dieser konzentrierte Rahmen jedoch genau richtig an.
Aus dem FAZEmag 169/03.2026
www.instagram.com/kabinett_record_store
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